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Goldgräber fallen in Münchhausen ein

Windkraft Goldgräber fallen in Münchhausen ein

In Münchhausen herrscht „Goldgräberstimmung“ in Sachen Windkraft. Mehrere Planungsbüros sind mit großen Versprechungen unterwegs. Bei einer Informationsveranstaltung in Oberasphe dämpfte Bürgermeister Peter Funk überzogene Erwartungen.

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Bürgermeister Peter Funk (links) setzt auch auf andere Projekte wie die Photovoltaikanlage bei Oberasphe.

Quelle: Martina Koelschtzky

Oberasphe. In der Gemeinde Münchhausen weist der Regionalplanentwurf mehrere Flächen aus, auf denen die Windgeschwindigkeit auf über sechs Meter pro Sekunde geschätzt wird - der Teilregionalplan Energie des Regierungspräsidiums Gießen fordert mindestens 5,75 Meter pro Sekunde als Genehmigungsvoraussetzung für Windkraftanlagen.

Funk berichtete, dass seit einiger Zeit mehrere Planungsbüros die Besitzer der Flächen geradezu belagerten, um Verträge über die Verpachtung abzuschließen. „Die Gemeinde hat andere Pläne“, stellte er klar. „Wir wollen als Gemeinschaft erneuerbare Energien nutzen, so dass jeder etwas davon hat, nicht nur einige wenige.“

Münchhausen setze mit seiner Energiegenossenschaft jedoch vor allem auf Photovoltaik, führte Funk aus. Die neue Photovoltaik-Großanlage auf dem Gelände des ehemaligen Bundeswehrdepots arbeite bereits, die Genossenschaft könne sich daran mit bis zu 50 Prozent beteiligen. „Jeder kann Mitglied der Genossenschaft werden, auch die Bürger aus Frohnhausen sind beispielsweise mit im Boot“, sagte Funk.

Bei der Windenergie sei die Gemeinde mit dem Regional­planentwurf teilweise nicht einverstanden, so Funk weiter. Vor allem sei unverständlich, warum die bereits beplante Fläche an der Grenze zum Ernsthäuser Windpark auf einmal nicht mehr auftauche. „Die wollen wir wiederhaben“, sagte der Bürgermeister. Dafür hätten sich die betroffenen Anwohner eindeutig gegen die Fläche zwischen Niederasphe und Engelbach ausgesprochen.

Da auch Biedenkopf dort jenseits der Grenze Anlagen plane, habe Münchhausen der Nachbargemeinde ersatzweise eine Beteiligung an einem interkommunalen Windpark oberhalb des ehemaligen Depots vorgeschlagen. „An dieser Stelle sind die Bürger einverstanden, da ziehen alle mit“, berichtete er.

Für die zentrale Fläche der Gemeinde beim Hochbehälter Oberasphe sei ein Bebauungsplan entscheidungsreif, der der Gemeinde den Vorrang sichere, berichtete Funk. „Außerdem soll diese Fläche zuletzt bebaut werden, vielleicht in zehn oder fünfzehn Jahren“, so der Bürgermeister. „Alle sollen daran beteiligt sein“, betonte er.

Funk warnte die Oberaspher vor falschen Auskünften seitens der Planungsbüros. „Ich habe gehört, es wurde behauptet, die Büros hätten mit dem Bürgermeister alles abgestimmt. Das ist nicht wahr. Es war niemand bei mir, und bei Anrufen habe ich immer gesagt, die Gemeinde hat andere Pläne.“ Zudem habe das erste Planungsbüro seine Rechte und Planungen bereits weiterverkauft. „Da ist schon viel Geld verdient worden, bevor überhaupt feststeht, dass jemals gebaut wird.“

Zwei Landwirtinnen aus dem Publikum berichteten, zu ihnen seien mehrere Büros gekommen und hätten durchaus Druck ausgeübt. „Der Mann hat gesagt, alle meine Nachbarn hätten bereits unterschrieben und der Bürgermeister sei auch dafür“, berichtete die eine. Ihr Mann habe dann aber im Rathaus angerufen und festgestellt, dass das nicht stimme.

Ein anderer Münchhäuser erinnerte an ähnliche Vorgänge beim Bau des Windparks Ernsthausen. „Damals haben auch viele bei den hereindrängenden Büros unterschrieben und dann gab es lange Gesichter, weil viele leer ausgingen. Das Büro, wo sie unterschrieben hatten, konnte nicht bauen und sie bekamen gar nichts.“

Funk kündigte eine weitere Informationsveranstaltung über die Energiegenossenschaft der Gemeinde für Donnerstag, 21. November, an.

von Martina Koelschtzky

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