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Goßfeldener fürchten Ausweichverkehr

B252 Goßfeldener fürchten Ausweichverkehr

Warum die neue B252 ausgerechnet im mittleren Bauabschnitt begonnen wurde, wissen die Lahntaler Bürger nun. Aber dass dadurch nicht erheblich mehr Verkehr auf sie zukommen sollte, dasbezweifeln viele.

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Durch das vorläufige Ausbauende in Goßfelden fürchten  Anwohner mehr Verkehr in der Durchfahrtsstraße.

Quelle: Michael Agricola

Goßfelden. Willi Kunze, Regionalbevollmächtigter der Straßenbaubehörde Hessen Mobil, stellte den gut 110 Besuchern auf Einladung von Bürgermeister Manfred Apell in der Lahnfelshalle vor, wie das Straßenbauprojekt zwischen Göttingen und Münchhausen voranschreitet, was derzeit und in den kommenden Jahren zwischen Goßfelden und Wetter passiert und wieso es dazu kam, dass zuerst der mittlere Teil der etwa 18 Kilometer langen Strecke gebaut wird.

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Für die meisten Besucher stand allerdings vor allem eine Frage im Vordergrund: Wie entwickeln sich die Verkehrsströme nach der Fertigstellung des ersten Bauabschnitts, der für das Jahresende 2017 avisiert ist. Konkret: Wie stark wird die Ortsdurchfahrt von Goßfelden dann als Abkürzungsstrecke belastet? Denn dann endet die neue Straße im Gewerbegebiet von Goßfelden. Von dort werden die Autofahrer auf die B62 entlassen, entweder in Richtung Göttingen, Cölbe und die B3 oder in Richtung Biedenkopf beziehungsweise über Goßfelden und Wehrda nach Marburg. Dies gilt mindestens bis zum Jahr 2022, dem frühestmöglichen Fertigstellungstermin der gesamten Strecke.

Abkürzung Weißer Stein

Willi Kunze vermochte darin kein großes Problem zu erkennen, weil auf der Strecke nicht mehr Fahrzeuge unterwegs sein werden als vorher. Er halte es nicht für wahrscheinlich, dass der Großteil der Verkehrsteilnehmer, die aus Richtung Frankenberg nach Marburg wollen, in Wetter die alte B-252-Trasse verlassen, den Umweg über 1,5 Kilometer auf der K 123 zur neuen B252 nehme und in Goßfelden wieder Richtung B3 fahre. Da sei es doch einfacher und schneller, auf der alten B252 zu bleiben.

Goßfeldens Ortsvorsteher Wilfried Lies war einer derjenigen, die Kunze in diesem Punkt nicht zustimmten. Er brachte die Wahrnehmung vieler Goßfeldener vor, dass sowohl aus Wetter als auch aus Richtung Biedenkopf kommende Autofahrer schon jetzt gern die Abkürzung über den Weißen Stein nutzten. Auch viele Navigationsgeräte zeigten den Weg durch Goßfelden als kürzeste Strecke an, sagte ein anderer Besucher.

Wilfried Lies verwies auch auf die Erfahrungen aus dem Sommer 2013, als vor Göttingen ein umgekippter Lkw die Verbindung zur B3 für einen ganzen Tag lahmlegte. „Da sind die Autos Stoßstange an Stoßstange durch Goßfelden gefahren“, erinnerte sich Lies.

Unstrittig war für Kunze wie für die meisten Anwesenden dagegen, dass die Kreisstraße 84 nach Sterzhausen künftig mehr befahren wird als vorher, und das, obwohl sie abschnittsweise in einem erbärmlichen Zustand ist. Wer von Wetter in Richtung Biedenkopf will, kann dort allerdings deutlich abkürzen, auch wenn er in Sterzhausen dann erst durch eine enge Ortsdurchfahrt muss.

In der Versammlung wurde deutlich, dass auch von Seiten der Gemeinde ein neuer Anlauf gemacht werden soll, die Goßfeldener Durchgangsstraße umzugestalten, um sie für den Durchgangsverkehr unattraktiver zu machen. Ein Rückbau und die Umgestaltung war der Gemeinde vom Land Hessen zwar schon einmal im Zusammenhang mit der Zustimmung der Bevölkerung zur Westtrasse zugesagt worden. Doch dies wurde nicht eingehalten, die Gemeinde blieb auf 50000 Euro Planungskosten sitzen, erinnerte Apell.

Erste Brücke im Mai fertig

Unterdessen werden die Fortschritte an der Strecke langsam sichtbar. Gebaut wird seit dem ersten Spatenstich im Sommer 2013, drei Brückenbauwerke sind bereits begonnen, das erste - Abzweig nach Amönau - wird im Mai fertig sein.

Zwei weitere Brücken abseits der bisherigen Straßen sind ebenfalls im Bau und werden in diesem Jahr fertig. Außerdem wurden umfangreiche Pflanzungen entlang der neuen Trasse vorgenommen, die natürliche Leitstrukturen für die geschützten Bechsteinfledermäuse bilden sollen. Diese leben im Wald am Wollenberg und queren auf dem Weg zu ihren Jagdgebieten an der Wetschaft die neue Straße (die OP berichtete). Später werden deshalb auch an der Straße vier Meter hohe Holzwände - Irritationsschutzwände - errichtet, die die Tiere über die Straße hinweg leiten sollen.

In diesem Jahr wird auch der fließende Verkehr erstmals beeinträchtigt. Bisher wurde nur abseits bestehender Straßen gearbeitet. Ab Mai wird die K84 nach Sterzhausen gesperrt. Dort entstehen Amphibienschutzeinrichtungen und eine Brücke über die Kreisstraße. Nach Abschluss der Arbeiten auf der K84, aber erst im kommenden Jahr, folgt die Sperrung der L3381 (Wetter-Goßfelden). Auch dort wird eine Brückenüberführung gebaut. Immerhin werden während der Sperrung auf der K84 auch Amphibientunnel gebaut, die die alljährliche Frühlingssperrung wegen der Wanderung der Tiere künftig überflüssig machen.

Lärmschutzwände zum Schutz der Menschen sind an der Straße im Übrigen nur nahe Sarnau-Bahnhof geplant. An keiner anderen Stelle würden die prognostizierten Lärmgrenzwerte überschritten, sagte Kunze, was bei manchen Besuchern für Verwunderung sorgte. Eine Goßfeldenerin, die an der B62 wohnt, lud Kunze ein, sich vor Ort einen Eindruck von der Lärmbelastung zu machen.

von Michael Agricola

Hintergrund

Dass es im Sinne der möglichst schnellen Fertigstellung der beste Weg war, mit dem etwa 30 Millionen Euro teuren Mittelabschnitt zu beginnen, legte Willi Kunze von Hessen Mobil dar. Auf den beiden anderen Teilstrecken sorgen allein naturschutzrechtliche Vorgaben dafür, dass nicht vor dem Jahr 2019 gebaut werden dürfte. Das liegt daran, dass für jeweils eine Brücke in diesen Abschnitten geschützter Erlen-, Eschen-, Auenwald weichen müsste, für den vor einem Baubeginn eine „funktionsfähige“ Ersatzpflanzung hergestellt sein muss. Damit wurde zwar schon vor dem ersten Spatenstich im Frühjahr 2013 begonnen, doch muss dieser Wald mindestens fünf Jahre alt sein, damit er die Kriterien erfüllt.

Erst wenn der Nachweis gelingt, dass die Ersatzpflanzungen wirksam sind und den Vorgaben entsprechen, könnte mit der Wollmartalbrücke bei Münchhausen und der Wetschaftsbrücke bei Göttingen begonnen werden. Im südlichen Streckenabschnitt hängt der Bau zudem von zwei weiteren Faktoren ab. Es muss auf einer Länge von einem Kilometer eine Gasleitung verlegt werden, was 2017 geplant ist, zudem muss der Verlauf der Bahntrasse bei Sarnau-Bahnhof verändert werden. Dies soll nach den jetzigen Planungen 2018 geschehen.

Somit hätte es keinen Sinn gehabt, mit einem anderen Bauabschnitt zu starten als dem zwischen Goßfelden und Wetter, so Kunzes Erklärung.

Wann die Ortsumgehungen zwischen Göttingen und Münchhausen insgesamt fertig sind, ist offen. Das Geld für den ersten Bauabschnitt steht komplett zur Verfügung, die fehlenden 62 Millionen Euro sind noch nicht gesichert. Für Kunze steht aber fest, dass es ein großes Interesse daran gebe, die Straße zügig fertigzubauen, sodass er damit rechne, dass auch das Geld rechtzeitig bewilligt wird.

Möglich sei ab 2019 der gleichzeitige Bau an den beiden anderen Bauabschnitten. Kunze zeigte sich auch zuversichtlich, dass so verfahren wird. Damit wäre der frühestmögliche Termin für die Verkehrsfreigabe der gesamten Strecke das Jahresende 2022.

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