Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 2 ° Regenschauer

Navigation:
Feuerwehr ist keine Arbeitskraft zum Nulltarif

Kreisfeuerwehrverbandstag Feuerwehr ist keine Arbeitskraft zum Nulltarif

Kreisbrandinspektor Lars Schäfer zog während des Kreisfeuerwehrverbandstages in Amönau in seinem Jahresbericht nicht nur einfache Bilanz. Er merkte auch sehr viel Kritisches an.

Voriger Artikel
Löschbären und ein neues Fahrzeug
Nächster Artikel
Groß und Klein singen gemeinsam

Kreisfeuerwehrverbands-Vorsitzender Lars Schäfer bei seinem Jahresbericht.

Quelle: Manfred Schubert

Amönau. Begonnen hatte der Nachmittag mit der Versammlung von 154 Delegierten der Kreisfeuerwehren, bei der der Bericht des Vorsitzenden des Kreisfeuerwehrverbands, Kreisbrandinspektor Lars Schäfer, im Mittelpunkt stand. Neben der Bilanz zum vergangenen Jahr sparte er wie gewohnt nicht mit kritischen Anmerkungen zur Haltung mancher Politiker, Behörden und Mitbürger gegenüber der ehrenamtlichen Feuerwehrarbeit.

2013 war ein sehr arbeitsreiches Jahr für die Freiwilligen Feuerwehren gewesen. 3403 Einsätze, gegenüber 1960 im Vorjahr, darunter 1040 Brände 1625 Hilfeleistungen mit der Bergung sieben Verkehrstoter, 120 Fehlalarme und 618 Brandsicherheitsdienste. Ein Verband mit 110 ehrenamtlichen Kräften half in Sachsen bei der Hochwasserbekämpfung und man sei stolz, zum zweiten „Wunder von Mühlberg“ beigetragen zu haben, denn diesmal war die Flutwelle noch höher als 2002, betonte Schäfer.

Zu den 23 Großbränden gehörten der Brand der Marburger Tapetenfabrik im Februar und ein Wohnhausbrand in Lohra-Damm im April, bei dem zwei Familien ihr Heim verloren.

Mitgliederrekrutierung nicht optimal

3939 Männer und 395 Frauen versehen ihren ehrenamtlichen Dienst in den freiwilligen Wehren und den Werksfeuerwehren, dazu kommen 36 hauptamtliche Kräfte. 1089 Jungen und 355 Mädchen sind in den Jugendfeuerwehren. Das bedeutet einen weiteren Rückgang bei Einsatzabteilungen wie Nachwuchs, noch halte man sich aber auf einem hohen Niveau.

Marburg-Biedenkopf habe immer noch eine der größten Kreisjugendfeuerwehren Hessens, noch gebe es mehr Aufnahmen als Austritte bei beachtlichen 68 Übernahmen in die Einsatzabteilungen. Dennoch müsse man die Mitgliedergewinnung und -stärkung intensivieren, auch die Integration von Migranten in die (Jugend-)Feuerwehren werde oft noch zu stiefmütterlich betrachtet, sagte Schäfer.

Fotos: Manfred Schubert

Zur Bildergalerie

„Missstände aus Tannenzupfenhausen“

Ein Schlagwort sei 2013 für den Kreisfeuerwehrverband „Hessen Mobil“ gewesen. Der Einsatz beim Speiseöllasterunfall in Lahntal habe gezeigt, wie schnell aus ehrenamtlichen Feuerwehreinsatzkräften ungefragt Hilfskräfte des Straßenbaulastträgers werden können, der sich noch nicht einmal dafür bedanke, sondern lieber seinem Tagwerk nachgehe. Der Kreisfeuerwehrverband habe seinen Standpunkt sehr deutlich gemacht. Und dies habe dann auch eine Änderung bewirkt. Denn nun gebe es keine zeitlich befristete Regelung und nicht nur eine Person für drei bis vier Straßenmeistereien in Rufbereitschaft mehr, sondern eine Person pro Straßenmeisterei.

Aus seinem in Feuerwehrkreisen mittlerweile berühmten Beispielort „Tannenzupfenhausen“, das bei Schäfer immer für Vorkommnisse aus ganz Hessen herhalten muss, berichtete er über weitere Missstände. Etwa von einem im Katastrophenschutz eingesetzten Fahrzeug, das nach „nur 38 Jahren“ kaputt gegangen sei. Aber da der Bund schon 26 Fahrzeuge, für das ganze Bundesgebiet wohlgemerkt, in diesem Jahr angeschafft habe, müsse sich Tannenzupfenhausen gedulden und zwar 26 Jahre lang, denn so lange werde man auf ein Fahrzeug warten müssen.

Oder über einen Lkw-Brand auf der Autobahn neben Tannenzupfenhausen, der die Feuerwehr die halbe Nacht beschäftigte. Die Rechnung über 10000 Euro für diesen Aufwand stellte der „Versicherungsmarktführer“ in Frage, den Einsatzleiter und die Satzung gleich mit, bot schließlich 20 Prozent der Kosten an und bat um Senkung der Gebührensätze. „Wenn die letzte Führungskraft enttäuscht ihren Helm auf den Spind stellt, hilft auch die Zuweisung von Einsatzbereichen nichts, weil dann niemand mehr kommt“, prognostizierte Schäfer.

Kritik an der Polizei

Ähnliches sei geschehen, als der Polizei hier im Kreis Amtshilfe bei einer Personensuche geleistet wurde. An der Rechnung über Verdienstausfallkosten von 800 Euro äußerte laut Schäfer die Rechtsabteilung der Polizei erhebliche Zweifel und wollte minutiöse Nachweise über die Tätigkeit jedes Feuerwehrangehörigen vorgelegt bekommen.

Dann sagte er: „Wenn Gefahrenabwehrbehörden so miteinander umgehen, hört man den Amtsschimmel wiehern und stellt das ganze System in Frage. Ehrenamtliche und hauptamtliche Kräfte arbeiten im Landkreis gut und gerne zusammen. Das ist wichtig und richtig.“ Es sei befremdlich, wenn dann Menschen, die sich nicht die Nacht um die Ohren hauen, meinen, dass 800 Euro zu viel wären und damit anfangen, das Ehrenamt zu vergraulen.

Landrätin Kirsten Fründt sprach erstmals bei einem Kreisverbandstag zu „ihren“ Feuerwehrleuten. Sie sei sehr gerne Brandschutzdezernentin, nicht nur wegen der Bedeutung der Aufgabe, sondern auch wegen der guten Stimmung und des besonders intensiven Zusammenhalts bei den Feuerwehren. Die Bekämpfung des Hochhausbrands in Marburg diese Woche habe deutlich gemacht, welch gute Arbeit geleistet werde. In den vergangenen Monaten habe sie gelernt, wie viel Zeit, Übungen und Jugendarbeit dahinter stünden, außer den Feuerwehrfamilien würden das nur wenige ahnen.

  • Neuwahl: Neuer Kreispressesprecher wurde Alexander Stein aus Neustadt.
  • Beschluss: Den Kreisfeuerwehrverbandstag 2016 wird die Feuerwehr Bad Endbach-Hartenrod zu ihrem 90-jährigen Bestehen ausrichten.

von Manfred Schubert

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr