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Friedliches Miteinander der Religionen

Islamischer Kulturunterricht auf Krafts Hof Friedliches Miteinander der Religionen

Mit einem fröhlichen Fest feierten am Samstag etwa 120 Menschen im Haus am Wollenberg den zweiten Jahrestag des islamischen Kulturunterrichts in der Begegnungsstätte "Krafts Hof".

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Hakan Kolat von der Islamischen Initiative stellte einigen der Schüler Fragen zu Islam und Koran, die diese alle richtig beantworteten.

Quelle: Manfred Schubert

Sterzhausen. Hakan Kolat von der Islamischen Initiative und frisch gewählter erster Gemeindevertreter türkischer Abstammung in Lahntal, blickte auf die vergangenen beiden Jahre islamischen Kulturunterrichts zurück.

Mit einer „spontanen Idee“ habe alles vor zwei Jahren begonnen. Ursprünglich habe man nur Kindern und Jugendlichen Ethik und Kultur des Islam vermitteln wollen, da es nach der Einführung islamischen Religionsunterrichts als Schulfach noch dauern wird, bis dieser überall in Hessen erteilt werden wird. Dann haben beim ersten Infoabend aber auch erwachsene Frauen gesagt, dass sie teilnehmen wollen.

Derzeit unterrichtet Osman Abdulvahab 27 Schüler vor allem türkischer und kurdischer Herkunft jeden Samstag von 11 bis 15 Uhr in drei Gruppen zu Ethik und Kultur eines friedlichen Islam. Die meisten sind zwischen 14 und 40 Jahre alt, während der Jahresfeier führte jedoch auch seine jüngste Schülerin, die fünfjährige Asmin, vor, dass sie auf Wunsch der Mutter gelernt hat, den Koran auf Arabisch zu lesen.

Eine Gruppe von vier Mädchen und vier Jungen beantwortete Fragen zu Islam und Koran, die ihnen Hakan Kolat stellte, um den nichtmuslimischen Gästen zu zeigen, was weiter gelehrt wird. Zum Beispiel, dass das letzte Wort im Koran „Gerechtigkeit“ lautet oder, warum ein Moslem fastet: Um nachzuvollziehen, wie es ist, wenn man arm ist, weil der Prophet Mohammed es getan hat. Außerdem reinigt es Magen und Blut, erklärte ein Junge.

Religionen haben Gemeinsamkeiten

Pfarrer Ralf Ruckert und Islamlehrer Osman Abdulvahab führten ein Gespräch über Christentum und Islam, in dem sie Gemeinsamkeiten hervorhoben. Abdulvahab betonte, dass der Islam den Dialog wolle. Er habe auch die Bibel studiert, ähnlich wie in dieser stehe im Koran, man solle denjenigen, die einem Schlechtes tun, Gutes tun. „Wenn die Christen leben würden, wie es die Bibel sagt, und die Muslime, wie es der Koran sagt, gäbe es auf dieser Welt keine Probleme“, zeigte sich Abdulvahab überzeugt.

Michael Meinel, Vorsitzender des Kulturvereins Krafts Hof, betonte, dass dieser Ort nicht nur der Begegnung der Generationen, sondern auch der Kulturen diene. Ein friedliches Miteinander erscheine angesichts dessen, was man heute in Deutschland und Europa erlebe, nicht mehr als selbstverständlich. „Einige setzen in unserer Gesellschaft stattdessen auf Abgrenzung und definieren, was und wer dazugehört, welche Kultur, Herkunft oder Glauben. Es scheint, dass diese nicht aus der Geschichte gelernt haben, dass das nicht funktioniert. Aus meiner Sicht gibt es keinen anderen Weg als das friedliche Miteinander, dazu soll dieser Abend beitragen“, erklärte Meinel.

"Etwas, was eigentlich ganz normal sein sollte"

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Sören Bartol unterstrich, dass interreligiöse Gespräche ein absolutes Muss seien. Häufig würden die, die an den Islam glauben, in einen Topf geworfen mit solchen, die Religion für Dinge missbrauchen, die gar nichts damit zu tun hätten. „Ich möchte, dass man in dieser Gesellschaft jeden Glauben leben kann, auch gar keinen Glauben, in Lebensgemeinschaften egal welcher Art. Das ist es, warum ich gern in diesem Land lebe“, sagte er. Er sorge sich darum, wie man es schaffe, junge Menschen von radikalen Gruppen fernzuhalten.

Ortsvorsteher Dirk Geißler erklärte, mittlerweile lebe die vierte Generation türkischer Herkunft in Sterzhausen. „Wir feiern heute den Jahrestag von etwas, was eigentlich ganz normal sein sollte. Jeder, der möchte, kann sich den Islamischen Kulturunterricht anschauen“, hob er hervor.

Nach den Gesprächen und Vorführungen stärkten sich alle an einem reichhaltigen, von den Familien vorbereiteten Büfett. Anschließend beteten muslimische Männer und Frauen, getrennt und nacheinander, im Foyer ihr Abendgebet. In fröhlichen Spielen traten dann Familien gegeneinander an.

von Manfred Schubert

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