Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
„Grandpa‘s Hope“ erobert jetzt die Welt

Fohlen-Zwillinge „Grandpa‘s Hope“ erobert jetzt die Welt

Seit 1994 züchtet Georg Poitzmann in Wetter Pferde - Holsteiner um genau zu sein. In so einer langen Zeit erlebt man viel, so dass man selten noch aus der Ruhe kommt. Doch jüngst staunte Poitzmann dann doch nicht schlecht.

Voriger Artikel
Wegwerfen war einmal
Nächster Artikel
Seit Tagen ohne Telefon und Internet

Der große Moment ist gekommen. Die Zwillingsfohlen lernen ihre „Hauswiese“ kennen. Der kleine Hengst im Vordergrund ist entzückt und auch seine Schwester tollt schon herum. Keine Minute später laufen sie mit ihrer Mutter über die Wiese.

Quelle: Tobias Hirsch

Wetter. Die Stute Tagetes wird Springpferde-Züchter Georg Poitzmann sicher für immer in besonderer Erinnerung bleiben. Denn sie brachte vor gut fünf Wochen Zwillingsfohlen zur Welt. „Ja, und?“, mag nun der geneigte Pferde-Laie fragen. Zwillingsfohlen sind bei Pferden sehr, sehr selten, weiß Poitzmann zu berichten. Und wenn sie dann doch mal vorkommen, ist es noch einmal sehr sehr selten, dass beide Fohlen lebensfähig sind. So gesehen dürfen sich die Zwillingsfohlen wie ein Sechser mit Superzahl im Lotto fühlen. Sicher wäre Poitzmann im Vorfeld aufgeregt gewesen, wenn er nur gewusst hätte, dass die Stute zwei Fohlen im Bauch hat.

Er wusste es aber nicht. Niemand wusste von diesem Geheimnis der Stute. „Ich habe sie ganz normal einige Tage vor der Geburt in die Uniklinik nach Gießen gebracht. Die Untersuchungen zuvor waren alle gut verlaufen, nichts deutete auf eine Besonderheit hin. „Der Tierarzt, der in Gießen Nachtdienst hatte als die Geburt stattfand, musste wohl gar nicht eingreifen, die Stute hatte alles allein hinbekommen“, erzählt Poitzmann. Und weiter: „Als dann der Anruf kam und ich nachfragte, was es denn geworden sei, sagte man mir Stute und Hengst. Ich dachte erst, ich hätte mich verhört.“

Bangen um Stute

Nach der Überraschung folgte dann aber eine negative Nachricht: Die Stute wog bei ihrer Geburt nur 22 Kilo. „Fast hätte ich einer... , ach nein, ich wollte das Tier erst einmal sehen.“ Und dann fiel die Entscheidung, die Stute bekommt ihre Chance und wird mit Milchflaschen gepäppelt, bis sie stark genug ist, bei der Mutter zu trinken. Binnen zwölf Tagen verdoppelte das Tier mit dem passenden Namen Grandpa‘s Hope (Deutsch: Großvaters Hoffnung) sein Gewicht. Damit war die kleine Stute über den Berg. Und so wirbeln jetzt zwei Fohlen um die stolze Mama Tagetes herum und genießen den Auslauf auf Poitzmanns Koppel.

Zwillingsfohlen. Foto: Tobias Hirsch

Zur Bildergalerie

Am 1. Juli wurden die „Kleinen“ erstmals auf die Wiese gelassen. Natürlich mit der Mutter. Die Fohlen zeigten sich nicht im Geringsten von der Größe der Wiese beeindruckt. Im Gegenteil, sie testeten sie gleich mal aus und liefen wild umher und animierten damit wohl auch ihre Mutter, mal ein bisschen durchzustarten. Und so liefen sie alle drei nebeneinander über die Wiese, als hätten sie es schon hundert Mal zusammen getan. Poitzmann genoss den Augenblick schweigend. Und er konnte sich spätestens zu diesem Zeitpunkt ganz sicher sein, alles richtig gemacht zu haben.

Die kleine Stute weiß nicht, das ihr Leben an einem seidenen Faden hing. Gut so. So lernt sie frei von Sorgen, sich durchzusetzen. „Und das kann sie auch schon sehr gut. Unter den Geschwistern gibt sie ganz klar den Ton an“, sagt Poitzmann. Dann darf man ja sehr gespannt sein, was aus dem Zwillingen wird. Denn sie gehören zum Stamm „776“. Kenner der Szene wissen sofort, was das heißt. Genau: Dieser Stamm gehört zu den erfolgreichsten Springstämmen der Welt und rangiert nicht selten auf den Listen auf Platz eins. Und ihr Vater, ein stolzer Schimmel, ist kein geringerer als „Mylord Charthago“, der bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften schon Medaillen gewonnen hat.

von Götz Schaub

Hintergrund

Alle Trächtigkeiten beim Pferd beginnen als Zwillingsträchtigkeit, welche sich dann zwischen dem 7. und 11. Tag der Trächtigkeit auf eine Einlingsträchtigkeit reduzieren. Bleibt es bei Zwillingen, haben diese eine gemeinsame Plazenta. Eine Zwillingsträchtigkeit lässt sich in der Regel  ab der dritten Trächtigkeitswoche durch eine Ultraschalluntersuchung erkennen. Da die Gebärmutter für zwei Fohlen nicht groß genug ist, ist das Risiko, dass es zu Fehlgeburten kommt, sehr hoch. Deshalb wird bei frühzeitig erkannten Zwillingsträchtigkeiten meist versucht, eine  der beiden sogenannten Fruchtanlagen durch Abdrücken zu entfernen.
Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr