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Grundwasser ist ein wertvolles Gut

Wasserexport-Stopp Grundwasser ist ein wertvolles Gut

Der Biologe Dr. Hans Otto Wack von der Schutzgemeinschaft Vogelsberg sprach über die Gefahren des Wasserexports nach Frankfurt und die Möglichkeiten, diesen noch zu stoppen.

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Ortsvorsteherin Sabine Gleisner-Kuß (von links), der Biologe Dr. Hans Otto Wack und Dr. Anne Archinal, Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Rettet den Burgwald, gingen der Frage nach, ob der Wassertransport aus dem Burgwald noch gestoppt werden kann.

Quelle: Manfred Schubert

Wetter.. Ein gewichtiges Thema hatte Ortsvorsteherin Sabine Gleisner-Kuß für die Sitzung des Ortsbeirats der Kernstadt Wetter auf die Tagesordnung gesetzt. „Im hessischen Ried kann man abgestorbene Bäume sehen, weil der Grundwasserspiegel stark abgesenkt wurde. Der Burgwald ist noch grün, das sollte auch so bleiben“, sagte sie eingangs.

Zur Frage „Können wir den Wasserexport aus dem Burgwald nach Frankfurt noch stoppen?“ waren Dr. Anne Archinal, Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft ,Rettet den Burgwald‘ und der Biologe Dr. Hans Otto Wack von der Schutzgemeinschaft Vogelsberg die Kooperationspartner bei den Bemühungen um den Schutz des Burgwaldwassers als Referenten eingeladen.

Ortsbeiräte wollen gemeinsamen Weg gehen

30 Teilnehmer waren ins Bürgerhaus gekommen, um sich über das Thema zu informieren. Beabsichtigt ist, nach dieser Auftaktveranstaltung einen einheitlichen Weg mit allen Ortsbeiräten zu gehen und einen entsprechenden Auftrag beim Bürgermeister einzureichen, sich beim Zweckverband Mittelhessische Wasserwerke (ZMW) sowie im April in Wiesbaden bei dem Leitbildprozess zur nachhaltigen Wasserversorgung in der Rhein-Main-Region gegen den Wasserexport einzusetzen, erklärte die Ortsvorsteherin am Ende.

Zuvor hatte sie Dr. Hans Otto Wack für den kompetenten Vortrag gedankt, was die Zuhörer mit ihrem Beifall bekräftigten. „Ohne Wasser gibt es keinen Naturraum, ohne Naturraum keinen Mensch“, hatte Wack eingangs betont. Es gehe um Ausgewogenheit, nicht darum, den Naturraum zu entvölkern, fügte er an. „Sie haben hier, ähnlich wie wir im Vogelsberg, einen phantastischen Naturraum, der einen Wert an sich hat. Das ist ein riesiger Genpool, wo das Leben entstanden ist und konserviert wird. Feuchtgebiete sind nicht so wichtig, weil sie so schön aussehen, sondern sie sind essentiell, Grundlage allen Lebens“, machte er eindrücklich klar.

Wasservorrat für die nächsten Generationen

Er schilderte die erfolgreichen Auseinandersetzungen um die Wasserentnahmen aus dem Vogelsberg, deren ursprünglich geplante Höhe von 120 Millionen Kubikmetern im Jahr „der Tod der Feuchtgebiete“ gewesen wäre. Der Verbrauch des Rhein-Main-Gebietes liege bei 200 Millionen Kubikmetern. Jetzt gehe es wiederum nicht nur um die nächsten zehn Jahre, auch nicht um den Wasserpreis, sondern um die nächsten Generationen und um die Frage, ob die Kommunalpolitik ihre Verantwortung wahrnehme oder nicht.

Beim Grundwasser gibt es keinen Überschuss, wie viele behaupten oder glauben. Über Jahrzehntausende hat sich ein Gleichgewicht eingestellt, das langsam am Kippen ist. Allein schon durch den Klimawandel, das kürzere Winterhalbjahr und geringere Schneemengen geht die Grundwasserneubildung viel schneller zurück, „als es sich irgendwelche Simulationsprogramme hätten träumen lassen“, sagte Wack.

