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Gut gesät ist halb gepflanzt

Neue Serie zur Gartensaison Gut gesät ist halb gepflanzt

Kaum haben die ersten Sonnenstrahlen die noch herbstlich anmutenden Rabatten angewärmt, beginnt das große Sprießen. Höchste Zeit für die ersten Sämereien.

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Die neuen Aussaaten müssen gleichmäßig feucht gehalten werden, damit die Samen keimen können. Die Etiketten verraten, was in den Töpfchen „verbuddelt“ wurde.

Quelle: Frank Rademacher

Sterzhausen. Die Regale in den Gärtnereien und Garten-Centern sind längst gefüllt mit allerhand Gemüsepflänzchen und den ersten Frühlingsblühern. Ambitionierte Hobbygärtner lassen die grüne Pracht indes links liegen und wenden sich dem Ständer mit den Samentütchen zu.

Wer Blumen und Gemüse selbst aussät, hat damit zwar deutlich mehr Aufwand - die Arbeit macht sich aber, wenn einige Regeln beachtet werden, durchaus bezahlt, erklärt Irene Becker, Vorsitzende der Regionalgruppe Mittelhessen der Gesellschaft der Staudenfreunde aus Sterzhausen.

Aussäen kann zunächst einmal jeder - eine warme Fensterbank ist die Mindesvoraussetzung. Wer indes über ein kleines Gewächshaus in seinem Garten verfügt, steigert die Möglichkeiten gleich deutlich. Hier darf beim Aussäen auch mal etwas von der Erde auf den Boden fallen, das Licht scheint zudem im Gewächshaus gleichmäßiger und nicht wie auf der Fensterbank nur von einer Seite.

Kräuter- oder Aussaaterde verwenden

Was also braucht es für die Sämereien? Sinnvoll ist es, Kräuter- oder Aussaaterde zu verwenden. Sie ist kaum gedüngt, was für die allermeisten Samen von Vorteil ist. Anders als die Erde aus dem Gartenbeet ist sie zudem frei von Samen, es sollte also nur das keimen, was wir auch säen, erläutert Becker.

Als Aussaatgefäße eignen sich kleine Blumentöpfchen, von denen man ohnedies später noch einige benötigt. Zunächst werden die Töpfchen randvoll mit der Aussaaterde befüllt, die dann leicht angedrückt wird, um eine möglichst ebene Fläche für die feinen Samen zu schaffen. Mit einer Sprühflasche wird diese Fläche gut angefeuchtet, ehe gesät wird. Die Sprühflasche verteilt das Wasser gleichmäßig, es drohen auch keine Gießlöcher.

Die Größe der Samen entscheidet darüber, wie leicht das mit dem Säen wird. Fingerhut-Samen etwa ist eher winzig, weshalb man ihn am besten zunächst auf die Handfläche streut, um die Körner dann gleichmäßig verteilen zu können. Wer zu dicht sät, bekommt in drei bis vier Wochen Probleme, wenn die Keimlinge so dicht stehen, dass sie sich nur schwer vereinzeln lassen. Weniger ist auch hier mehr - und wer noch mehr haben möchte, verteilt den Samen auf mehrere Töpfchen.

Anschließend wird der Samen mit einer dünnen Schicht Erde bedeckt und noch einmal gut eingesprüht. Ausnahme sind die sogenannten Lichtkeimer, die nicht abgedeckt werden. Sie brauchen das Licht für die Keimung. Dunkelkeimer dagegen wollen eine etwas dickere Abdeckung, die aber auch nicht mehr als einen Zentimeter betragen sollte.

Klarsichtfolie überspannen

Ein an den Rand des Töpfchens gestecktes Etikett sorgt dafür, dass wir auch nach einer Woche noch wissen, was in welchen Topf gesät wurde. Jetzt müssen wir nur noch darauf achten, dass die Aussaaten nicht austrocknen. Regelmäßiges Einsprühen gehört deshalb zu den Gärtnerpflichten.

Irene Becker verrät dazu noch einen Trick: „Das Anzuchtgefäß mit einer Klarsichtfolie überspannen, dann halten wir ein feuchtes Klima und müssen nicht so oft gießen.“

Im warmen Gewächshaus können die ersten Saaten schon nach wenigen Tagen keimen, andere Samen wie etwa Petersilie lassen sich auch mal drei bis vier Wochen Zeit oder keimen gar nicht.

Nach dem Keimen entwickeln sich zunächst die sogenannten Keimblätter, denen dann die ersten eigentlichen Blätter folgen. Sobald diese erscheinen, ist die Zeit für das Pikieren oder Vereinzeln gekommen. Jetzt werden deutlich mehr Blumentöpfchen benötigt und „normale“ Blumen- oder Gartenerde. Mit der werden die Töpfchen wieder gefüllt, angefeuchtet und mit dem Zeigefinger mittig ein Loch in die Erde gedrückt. Die jungen Pflänzchen werden aus dem Anzuchttopf gekippt und sehr vorsichtig auseinandergezogen. Dabei sollten weder die Pflänzchen noch ihr zartes Wurzelwerk beschädigt werden - hier ist Fingerspitzengefühl angesagt.

Manches kann auch gleich ins Beet

Die Pflänzchen werden bis zu den Keimblättern in den „Bohrlöchern“ versenkt, dann die Löcher vorsichtig mit Erde aufgefüllt und gewässert. Die pikierten Jungpflanzen müssen weiter feucht, aber keinesfalls nass gehalten werden. Nach drei bis vier Wochen sollten sie gute Wurzelballen gebildet haben und können dann an Ort und Stelle ausgepflanzt werden.

Möhren oder Spinat können auch direkt ins Beet ausgesät werden. Dafür eignen sich auch die sogenannten Saatbänder, die der Handel seit einigen Jahren anbietet. Sie haben den Vorteil, dass später nicht ausgelichtet werden muss, weil zu dicht gesät wurde.

Salat wird nur in kleinen Mengen ausgesät, maximal zehn Samenkörner, dafür aber alle 14 Tage: Auf diese Weise gibt es bis in den Herbst hinein immer erntereifen Salat.

Während Fingerhutsamen auch nach 60 Jahren noch zuverlässig keimt, halten sich etwa Gemüsesamen sicher nur zwei Jahre. Danach lässt die Keimfähigkeit deutlich nach. Im Zweifel ist es deshalb ratsam, auf „frischen“ Samen zurückzugreifen.

Von vielen Blumen lässt sich der Samen auch problemlos selbst ernten. Dafür schneidet man die letzten Blütenstände im Spätsommer nicht ab und lässt die Samen voll ausreifen. Wichtig ist, dass die trockenen Samen dann möglichst kühl, trocken und dunkel über den Winter gelagert werden. Auf diese Weise kann man immer über keimfähigen Samen verfügen.

von Frank Rademacher

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