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Frauenrechte stärken und schützen

Aktuelle von der Samburuhilfe Frauenrechte stärken und schützen

„Entaa ntoiye o ntomonok naagol“ - Das sind Worte, die Samburu in Kenia unmissverständlich verstehen können und eine wichtige Nachricht transportieren: „Mädchen und Frauen seid stark!“

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Ein Klassenraum der Alfred Knau Leirr Primary School in Baawa. Der massiv gebaute Raum dient als Vorbild für die zwei Räume, um die der Kindergarten erweitert werden soll.

Quelle: Privatfoto

Michelbach. Ein Gesetz, das Traditionen plötzlich kriminalisiert - es gibt kaum schwierigere Aufgaben, als so ein Gesetz durchzuziehen, für eine breite Akzeptanz zu werben und diese auch zu erhalten. „Children Act“ heißt das Gesetz, das in Kenia Männer zum Umdenken zwingt und Frauen auffordert, sich selbst als wertgeschätzten Menschen anzusehen.

Der Verein SamburuHilfe, Verein gegen Hunger und Umweltzerstörung, mit Sitz in Marburg hat es sich auf die Fahnen geschrieben neben der Hilfe zur Selbsthilfe vor Ort auch dazu beizutragen, dass dieses Gesetz von den Samburu in Baawa unweit von Maralal verstanden, respektiert und eingehalten wird.

Und so startet der Verein die Kampagne „Keine Beschneidung und keine Frühverheiratung“. „Dafür haben wir extra Flyer entworfen, in Englisch und Kisamburu sowie für unsere Mitglieder und Förderer auch in Deutsch“, sagt Helmut Heidlindemann vom Vorstand des Vereins. Die Kampagne zielt darauf ab, Mädchen und Frauen stark zu machen, sich gegen Beschneidung und Frühverheiratung zu wehren, weil beides gesetzlich verboten ist. Vor Ort in Baawa sorgen zwei geschulte Frauen für die Verbreitung der Flyer. Sie klären überdies über die Kampagne auf und bieten dazu jeden Samstagnachmittag Informationsveranstaltungen an.

Kinder werden von klein auf geschützt

Der Verein will aber auch deutlich machen, dass er Missachtungen nicht duldet. Deshalb müssen alle Familien der Samburu, in denen ein Kind lebt, das von deutschen Paten finanziell unterstützt wird, schriftlich versichern, dass weder dieses Kind noch dessen Geschwister beschnitten sind beziehungsweise noch werden. Zudem muss die Familie dafür Sorge tragen, dass keine Tocher unter 18 Jahren verheiratet wird.

Die Familie muss sich ferner bereiterklären, dass die Kinder einnmal im Jahr von einer Krankenschwester untersucht werden, die vor Ort die Einhaltung des gesetztes überwacht. Im Falle einer Nichteinhaltung der Versprechen und Vorgaben, kann die Samburu-Hilfe die Patenschaft und damit die Unterstützung für das Kind der Familie sofort entziehen. Das mag zunächst einmal sehr hart klingen, doch erscheint es auch als ein sehr probates Mittel, die Kinder tatsächlich zu schützen.“

Der Verein Samburuhilfe möchte helfen und hilft auch effektiv - das wissen die Samburu schon seit vielen Jahren und haben die Veränderungen auch dankbar angenommen. „Wenn die Samburu sehen, dass sich ein Erfolg einstellt, akzeptieren sie unseren Weg“, sagt heidlindemann und nennt ein Beispiel. „Sicher fänden es alle toll, wenn wir ihnen zur Feldarbeit einen Traktor hinstellen würden. Aber wir müssen doch weiter denken. Wer kann ihn warten, woher kommen die Ersatzteile, wer will kann das bezahlen? Das ist doch keine Hilfe zur Selbsthilfe.“ Und dann muss man noch einiges wissen: Zum einen verbietet es der Naturglaube, dass der Boden aufgerissen wird, wie es ein Traktor mit Pflug machen würde.

Zum anderen könnte ein solcher Aufriss leicht dazu führen, dass bei regen die Erde weggeschwemmt wird und die Ente in Gefahr gerät. Dann doch lieber eine einfache, wenn auch mühseligere, Feldbewirtschaftung, die aber am Ende Erfolge bringt und die Ernährung und dazu vielleicht auch noch ein Zusatzeinkommen sichert.

