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Fließende Luft und eine blubbernde Trickkiste

Seniorentreff Lahntal Fließende Luft und eine blubbernde Trickkiste

Mit unterhaltsamen Experimenten brachte Dr. Karl-Heinz Muth vom Chemikum Marburg den Teilnehmern des Seniorentreffs Lahntal die bunte Welt der Chemie näher und führte das Publikum gekonnt in die Irre.

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Mit Humor und einer breiten Palette an chemischen Tricks führte Dr. Karl-Heinz Muth vom Chemikum Marburg (links) sein Publikum in die Welt der Wissenschaft. Zur Erleichterung der Senioren ließ sich hierbei der alkoholgetränkte Geldschein von Besucher Thomas Meyer-Bairam nicht anzünden.

Quelle: Ina Tannert

Sterzhausen. Wissenschaft trifft Kaffeetafel: Ihren regelmäßigen gemütlichen Nachmittag mit Kaffee und Kuchen peppten die Senioren aus dem Lahntal mit einem informativen Experimentalvortrag auf.

Unter dem Motto „Chemie - eine Wissenschaft mit vielen Gesichtern“ führte Dr. Karl-Heinz Muth vom Chemikum Marburg die Versammlung in die Welt der Naturwissenschaften und zeigte seinem Publikum unterhaltsame „Scharlatanerie aller Art“.

Die rund 50 Anwesenden staunten nicht schlecht, wenn der Chemiker mithilfe diverser natürlicher Utensilien aus der chemischen Trickkiste blubbernde Gemische zusammenrührte und immer wieder überraschende „Aha-Erlebnisse“ präsentierte. So zauberte er mithilfe von Trockeneis mit einer Temperatur von minus 78 Grad Celsius und etwas Seife einem Kochtopf eine schillernde Haube auf und demonstrierte die besondere Eigenschaft des Reinstoffes - Trockeneis, also festes Kohlenstoffdioxid, überspringt unter Normaldruck den flüssigen Aggregatzustand und wandelt sich direkt von Eis zu Dampf, erläuterte Muth.

Wo ist das Gas?

Anschaulich gestalteten sich verschiedene Experimente rund um das entstandene Kohlendioxid. Das Problem: das Gas ist unsichtbar, welche Eigenschaften es hat, mussten die Anwesenden nach dem Ausschluss­prinzip selbst erraten. Verschieden schwere Stoffe in Luftballons regten die Zuschauer zum Nachdenken und Mitmachen an. Erstes Ergebnis: das Gas ist schwerer als Luft und dabei noch geruchslos. Eine gefährliche Eigenschaft des Klimakillers.

Der folgende Versuch, das Geheimnis durch Feuer zu lösen, schlug bewusst fehl - die Flamme wurde erstickt, Kohlendioxid ist nicht brennbar - im Gegenteil, aufgrund der höheren Schwere löscht es das heiße Element. Diese Eigenschaft zeigte sich besonders eindrucksvoll, nachdem Besucherin Ulla Köster scheinbar nur mit Luft eine brennende Kerze einfach „ausschüttete“.

Begeisterung erzielte auch der Trick, mit einer Taschenlampe und dessen Schattenwurf das Gas an der Wand schließlich doch noch sichtbar zu machen.

In die Irre führte der Referent seine Zuschauer mit einer kleinen Show, bei der er scheinbar mit einem Löffel den Arm einer Teilnehmerin „aufschnitt“.Der blutrote „Schnitt“ entpuppte sich jedoch schnell als Flüssigkeitsgemisch aus Ammoniumrhodanid und Eisenchlorid-Lösung. Mit einem Schuss Fluorid, der das Rhodanid verdrängt, entfärbte der Chemiker die kräftig rote Farbe wieder. „Ein guter Trick um zu testen, ob auch genug Fluorid in Ihrer Zahnpasta enthalten ist“, riet er seinen Zuhörern.

Das Publikum zeigte sich von den Experimenten begeistert, die eher an Zaubertricks erinnerten und sich doch stets „als schlicht und einfach Wissenschaft“ entpuppten. „Beobachtung ist der erste Schritt, Sie müssen wieder lernen, vernünftig zu denken, denn wer nichts weiß, muss alles glauben“, betonte Muth. Immer wieder rief der Chemiker die Versammelten zum logischen Denken und einer Rückbesinnung auf grundlegende Naturgesetze auf. „In der Bevölkerung ist zu wenig aus der Chemie bekannt, wir wollen das Interesse wieder wecken“, erklärte Muth das Ziel des Chemikums.

Weitere Informationen unter www.chemikum-marburg.de

von Ina Tannert

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