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"Gefahrenstelle" kommt hinter Gitter

Ärger um Bauzaun "Gefahrenstelle" kommt hinter Gitter

Die Auseinandersetzung zwischen einem Bürger und der Gemeinde Lahntal, ausgetragen über die Kommunalaufsicht, setzt sich fort. Das Aufstellen eines Bauzauns sorgtfür neuen Ärger.

Drei Konstruktionen direkt hintereinander: In Goßfeldens Kaffeestraße gibt es nun einen Bauzaun hinter der Leitplanke und vor der Spundwand. Foto: Tobias Hirsch

Quelle: Tobias Hirsch

Goßfelden. In der Diskussion über eine Spundwand in Goßfelden, vom Beschwerdeführer Helmut Rakow aus Sarnau der „Doppel-T-Kopfschredder“ genannt, gibt es neue Entwicklungen.

Zum einen ließ die Gemeinde zur Sicherung der Gefahrenstelle einen Bauzaun aufstellen, zum anderen ist Helmut Rakow damit nicht zufrieden und legt bei der Kommunalaufsicht beim Landkreis nun mit einer weiteren Beschwerde nach. „Die Gefahr hat sich sogar noch verstärkt“, sagt Rakow und erklärt dies so: Würde etwa ein Radfahrer bei einem Sturz gegen den Bauzaun fliegen, so biete dieser, da er dicht an der Spundwand stehe, keinerlei Schutz vor Verletzungen durch die herausragenden Doppel-T-Träger, jedoch entstehe ein Rückwurf-Effekt und der Stürzende würde dann auf die direkt davorstehende Leitplanke prallen.

Mit der Gemeinde, die den Bauzaun hat aufstellen lassen, will Rakow sich lieber nicht auseinandersetzen. Warum? Dazu sehe er nach „schlechten Erfahrungen“ in der Vergangenheit keine Veranlassung, sagt Rakow und lacht: „Es geht darum, dass jemand der Gemeinde sagt, wo es langgeht.“ Bürgermeister Manfred Apell kann dieses Verhalten nicht verstehen. „Natürlich kann man mit mir reden über solche Dinge“, sagt er und erklärt, dass dies auch ein alltäglicher Vorgang in der Gemeinde sei. „Bürger weisen uns auf etwas hin, und wir arbeiten es dann ab, so schnell es geht.“

Er kann auch Rakows Auffassung, dass es sich bei dem Bauzaun um eine Verschlechterung der Situation handele, nicht nachvollziehen. „Das ist eine Tempo-30-Zone, da wird extrem langsam gefahren“, sagt er. Und: „Wenn diese Gefahr besteht, dann nicht erst, seit die Spundwand und der Bauzaun dort stehen, sondern auch schon durch die dortige Leitplanke. Diese hat, wie nahezu alle Leitplanken entlang der hessischen Straßen, ebenfalls freiliegende Köpfe von T-Trägern. Also besteht an dieser Stelle bereits seit Jahren die gleiche theoretische Gefährdung.“

Suche nach geeigneter Sicherheitsmaßnahme

Apell ist zudem irritiert davon, dass Rakow, „Monate, nachdem die Spundwand aufgestellt wurde“, ausgerechnet bei der Deicheinweihungsfeier Ende Juli mit der Dienstaufsichtsbeschwerde an die Öffentlichkeit ging. „Wenn dort tatäschlich Lebensgefahr in Verzug ist, wie konnte er dann so lange damit warten?“, fragt Apell im Gespräch mit der OP.

Und Rakow antwortet, ebenfalls im Gespräch mit der OP. „Ich hab ja auch anderes zu tun, ich kam nicht eher dazu, mich darum zu kümmern, alles zu fotografieren und zu dokumentieren - meine Beschwerde ist erst 20 Minuten vor der Deicheinweihungsfeier fertig geworden“, sagt er über den siebenseitigen Schriftsatz inklusive Foto-CD, den er an diesem Tag an Landrätin Kirsten Fründt und an den Regierungspräsidenten Dr. Lars Witteck sowie die Presse übergab - nicht jedoch an die Gemeinde.

„Die Beschwerde habe ich mir dann später von der Kommunalaufsicht besorgt“, sagt Bürgermeister Apell, der gestern im Begriff war, sich den neu aufgestellten Bauzaun in der Kaffeestraße selbst anzuschauen. „Wenn es tatsächlich eine Verschlimmbesserung ist, dann werde ich natürlich reagieren“, betont er und teilt später mit, dass er den Bauzaun zumindest für eine Übergangszeit - bis zur Entscheidung über die Dienstaufsichtsbeschwerde - für eine „geeignete Sicherungsmaßnahme“ halte. Im Gespräch ist eine Mauer - und falls es bei der Spundwand bleiben darf, erklärt Apell, werde diese mit einer Abdeckung versehen.

„Es wird immer falsch sein, egal, was wir machen“

Am heutigen Ende der Geschichte über den so genannten „Doppel-T-Kopfschredder“, steht womöglich die Erkenntnis, dass eine Verständigung zwischen dem Bürger Helmut Rakow und der Gemeinde unerreichbar scheint. „Der Bürgermeister ist nicht diskussionsfähig, ich fühlte mich in der Vergangenheit schon abgekanzelt von ihm“, sagt Rakow. Und Apell hält dagegen: „Ich wusste nicht, dass wir ein Problem miteinander haben, wir grüßen uns ganz normal, wenn wir einander sehen. Aber für diesen Mann wird es wahrscheinlich immer falsch sein, egal, was wir machen.“

Über die Aufsichtsbeschwerde wird die Kommunalaufsicht nach eigener Auskunft nicht vor Ende September entscheiden. Bis dahin verweist Apell darauf, dass die Spundwand mit den herausragenden Doppel-T-Trägern zum Hochwasserschutz an der Kaffeestraße vom Regierungspräsidium genehmigt worden sei.

von Carina Becker

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