Längere Trockenzeiten bei gleichem Niederschlag

Gleichzeitig würden die Trockenperioden immer länger. Wenn es dann in kurzer Zeit viel regnet, heißt es, die durchschnittlichen Niederschlagsmengen hätten sich nicht geändert. Dem Grundwasser bringe das nichts: „50 Liter pro Quadratmeter in zwei Stunden fließen gnadenlos weg“, erklärte Wack. Ein Problem sei, dass der Naturraum im Sommer, wenn der Wasserbedarf am höchsten ist, Wasserentnahme am schlechtesten vertrage.

Nun hat der ZMW beschlossen, eine Verbindungsleitung zur OVAG im Vogelsberg, die Frankfurt mit Vogelsbergwasser beliefert, zu bauen. Damit sollen zwei bis maximal fünf Millionen Kubikmeter im Jahr von Wohratal nach Süden weitergeleitet werden. Dies sei aber gar nicht nötig, laut ZMW-Geschäftsbericht 2013 gehe es um das Ziel Verkaufsmengensteigerung. Ein 2013 erstelltes Gutachten sage, dass die Wasserversorgung des Rhein-Main-Gebiets auf Jahrzehnte gesichert sei, auch der Spitzenbedarf konnte bisher durch Entnahme aus dem Frankfurter Stadtwald gedeckt werden.

Wasserschutzgebiet steht Industriegebieten im Weg

Gerade diese Entnahmestellen sollen aber geschlossen werden, denn das Wasserschutzgebiet stehe der Expansion von Industriegebieten im Wege, unter anderem für Kiesabbau. „Um für zehn Jahre Kies abzubauen, würde das Schutzgebiet für 20 bis 30 Generationen zerstört“, verdeutlichte Wack. Wenn der ZMW seinen Absatz nicht steigere, führe das für die Verbraucher vielleicht zu einer Preissteigerung um 20 Cent pro Kubikmeter.  „Ich behaupte nicht, dass der Burgwald trocken gelegt wird, wenn im Wohratal zwei Millionen Kubikmeter mehr gefördert werden, aber es ist ein erster Schritt“, warnte er.

Dass die Gefahren nicht allen Lokalpolitikern bewusst seien, versuchten Anna Hofmann und Bernd Hannemann, Kreistagsabgeordnete der Linken, zu verdeutlichen. Letzterer zitierte aus dem Kreistag: „Was wollt ihr mit dem vielen Wasser im Burgwald“, habe dort einer bei der Diskussion gesagt, nahezu alle Hände seien für die erhöhte Wasserentnahme in die Höhe gegangen. „Wir müssen die Wasser- und vor allem die Geldströme im Rhein-Main-Gebiet im Auge behalten. Im Vogelsberg sind die Bürgermeister dabei“, sagte Dr. Anne Archinal. Einige Zuhörer gaben sich pessimistisch, ob noch etwas gegen den Wasserexport getan werden kann, da schon an der Leitung gebaut wird.

Ortsnahe Wasserversorgung hat laut Gesetz Vorrang

Wack widersprach: „In trockenen Tüchern ist beim Wasser noch gar nichts. Man baut die Leitung, um die Politik unter Druck zu setzen. Ich appelliere an den gesunden Menschenverstand. Die Kommunalpolitik muss sich in die richtige Richtung bewegen, ohne Rücksicht auf Parteipolitik.“ Und laut Gesetz habe die ortsnahe Wasserversorgung Vorrang. Er sehe auch die Möglichkeit, notfalls juristisch vorzugehen: Letzten Endes gehe es darum, dass ein öffentlich-rechtlicher Verband wie der ZMW nicht mehr wie ein Privatunternehmen geführt werde, bei dem nur noch in Zahlen gedacht werde und es  um Prämien gehe, das sei ein Stück weit intransparent.

von Manfred Schubert

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