Für mehr Essen, Bildung und Gesundheit

Weit im Norden von Kenias Hauptstadt Nairobi liegt das Land der Samburu. Dabei handelt es sich um einen Nomaden-Volksstamm, der dort seine Heimat gefunden hat. Er lebt, verhaftet in vielen Traditionen, in ärmlichen Verhältnissen an der Schwelle zur modernen Welt. Vielleicht war es das, was Alfred Knau, den mittlerweile verstorbenen Gründer der Samburuhilfe, dazu brachte, den Menschen vor Ort Hilfestellungen zu geben, wie sie ihren Alltag besser und auch sicherer meistern können. Der Verein verfolgt dabei Verbesserungen auf drei Themenfeldern, und zwar immer mit der Maßgabe Hilfe zur Selbsthilfe zu bieten. Es geht um die Sicherstellung der Nahrung, um Bildung und um Gesundheit. Gerda Wied-Glandorf und Michael Mailliart werden im Februar nach Kenia fliegen und in Baawa weiter an den Projekten arbeiten. Das heißt, sie wollen die Rahmenbedingungen schaffen für eine Weiterentwicklung. Die eigentliche Arbeit vor Ort müssen und sollen die Samburu selbst leisten. Mit Vertretern des zuständigen Ministeriums wollen Mailliart und Wied-Glandorf über die Erstellung einer Projektplanung zur Wasserversorgung sprechen.

Eine neue Bohnensorte wird erprobt

Zudem steht ein Gespräch mit Vertretern des Gesundheitsministeriums an. Es geht dabei darum, dass die vorhandene kleine Krankenstation mit Hilfe staatlicher Gelder zu einer Krankenstation ausgebaut wird, die dem allgemeinen kenianischen Standard entspricht. „Dadurch, dass wir schon lange dort tätig sind und man unseren Verein gut kennt, gibt es da auch eine gewisse Vertrauensbasis“, sagt Helmut Heidlindemann, der sehr darauf setzt, dass die wichtigen Gespräche zu guten Ergebnissen führen werden. Gerda Wied-Glandorf ist zudem gespannt, wie sich die neue Bohnensorte machen wird, die die landwirtschaftliche Frauengruppe anbauen soll. Dazu muss nicht die ganze Erde aufgerissen werden, es reichen kleine einzelne Pflanzlöcher. Das Bohnenkraut kann darüber hinaus als Viehfutter genutzt werden.

15 000 Euro Spende aus Südtirol

Der Kindergartensprengel Vinschgau in Südtirol besteht aus 30 deutschsprachigen Kindertagesstätten. Über persönliche Beziehungen zur Leitung gelang es Gerda Wied-Glandorf vom Verein Samburuhilfe, dass sich die Verantwortlichen des Sprengels dafür entschieden, ihren Erlös aus zahlreichen Aktionen im Advent der Samburuhilfe zur Verfügung zu stellen. Satte 15000 Euro kamen so etwa durch den Verkauf von Basteleien, Esswaren und anderen Angeboten zusammen. Damit will der Verein nun zwei Räume für die Nursery School analog zu den Klassenräumen der Alfred Knau Leirr Primary School bauen. „250 Kinder sind für den Kindergarten in Baawa angemeldet“, sagt Helmut Heidlindemann. Dort bekommen die Kinder eine garantierte warme Mahlzeit am Tag. Über das Projekt mit den Patenkindern sollen Samburu-Familien ermutigt und motiviert werden, ihre Kinder in die Schule zu schicken, insbesondere auch Mädchen die Chance auf Bildung zu eröffnen. Denn nur wer auch Englisch sprechen kann, hat später auch mal die Möglichkeit, in der Tourismusbranche des Landes tätig zu werden. Zudem sollen sich die Samburu über die angeeignete Bildung im Laufe der Jahre immer besser selbst helfen können, um als traditionell armer Volksstamm im Lande nicht gänzlich abgehängt zu werden.

Mehr über Kindergarten und Schule in Baawa finden Sie hier.

von Götz Schaub

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