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150 Jahre Gesangverein

Frauen sorgten vor 50 Jahren für den Fortbestand

Am Donnerstag bildete ein Festkommers den Auftakt zum 150-jährigen Jubiläum des Gesangvereins Münchhausen. Samstag und Sonntag wird in der Burgwaldhalle weitergefeiert
Alle Geehrten: Svenja Gottschalk (von links), Karl Heck, Alfred Berghöfer, Gotthard Böckler, Katharina Gimbel, Heinrich Baumann, Regina Briel, Jakob Funk, Maria Funk, Anna Berghöfer, Margarete Dersch, Gertrud Mengel und Elfriede Berghöfer.

Alle Geehrten: Svenja Gottschalk (von links), Karl Heck, Alfred Berghöfer, Gotthard Böckler, Katharina Gimbel, Heinrich Baumann, Regina Briel, Jakob Funk, Maria Funk, Anna Berghöfer, Margarete Dersch, Gertrud Mengel und Elfriede Berghöfer.

© Manfred Schubert

Münchhausen. „Wir sind froh, dass wir euch haben. Ich habe dem Gesangverein viel zu verdanken, er nimmt die Menschen mit. Ihr seid immer da, zum Beispiel beim Volkstrauertag, wir können mit euch rechnen“, umriss Münchhausens Bürgermeister Peter Funk den Stellenwert des Vereins. Und Ortsvorsteher Bodo Molodych hob hervor, dass das Engagement über das Singen hinausgehe: „Wenn ich jemanden für einen Arbeitseinsatz brauche, sind die Frauen und Männer vom Gesangverein immer da.“

Pfarrer Friedhelm Wagner wies darauf hin, dass abgesehen von der Kirche der Gesangverein die am längsten bestehende Organisation im Ort sei. Zur Kirche habe es all die Jahre eine besondere Verbundenheit gegeben, wie schon der Spruch auf der Vereinsfahne „Gott segne unsere Lieder“ zeige. Als Überraschung hatte Wagner die vereinigten Kirchenchöre von Münchhausen und Wollmar mitgebracht, die dem Jubiläumsverein mit zwei Liedern gratulierten.

Der Vorsitzende des Wetschaftstal-Sängerbunds, Dieter Rincke, der zusammen mit dem Referenten des Hessischen Sängerbunds, Günther Herzberger, Ehrungen langjährig aktiver Sänger und Vorstandsmitglieder vornahm, warb frisch für den Chorgesang mit den Worten „Singen macht sexy“.

Roland Wehner, Vorsitzender der Gemeindevertretung, selbst aktiver Sänger und ehemaliger Vorsitzender des MGV Niederasphe, ging - den deutschen Philosophen Friedrich Nietzsche zitierend - noch weiter: „Ohne Musik wäre das Leben­ ein Irrtum.“ Und ergänzte, Singen fördere den Intellekt, sei ein Fitnessprogramm für Herz und Kreislauf und bewirke die Ausschüttung von Glückshormonen.

Damit das alles funktioniert, braucht man auch jemanden, der den Chor dirigiert. Gerade vor dem Jubiläumsjahr hatte Günter Retzlik, der fast 14 Jahre lang den Chor leitete, wegen Umzugs nach Korbach seine Tätigkeit in Münchhausen aufgegeben. Nach zwei Probestunden im Januar entschieden sich die 19 Sängerinnen und zehn Sänger, sich von einer jungen Frau dirigieren zu lassen. Die 20-jährige Marlies Peter aus Unterrosphe übernahm ab Februar die Aufgabe als Chorleiterin.

Offensichtlich ein Glücksgriff. Wilhelm Schneider, stellvertretender Schriftführer, dankte im Namen aller Aktiven Marlies - von „Frau Peter“ sei man schnell weggekommen - für „Engagement, Idealismus und unermüdlichen Einsatz, uns Oldies noch etwas beizubringen“. Die wenigsten könnten sich vorstellen, was es heiße, einen Chor mit älteren Mitgliedern noch so zu motivieren, dass man sich auf jede Chorstunde freue. Schon nach einigen Wochen hätten sie gemerkt, dass Musik „ihr Leben“ sei, und alle freuten sich, dass Marlies Peter sie auf das Jubiläum vorbereitet habe. Die Vorsitzende Elfriede Berghöfer gab einen kurzen Rückblick auf die Vereinsgeschichte, die vor 150 Jahren im Kurfürstentum Hessen ihren Anfang nahm, als sich etwa 40 junge Männer zusammenschlossen, um vierstimmig Kirchen- und Volkslieder zu singen und den Gesang im Allgemeinen zu fördern. Nach Höhen und Tiefen und zwei überstandenen Weltkriegen sei es in den 1960er Jahren aus verschiedenen Gründen zu einer Krise im Gesangverein gekommen. Etliche Sänger verließen ihn, sodass er nicht mehr singfähig war. Unabhängig davon hatte sich schon ein Frauenchor in Münchhausen gebildet, ein Zusammenschluss lag nahe. Anfangs sei es zu Problemen mit den Männern gekommen, berichtete Berghöfer, einige von ihnen wollten nicht mit den Frauen singen und gingen ebenfalls. Aber kurz vor dem 100-jährigen Jubiläum sei dann doch im Weihnachtsgottesdienst 1963 der Grundstein für das gemischte Singen gelegt worden, sodass man in diesem Jahr zugleich 50 Jahre Gemischter Chor Münchhausen feiern könne. Bei aller Freude am Jubiläumsabend wies Berghöfer dennoch auf das Problem des fehlenden Nachwuchses bei dem von einst 60 Sängern auf die Hälfte geschrumpften Chores hin. Derzeit denke man über die Gründung eines Projektchores nach. Auch eine Vernetzung mit der Grundschule sei geplant, um gemeinsame Projekte zu starten und dadurch die Jugend für den Chorgesang zu begeistern.

Musikalisch erinnerte der Chor an seine Leiter der vergangenen Jahrzehnte, indem er unter ihnen einstudierte Lieder sang. Zum Abschluss dirigierte Marlies Peter „ihr“ Lied: „Wir feiern ein Fest der Freude“ nach dem Thema aus Marc-Antoine Charpentiers Prelude zum Te Deum, vielen eher als „Eurovisionshymne“ bekannt.

Das weitere Programm

Samstag veranstaltet der Gesangverein 1864 Münchhausen ab 19.30 Uhr den Weinliederabend des Wetschaftstal-Sängerbunds mit vielfältigen Lieddarbietungen von Chören des Sängerkreises in der Burgwaldhalle. Der Eintritt ist frei.

Am Sonntag beginnt um 11 Uhr ein Festgottesdienst mit Pfarrer Wagner in der Burgwaldhalle. Anschließend gemeinsames Mittagessen und Kaffeetrinken am Nachmittag.

von Manfred Schubert

[Götz Schaub]

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