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Friedwald oder mehr "Park" auf dem Friedhof?

Gemeindevertretung Lahntal Friedwald oder mehr "Park" auf dem Friedhof?

Am Donnerstagabend soll in der Gemeindevertretung unter anderem der Haushalt 2017 beschlossen werden. Außerdem geht es um einen Bericht zu einem Friedwaldkonzept in der Gemeinde Lahntal.

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Der Friedhof in Kernbach sieht von der Bestattungsform sehr klassisch aus. Dabei liegt er sehr schön im Grünen.

Quelle: Archivfoto

Sterzhausen. Wenig Klärungsbedarf herrschte bei der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses bezüglich des Haushalts 2017.

Am ausführlichsten fielen die Anmerkungen des Bürgermeisters zu einem anderen Tagesordnungspunkt, nämlich zum Bericht über ein Friedwaldkonzept in der Gemeinde Lahntal aus. Es habe ihn immer betroffen gemacht, wenn sich Bürger beim Ableben gegen die Gemeinde und für einen Friedwald in „XY“ entschieden hätten.

Pfarrer Ralf Ruckert habe in einem Vortrag dazu darauf hingewiesen, dass es den Menschen darum gehe, ihren Angehörigen keine Kosten und Aufwand zu verursachen.

In den vergangenen 20 Jahren hätten sich die Bestattungsarten massiv verändert. Mittlerweile machten Urnenbestattungen 40 Prozent aus, pfleglose Gräber nähmen ebenfalls zu. Wobei es bei „pfleglos“ erfahrungsgemäß nicht lange bliebe. Erst komme ein kleiner, dann ein größerer Stein, eine Blumenschale, ein Lichtlein und schon hat der Bauhof beim Rasenmähen Schwierigkeiten.

Ähnliches passiere im Friedwald. Ruckert habe ein Foto von eine Baum gezeigt, an dem ein Schild mit einer Spaxschraube befestigt wurde, dann komme die erste Blume, und irgendwann stehe ein Grablicht im Friedwald. Ein weiteres Problem sei, dass es keine ausgebauten Wege dorthin gebe, die Leute würden älter, wollten ihre Gräber besuchen, aber mit dem Rollator oder im Winter komme man nicht hin.

„Wir haben etwa 50 Bestattungen im Jahr in Lahntal. Etwa zehn Prozent gehen jetzt schon woanders hin, etwa in einen Friedwald. Überlegen diese Menschen sich, dass sie damit die Kosten für andere deutlich teurer machen? Wir können nicht für 500 Euro für 35 Jahre bestatten“, machte Bürgermeister Manfred Apell (SPD) deutlich. Man sollte überlegen, die sieben gemeindeeigenen Friedhöfe attraktiver, vielleicht parkähnlich, zu machen, oder zu einem „Garten des Gedenkens“ aufzuwerten, damit den Leuten wieder bewusst wird, „was wir daran haben“.

Vortrag des Pfarrers macht Bürgermeister nachdenklich

Der Vortrag Ruckerts habe seine Haltung zu einem Friedwald verändert, ihm bewusst gemacht, dass dieser seine Schattenseiten habe, sagte Apell. Da das Thema auf breites Interesse stoße, schlug er vor, im kommenden Frühjahr eine Bürgerversammlung dazu abzuhalten.

„Wir werden die Leute nur für den Friedhof kriegen, wenn wir sie davon überzeugen können, dass die Entscheidung richtig ist. Wir können keinen davon abhalten, in einen Friedwald zu gehen. Ich glaube, es ist auch eine Modeerscheinung“, sagte er. Danach sei es an der Gemeindevertretung, zu entscheiden, ob man doch einen Friedwald wolle. Nun wieder zurück zum Haushalt. Der Ausschuss empfahl mit vier Stimmen die Annahme, lediglich Michael Nies enthielt sich, da die CDU-Fraktion sich noch besprechen müsse. Zuvor hatte Nies Bürgermeister Manfred Apell gebeten, die Veränderung im Stellenplan zu erläutern. 2017 soll eine halbe Stelle für Klimaschutz und erneuerbare Energien neu geschaffen werden.

„Nachdem das Vorkommen von Fledermäusen die geplanten Windräder gekillt hat, war bei uns erst mal die Luft ein bisschen raus. Zurzeit ist zwar der Ölpreis niedrig, aber das ist eine vorübergehende Erscheinung. Wir müssen uns geeignete Maßnahmen für Energieeinsparungen überlegen und auch den Bürgern aufzeigen, wie sie Energie einsparen können. Weiter geht es darum, wie wir Energie erzeugen könnten, zum Beispiel über Photovoltaik. Ein Einstieg ins Carsharing könnte zu CO2-Einsparungen beitragen. Wir glauben, es ist notwendig, Flagge zu zeigen und als Gemeinde voranzugehen“, erklärte Apell.

Und weiter: „Das beste wäre gewesen, wen wir wie andere Gemeinden Windkraftanlagen hätten errichten können. Jetzt geht es nur in kleinen Schritten. Bei der nächsten neuen Heizung muss definitiv in Richtung Holz gedacht werden“, sagte der Bürgermeister.

von Manfred Schubert

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