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Gericht: Tötungsabsicht ist nicht bewiesen

Urteil im "Axt-Prozess" Gericht: Tötungsabsicht ist nicht bewiesen

„Keine tragfähigen Feststellungen“ für die angebliche Axt-Attacke des Angeklagten fand das Schwurgericht am letzten Prozesstag gegen einen Mann aus dem Nordkreis.

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Der Anklagte mit seinem Rechtsanwalt Sascha Marks.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Das er seine Spaltaxt im April vergangenen Jahres gegen das mutmaßliche Opfer richtete, konnte dem Angeklagten nach sieben Verhandlungstagen nicht nachgewiesen werden. In diesem Punkt, von insgesamt vier Anklagepunkten, sprach ihn das Gericht frei. Angesichts der Beweisaufnahme sei es keine große Überraschung, befand der Vorsitzende Richter Dr. Frank Oehm.

Verschiedene Versionen des Angeklagten, dessen Freundin und dem angeblichen Opfer sowie lückenhafte Angaben mancher Zeugen erschwerten die Wahrheitsfindung. Welcher der beiden Männer die Axt als Erstes, wie und in welcher Pose gehalten hatte und dabei in Verteidigungs- oder Angriffsstellung ging – darüber konnten sich die Augenzeugen nicht einigen. Nachweisliche Falschaussagen taten ihr Übriges.

Ein Freispruch sei in diesem Punkt die einzig mögliche Entscheidung gewesen, befand der Richter. Nach der eindeutigen Beweisaufnahme, die zugunsten des Angeklagten ausfiel, herrschte schon zuvor Übereinstimmung bei allen Verfahrensbeteiligten.

Auch wenn der Hauptvorwurf gegen den 50-Jährigen nicht nachgewiesen wurde, verurteilt wurde der Beschuldigte­ gestern dennoch. Drei Fälle von Körperverletzung sah die Kammer als erwiesen an. Demnach griff er seine Lebensgefährtin im vergangenen Jahr mindestens drei Mal an, stieß sie brutal auf eine Treppe und schlug ihr ins Gesicht. Die zunehmend von Gewalt geprägte Beziehung war lange Thema in dem Prozess. Der Beschuldigte erhielt eine Geldstrafe in Höhe von 120 Tagessätzen zu je 70 Euro.

Männer standen unter Drogen- und Alkoholeinfluss

Mehrere Zeugen bestätigten­ die gewalttätigen Übergriffe­ gegen die Frau. Eine der Taten beging der Mann dabei im Zustand der verminderten Schuldfähigkeit, wie die rechtsmedizinische Sachverständige zuvor bereits feststellte. Nach dem Streit um die Axt schlug er der besorgten Frau hart ins Gesicht, stand dabei unter dem Einfluss von großen Mengen Alkohol – eine Blutkontrolle ergab rund zwei Promille. Darüber hinaus wurde er positiv auf Canabis getestet. „Da war ordentlich was drin“, so die Gutachterin.

Auch bei dem angeblichen Geschädigten, der sich während des Verfahrens mehrfach in Widersprüche verstrickte, sah sie eine „reduzierte Hemmfähigkeit“. Neben der starken Alkoholisierung, spielte bei seinem Verhalten der jahrelange Drogenkonsum sowie eine alte ADHS-Diagnose eine Rolle. Vor diesem Hintergrund müsse man auch seine unwahren Aussagen vor Gericht betrachten: seine Wiedergabefähigkeit könne durchaus verdreht sein und „gestörte­ Wahrnehmungen“ auslösen. Kurz gesagt: Er gab eine konfuse, persönliche Wahrheit wieder, die sich während der Beweisaufnahme als falsch herausstellte.

Die Verteidigung ging noch weiter: die Version des falschen Opfers sei „von vorne bis hinten gelogen“, betonte Rechtsanwalt Sascha Marks in seinem Plädoyer. Mehrfach habe der Nebenkläger seiner polizeilichen Aussagen widersprochen oder rückte erst spät mit der Wahrheit heraus. So bestritt der Zeuge lange Zeit einen sexuellen Kontakt mit der Lebensgefährtin des ­Angeklagten, stritt den Besitz ­einer Haschischpfeife ab und verdrehte so manche Tatsache.
„Er wurde mehrfach der ­Lüge überführt“, befand auch Staatsanwalt Jonathan Poppe, der ebenfalls einen Freispruch in der Hauptanklage beantragt hatte. Wegen seiner lückenhaften, zum Teil falschen Aussagen muss sich der junge Mann wahrscheinlich vor Gericht verantworten, drohte Poppe bereits an.

von Ina Tannert

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