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Flur bereinigt, vor Hochwasser geschützt

Lahntal Flur bereinigt, vor Hochwasser geschützt

Nach 13 Jahren ging im Lahntal zwischen Caldern und Sterzhausen ein umfangreiches Vorhaben erfolgreich zu Ende: Mittels einer Flurbereinigung wurden hunderte Grundstücke neu „sortiert“.

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Oben: Durch Furkationsrinnen entstand zwischen Caldern und Sterzhausen eine einzigartige Flusslandschaft, die bei einem Lahnspaziergang vor drei Jahren vorgestellt wurde. Links: Gerhard Lips vom Amt für Bodenmanagement überreichte die Schlussfeststellung

Caldern. 1999 hat die Gemeinde Lahntal ein Flurbereinigungsverfahren für Caldern beantragt, um Hochwasserschutzmaßnahmen umzusetzen und das Wege- und Gewässernetz zu verbessern. Dieses Verfahren wurde Ende vergangenen Jahres abgeschlossen. Im Dorfgemeinschaftshaus überreichte jetzt Gerhard Lips, der Leiter des Amtes für Bodenmanagement Marburg (AfB), bei der offiziellen Abschlussveranstaltung die rechtskräftige Schlussfeststellung an Bürgermeister Manfred Apell.

Lips erinnerte daran, dass der Hochwasserschutz für Sterzhausen ein Hauptanliegen gewesen sei. Ein anderes Projekt, das umgesetzt werden konnte, sei die Umgehung für Sterzhausen in Richtung Michelbach gewesen. Wie die zuständige Verfahrensleiterin beim AfB, Kathy Ellendt, berichtete, sei das Verfahren mit dem Ziel eigeleitet worden, für die Herstellung eines Flutmuldensystems in der Lahnaue zwischen Caldern und Sterzhausen die Bodenordnung durchzuführen und für den Bau der Ortsumgehung Flächen verfügbar zu machen. Um die Interessen der etwa 100 Grundstückseigentümer zu wahren, sei durch eine Teilnehmergemeinschaft ein Vorstand gewählt worden, dem für seine ehrenamtliche Arbeit gedankt werden müsse.

Nach Verhandlungen über die neuen Grundstückszuschnitte und Abschluss der Abfindungsverhandlungen hätten die Grundstückseigentümer ihre neuen Grundstücke bereits 2007 in Besitz nehmen können, zunächst vorläufig, 2010 seien sie dann in Grundstücks- und Liegenschaftskataster eingetragen worden, so Ellendt. Letztendlich hätten die ursprünglichen 282 Flurstücke zur Umsetzung der Pläne auf 145 zusammengefasst werden können.

Für beide Projekte zusammen habe die Gemeinde letztendlich etwa 39 Hektar landwirtschaftlicher Flächen erworben. Wie Ellendt weiter ausführte, seien an der Lahn Altarme aktiviert worden. Darüber hinaus seien Furkationsrinnen für das Wasser geschaffen worden.

149 Hektar für Neugestaltung für Wege und Gewässernetz

Das Flurbereinigungsverfahren beinhalte eine Neugestaltung für das Wege- und Gewässernetz auf einer Fläche von 149 Hektar. Dabei sei beispielsweise der Rad- und Wirtschaftsweg zwischen Caldern und Sterzhausen grundhaft erneuert und verbreitert worden. Und im Bereich der Furkationsrinnen sei ein geschotterter Wirtschaftsweg neu entstanden und notwendige Ausgleichsmaßnahmen seien durch Pflanzung von etwa 100 Obst- und Landschaftsbäumen umgesetzt worden.

Am Ende stehe für alle Beteiligten eine gute Lösung, befand Lips, auch wenn bei Betroffenen nicht immer alles auf Gegenliebe getroffen sei. Das bestätigte Apell, er sei bei Bürgerversammlungen immer auch auf Bedenken und Widerstände getroffen, letztendlich habe er „unendlich viele Gespräche“ führen müssen.

Er habe Mitte der 1990er Jahre das Anliegen vertreten, dass Hochwasserereignissen möglichst im Vorfeld durch Maßnahmen entgegengewirkt werden müsse, so der Bürgermeister. Allerdings sei er an die Sache wohl etwas naiv herangegangen, denn eine kleine Gemeindeverwaltung sei hierbei schnell überfordert.

Er selbst habe deshalb oft abends arbeiten müssen. „Erst mit der Flurbereinigung wurde es stressfreier“. Dass bei der Umsetzung des Hochwasserschutzes an der Lahn alle so gut geklappt habe, habe daran gelegen, dass die verschiedenen beteiligten Behörden letztendlich gut zusammengearbeitet hätten und nicht, wie oft, gegeneinander.

„Zusammenfassend kann man sagen, dass wir auf das Projekt stolz sein können“, sagte Apell. Lips lobte, dass durch die Hochwasserschutzmaßnahmen die Anlieger an Lahn und dem Rhein bis Köln profitierten. Der Bürgermeister gab sich da etwas bescheidener: Nur eine Vielzahl von Maßnahmen zusammen gewährleiste den Schutz. Ganz nebenbei, so Apell, habe sich die Vegetation an den Rinnen bereits hervorragend ausgebreitet und biete Tieren einen Lebensraum. Und auch die Menschen profitierten von einem attraktiven Naherholungsgebiet.

von Heiko Krause

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