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Filmriss nach Trunkenheitsfahrt

Aus dem Gericht Filmriss nach Trunkenheitsfahrt

Ohne Führerschein, ohne Haftpflicht, ohne Erinnerung: Im Vollrausch rammte ein junger Mann aus dem Nordkreis einen anderen Wagen und flüchtete vom Unfallort. Daran erinnern konnte sich der Nachtschwärmer nicht mehr.

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Wegen einer Fahrt unter Alkoholeinfluss und ohne Führerschein wurde ein 20-Jähriger aus dem Nordkreis angeklagt.

Quelle: S. Hofschlaeger/pixelio.de

Marburg. Trotz Filmriss wiesen klare Beweise auf die Schuld eines 20-jährigen Wagenbesitzers aus dem Nordkreis hin: Das Jugendstrafgericht verurteilte ihn wegen fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung, vorsätzlichen Fahrens ohne Führerschein, Führen eines Fahrzeuges ohne Haftpflichtversicherung und schließlich wegen Unfallflucht. Ihn erwartet ein sozialer Trainingskurs, ein Verkehrsseminar, eine neunmonatige Fahrsperre und 60 Arbeitsstunden.

Kurios gestaltete sich die Beweisaufnahme während der Verhandlung: Die Vorwürfe gab der junge Mann zu, an die Tatnacht erinnern konnte er sich überhaupt nicht mehr. Ende Februar dieses Jahres war er spät in der Nacht auf der Marburger Straße in Münchhausen unterwegs, kam von der Fahrbahn ab und knallte gegen einen parkenden Wagen. Halbwegs unverletzt stieg der 20-Jährige aus und ging zu Fuß nach Hause, verlor dabei einen Schuh samt Schlüsselbund. Eine Fahrerlaubnis hat er noch nicht, sein gerade erst gekaufter Wagen zudem noch keine Haftpflichtversicherung und damit keine Zulassung.

Nächtliche Fahrt mit zwei Promille

Am folgenden Morgen, wenige Stunden nach dem Unfall, tauchte der junge Mann bei der bereits informierten Polizei auf und stellte sich. Seine Habseligkeiten wurden am Unfallort gefunden, zudem wies er einen geröteten Gurt-Striemen im Schulterbereich auf, wie er für einen harten Ruck bei einem Aufprall typisch ist, ermittelte die Polizei. Die Rückrechnung der Alkoholkontrolle ergab einen Wert zum Tatzeitpunkt von zwei Promille.

Die durchzechte Nacht kam dem jungen Mann mit rund 3000 Euro Sachschaden teuer zu stehen, erinnern konnte er sich auch vor Gericht nicht: „Davon weiß ich gar nichts mehr, aber das muss ja ich gewesen sein“, sagte der Angeklagte. Er wisse nur noch, dass er auf dem Weg in eine Diskothek war, sein neues Auto zuhause stehen ließ. Warum er plötzlich losfuhr, als er zuhause war und wo er zwischenzeitlich noch so war, wisse er nicht mehr.

Anklage nach dem Jugendstrafrecht

Die Jugendgerichtshilfe bestätigte dem Heranwachsenden eine „schwierige Kindheit und problematische Entwicklung“. Vorbestraft ist der junge Mann bislang nur einmal, und nicht einschlägig, doch dem Jugendamt und dem Gericht ist er bereits gut bekannt wegen mehrerer Ordnungswidrigkeiten im Jugendalter. Mittlerweile habe er sich „verändert und ist auf einem guten Weg“, so die Mitarbeiterin, die sich für eine Verurteilung nach Jugendstrafrecht aussprach.

Dem schloss sich Staatsanwältin Kathrin Ortmüller an, die Arbeitsstunden und angesichts des fahrlässigen Ausflugs ein Verkehrsseminar befürwortete. Das sah auch Jugendrichter Thomas Rohner so: Er hielt es dem Angeklagten zugute, dass er sich der Sache stellte, bei der Aufklärung des Tathergangs mithalf. Allerdings habe er auch gefährlich in den Straßenverkehr eingegriffen. „Zum Glück war es nur Sachschaden, das hätte auch anders ausgehen können“, mahnte der Richter.

von Ina Tannert

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