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Folgenschweres Bremsmanöver vor Blitzer

Aus dem Gericht Folgenschweres Bremsmanöver vor Blitzer

Weil er in angetrunkenem Zustand gegen eine Scheune sowie eine Hauswand fuhr, musste sich ein 19-Jähriger wegen Straßenverkehrsgefährdung vor dem Marburger Amtsgericht verantworten.

Marburg. Um einer Radaranlage zu entgehen bremste der 19-jährige aus Simtshausen scharf ab, verlor die Kontrolle über sein Fahrzeug und knallte gegen eine Hauswand. Der Sachschaden soll sich auf mindestens 18000 Euro belaufen.

Ende September dieses Jahres fuhr der junge Mann in alkoholisiertem Zustand auf der B 252 zwischen Simtshausen und Münchhausen. Kurz vor Münchhausen überholte er mit rund 80 Stundenkilometer ein weiteres Fahrzeug und fuhr mit überhöhter Geschwindigkeit in den Ort. Um einem installierten Blitzer auszuweichen, bremste der Angeklagte seinen Wagen stark ab und lenkte diesen auf die Gegenfahrbahn. Beim Zurücksteuern verlor er die Kontrolle über sein Fahrzeug, fuhr über den Bürgersteig, eine Grünanlage und prallte gegen eine Scheunenwand sowie eine Haustreppe des angrenzenden Wohnhauses. Durch den Unfall erlitt er leichte Verletzungen, eine kleine Platzwunde sowie eine Gehirnerschütterung. Weitere Personen wurden nicht verletzt. Es entstand ein Sachschaden von mehreren tausend Euro, das Fahrzeug erlitt Totalschaden. Eine polizeiliche Alkoholkontrolle der alarmierten Beamten ergab bei dem Fahrer einen Alkoholwert von 0,63 Promille. Infolge des Unfalls wurde der Führerschein des 19-Jährigen vor drei Monaten eingezogen. Er hätte erkennen müssen, dass er nicht mehr in der Lage war, ein Fahrzeug sicher zu führen, so die Anklage.

Vor dem Unfall„emotional aufgewühlt“

Er trinke nicht regelmäßig Alkohol, das Thema spiele jedoch eine große Rolle in seiner Familie, ließ der Angeklagte über seinen Verteidiger während der Verhandlung am vergangenen Mittwoch mitteilen. Der andauernde Alkoholkonsum des Vaters hatte schließlich zur Trennung der Eltern geführt. Zum Unfallzeitpunkt sei er zudem emotional sehr aufgewühlt gewesen, so der Angeklagte. Einige Zeit vorher habe er erfahren, dass seine Ex-Freundin von einem anderen Mann schwanger wurde. Während eines Gesprächs zu diesem Thema mit der Frau und ihrem Vater habe er einige Biere getrunken. „Eigentlich wollte ich nicht mehr fahren, ich hätte nicht gedacht, dass ich bereits einen so hohen Promillewert hatte“, betonte der Angeklagte. Um weiteren Alkohol zu besorgen, sei er schließlich doch an diesem Abend in den Nachbarort gefahren. Da er das weitere und für ihn wichtige Gespräch nicht verpassen wollte, habe er sich sehr beeilt, sei zu schnell gefahren und verlor schließlich, erschrocken durch das Radargerät, die Kontrolle über den Pkw.

Nicht genau geklärt ist der entstandene Sachschaden an der beschädigten Scheune und an der Hauswand. Während die Anklage zu Beginn von etwa 3000 Euro ausging, sprach der Besitzer der Gebäude von mindestens 18000 Euro Reparaturkosten, wie ein Gutachten bestätigt habe. Es wäre in diesem Fall wohl besser gewesen, den Blitzer hinzunehmen und „ein Bild zu machen, jetzt wird es teurer“, ermahnte Oberamtsanwalt Peter Heinisch den Unfallverursacher und sprach sich für eine Geldbuße und ein Fahrverbot von insgesamt einem Jahr für den Angeklagten aus. Dem stimmten sowohl die Verteidigung wie auch der Richter zu.

Jugendrichter Cai AdrianBoesken verurteilte den jungen Raser weg fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung zu einer Geldbuße in Höhe von 300 Euro. Die Fahrerlaubnis wird dem 19-Jährigen für weitere neun Monate, insgesamt für ein Jahr, entzogen. Dies sei ein typischer Fall von einem alkoholbedingten Fahrfehler, der Promillewert sei hier zwar nicht allzu hoch, jedoch eindeutig „zu viel für Sie“, ermahnte der Richter den jungen Fahrer.

von Ina Tannert

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