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Großes Theater um zwei Pfarrer und die Kirche

Theater in Münchhausen Großes Theater um zwei Pfarrer und die Kirche

Ein echter Pfarrer, der als böser Christ daherkommt, ein gespielter Pfarrer, der übertrieben salbungsvoll auftritt und eine eigenwillige Dorfbevölkerung waren einige der Zutaten für einen unterhaltsamen Theaternachmittag.

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Einen vergnüglichen Theaternachmittag erlebten 270 Besucher in der Kirche in Münchhausen mit dem Stück „Der gestohlene Kirchenschlüssel“ oder „Wem gehört die Kirche?“Fotos: Manfred Schubert

Quelle: Manfred Schubert

Münchhausen. Mehr als 300 Jahre zurück versetzten die Darsteller die 270 Zuschauer, die zu den ersten beiden Vorstellungen des historischen Theaterstücks „Der gestohlene Kirchenschlüssel“ oder „Wem gehört die Kirche?“ gekommen waren.

Dieses spielt in den Jahren 1687/88 im damaligen lutherischen Kirchspiel Christenberg, zu dem Münchhausen, Ernsthausen, Roda, Simtshausen und Wollmar gehörten. Aus diesen Dörfern kamen auch die 25 Laiendarsteller, die bereits im Frühjahr mit den Proben begannen.

Autor ist der Simtshäuser Professor Dr. Gerd Aumüller, der aus historischen Dokumenten und der Schrift „Vom Kampf und Leiden des Kirchspiels Münchhausen“ des Marburger Pfarrers Wilhelm Kolbe ein unterhaltsames, volkstümliches Schauspiel entwickelt hat.

Zwei Gemeinden entstehen

Dabei ging es um die Frage, ob die Obrigkeit gegen den Willen der Bevölkerung einen Konfessionswechsel durchsetzen darf. Landgraf Karl von Hessen, der ein Anhänger der reformierten Richtung der Reformation war, nutzte die Gelegenheit, als einige Gemeindemitglieder Beschwerden gegen den langjährigen Pfarrer des Kirchspiels vorbrachten. Zwar erwiesen sich diese als haltlos, doch Justus Milchsack wurde seines Amtes enthoben. Den entsetzten Gemeinden präsentierte man den reformierten Theologen Nikolas Grau, salbungsvoll mit übertriebenem Pathos gespielt von Oli Wolf, als neuen Pfarrer.

Das rief erheblichen Widerstand der Bevölkerung hervor. Diesen zu brechen, schickt sich der Oberschultheiß Johann Adam Christ aus Frankenberg an, gespielt vom Münchhäuser Pfarrer Friedhelm Wagner, der die ungewohnte Rolle des „bösen Christ“ zum Vergnügen der Zuschauer richtig auskostete.

Der Konflikt endete damit, dass bis ins Jahr 1962 in Münchhausen nebeneinander eine lutherische und eine reformierte Kirchengemeinde mit eigenen Pfarrern bestanden, die sich die Kirche teilten.

Wiewohl es sich um ein historisches Stück handelt, wurde nicht mit multimedialem Einsatz gespart. Drei Szenen waren vorab gefilmt worden. So wurde die Ankunft des Landgrafen mit seinen Jägern zu Pferde auf ­einer Waldlichtung per Videobeamer vorgeführt.

Auch Livemusik bereicherte die etwa einstündige Aufführung. Die Sängerin Tanja Becker begleitete die Geschichte in der Rolle des Liedermachers. Das Gesamtensemble sang zum Schluss unter Anleitung von Schulmeister Fett, gespielt vom ehemaligen Schulleiter Wolfgang Vajen, ein Lied, das neben dem Lob der Heimat auch die Zeilen „Im Dorfe sind wir alle eins, da gilt nur unser Wort, den Herren gönnen wir hier keins, sonst jagen wir sie fort“ enthielt.

Das Theaterstück entstand anlässlich der Mitmachaktion „Alte Thesen, neu gelesen“ der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck zum 500.

Reformationsjubiläum im Jahre 2017, zu der sich Kirchengemeinden bewerben konnten. Vom Erlös der Theateraufführungen geht die Hälfte an das Hilfsprojekt „Straßenkinder in Addis Abeba“, die andere Hälfte kommt dem Erhalt der Christenbergkirche zugute. Eine weitere Aufführung findet am 13. November um 16.30 Uhr in der Kirche zu Münchhausen statt.

von Manfred Schubert

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