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Großes Fest fürs kleine Backhaus

Einweihung Großes Fest fürs kleine Backhaus

Kein selbstgemachtes Brot aus dem Backhaus - in Oberasphe herrschte 2014 Ausnahmezustand. Doch nach einigen Monaten war das Backhaus so weit saniert, dass es wieder genutzt werden konnte. Ganz fertig geworden ist es erst jetzt.

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Selbstgemacht: Oberasphes Ortsvorsteher Gerd Hallenberger zeigt eines der rustikalen Roggen-Sauerteigbrote, wie sie in dem Backhaus seit jeher hergestellt werden.

Quelle: Carina Becker

Oberasphe. Elisabeth Groß ist erleichtert. „Das gekaufte Brot vom Bäcker, das ist nichts für mich“, sagt die 76-Jährige, deren Familie „schon immer“ selbst ihr Brot im Backhaus Oberasphe backt - in diesem Handwerk wurde Elisabeth Groß schon als Kind und Jugendliche von ihrer Großmutter und Mutter angelernt. „Unser Brot, das schmeckt immer - gekauftes Brot werde ich schnell leid“, erzählt die Oberaspherin. Außer ihrer Familie gibt es noch zehn weitere in dem kleinen Dörfchen im Norden des Landkreises, wo Backen im Backhaus ganz selbstverständlich zum Leben gehört.

„Etwa alle sechs Wochen gibt es einen Backtag“, berichtet Ortsvorsteher Gerd Hallenberger. Zwei Tage lang ist dann der Ofen in Betrieb, „alle Brotbäcker backen nacheinander, jeder bringt seinen Teig mit, der nach den alten Familienrezepten hergestellt wird“. Bei den Hallenbergers ist es ein Roggen-Sauertag mit hohem Schrotanteil. „Wir haben hier alles am Ort, was wir brauchen“, freut er sich und berichtet, dass das Mehl von einem Oberaspher Bauern kommt.

Neuer Ofen seit Sommer in Betrieb

Ab Januar 2014 mussten die Oberaspher Brotbäcker einige Monate pausieren - im Zuge der Dorferneuerung stand die Sanierung des Backhauses an. Und dafür war es auch höchste Zeit, denn mit den Öfen gab es Probleme, teils waren sie nicht mehr nutzbar. Im Sommer dann war der neue Ofen fertig gebaut und konnte wieder angeheizt werden. Es ist ein schickes gemauertes Modell mit einer zwei Meter breiten und gut zwei Meter tiefen Backkammer sowie drei Zügen für die Luftzufuhr und Schamotte-Steinen, die die Hitze gut halten. Errichtet wurde er vom Familienunternehmen Heuft aus der Eifel. Kostenpunkt: Rund 18000 Euro.

Doch damit war die Backhaus-Sanierung, die die Backgemeinschaft mit Hilfe von weiteren Menschen aus dem Ort zum Großteil in Eigenleistung gestemmt hat, noch nicht abgeschlossen. Rings um den neuen Ofen verputzten die Helfer die Wände frisch. Einen Teil des Backhauses haben die Oberraspher gekachelt und mit einer Spüle sowie einer Arbeitsfläche ausgestattet.

Das alte Gebäude ist zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert errichtet worden, schätzt der Ortsvorsteher und berichtet, dass vor allem Helmut Müller, ein Ruheständler aus Oberasphe, der mit seiner Frau Gisela die Backgmeinschaft leitet, sehr viele Arbeitsstunden in dem kleinen Häuschen verbracht hat. Einen guten Eindruck von dem Aufwand, den die Oberaspher betrieben haben, gibt eine alte Steinwand, die ganz unverputzt den Blick freigibt auf die vielen großen und kleinen Steine aus dem früheren Oberaspher Bruch, mit denen das Häuschen errichtet wurde. Diese Steinwand hat Helmut Müller in liebevoller Handarbeit neu verfugt - „eine unfassbar aufwändige Arbeit“, sagt Hallenberger, der froh war, dass Müller diese Aufgabe übernommen hat. Ohne die Eigenleistung der Menschen aus dem Dorf hätte die Gemeinde, die für die Backhaus-Sanierung knapp 23000 Euro aus der Dorferneuerung bekommt, das Vorhaben nicht stemmen können. „Sonst hätte es insgesamt 39000 Euro gekostet“, sagt Hallenberger und berichtet, dass ins Obergeschoss, wo die Burschenschaft ihren Raum hat, noch eine neue Sanitäranlage eingebaut werden soll.

Resthitze reicht für Kuchenbleche

All das, was die Oberaspher in ihrem Backhaus schon geschafft haben, wollen sie am Sonntag mit vielen Gästen feiern. Diese sollen dann erleben, wie gut der neue Ofen backt und wie lecker frisches Hausmacher-Brot und Kuchen nach Aspher Traditionsrezepten aus dem Backhaus schmecken.

Diesen Samstag nutzen die Brotbäcker schon fürs Backen - am Sonntag reicht die Resthitze, um riesige Bleche mit Kuchen zu backen. „Es gibt Streusel-, Kirsch-, Käse- und Zwetschenkuchen“, zählt Elisabeth Groß auf.

Für die Besucher geht es um 11 Uhr am Backhaus los. Die Burschenschaft verkauft Getränke und Gegrilltes. Die Besucher finden Sitzplätze direkt am Backhaus und daneben in einem Zelt, falls es Regen gibt.

von Carina Becker

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