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Fleischrinder trotzen der Bullenhitze

Züchtertreffen in Todenhausen Fleischrinder trotzen der Bullenhitze

Seit 25 Jahren züchtet Werner Kahler Charolais-Rinder, seit zehn Jahren gemeinsam mit Jost Hofemeister. Dies und die Fertigstellung des neuen Stalles waren Grund genug, um mit einer besonderen Veranstaltung zu feiern.

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Charolais-Rinder von Jost Hofemeister und Werner Kahler auf einer Weide bei Todenhausen.

Quelle: Manfred Schubert

Todenhausen. Als recht hitzeresistent erwiesen sich sowohl die Charolais-Rinder als auch deren Halter und Züchter. Etwa 75 Gäste aus ganz Hessen waren zur diesjährigen Rasseversammlung der Interessengemeinschaft Charolais Hessen, die 78 Mitglieder hat, zum Betrieb von Werner Kahler und Jost Hofemeister in Todenhausen gekommen.

Bevor es für mehrere Vorträge, an die sich eine Feier und Helferparty anlässlich der Einweihung des im Vorjahr fertig gestellten neuen Stalles anschloss, in den kühlenden Schatten unter dessen Dach ging, war eine Betriebsbesichtigung angesagt.

Die gestaltete sich wesentlich ausführlicher, als Kahler und Hofemeister gedacht hatten.

Fast zwei Stunden lang brauchten die Gäste, um im Autotross drei Weiden oberhalb Todenhausens anzufahren und die darauf stehenden Charolais-Rinder in Augenschein zu nehmen. Das geschah sehr gründlich, und nebenbei wurde eingehend gefachsimpelt, trotz über 30 Grad und vom blauen Himmel brennender Sonne.

Umstieg von Milchvieh zum Fleischrind

Viele wunderten sich, dass auch die Rinder keineswegs Schatten gesucht hatten oder matt auf der Weide liegend wiederkäuten, sondern sehr aktiv und munter waren.

Jost Grünhaupt, Zuchtleiter Milch- und Fleischrinder beim Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen, würdigte vor seinem Bericht über den Fleischrindertag und die Entwicklungen bei Zucht und Vermarktung die Erfolge von Werner Kahler. Dieser hat vor 25 Jahren seine ersten Charolais-Tiere angeschafft, als absehbar wurde, dass die im Nebenerwerb betriebene Milchviehhaltung auslaufen würde.

Von Anfang an wollte Kahler aktive Charolais-Zucht betreiben, nicht nur reine Absetzererzeugung zur Weitermast. Zur Erklärung: Absetzen bezeichnet in der Tierzucht die Trennung des Nachwuchses vom Muttertier am Ende der Säugezeit und damit verbunden die Umstellung auf milchlose Fütterung.

Mit Kühen wie Zuchtbullen konnte Kahler auf Landes- und Bundesschauen, auf dem Münchener Oktoberfest und bei der Grünen Woche in Berlin Siege und Erfolge feiern und immer wieder erstklassige Jungbullen anbieten, die in verschiedenen Charolais-Zuchtbetrieben zum Einsatz kamen. Als besonders fortschrittlich bezeichnete Grünhaupt einen bereits vor mehr als zehn Jahren durchgeführten Embryotransfer zur Einführung des zunehmend wichtigen Merkmals der genetischen Hornlosigkeit.

Aufzucht erfolgt ohne Kraftfutter

„Mit viel Einsatz und Passion wurde über Jahre hinweg, oft mit enormer Arbeitsbelastung, der Nebenerwerbsbetrieb weiterentwickelt und mit dem Bau des neuen Stalles eine wesentliche Maßnahme für die betriebliche Zukunft umgesetzt“, betonte er.

Seit 2005 stehen auch die Tiere von Jost Hofemeister, mittlerweile Schwiegersohn in spe, auf dem Betrieb Kahler. Den neuen Stall haben beide gemeinsam gebaut, er gehört ihnen zu gleichen Teilen.

40 Charolais-Kühe und deren Nachzucht sowie zwei Deckbullen, insgesamt 100 Tiere, bilden die Herde. 70 Hektar Grünland und 25 Hektar Ackerland sichern deren Ernährung. „Unsere Tiere bekommen nur selbst angebautes Futter, kein Kraftfutter“, unterstrich Kahler. Mit der Charolais-Muttertierhaltung habe er aufgrund des intensiven Standorts mit viel Getreide und Mais begonnen, denn Charolais gehören zu den Intensivrassen, die solches Futter gut verwerten.

Christian Sölzer von der Zucht- und Besamungsunion Hessen berichtete kurz über gute Nachfrage und die Erlösentwicklungen bei den diesjährigen Auktionen. 2014 seien 2677 Tiere in Hessen als Absetzer vermarktet worden.

Am Ende stellte sich Stefan Damm aus Dautphetal-Buchenau seinen Kollegen vor. Er war am 21. Juni zum neuen Vorsitzenden des Verbands der Deutschen Charolais-Züchter gewählt worden und berichtete von der Jahrestagung und Generalversammlung, die im Elsaß stattgefunden hatten. Unter anderem wolle man die Mitgliederwerbung verstärken, außerdem sei ein Charolais-Kalender geplant, dafür bat er um Zusendung von Fotos durch die Mitglieder.

von Manfred Schubert

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