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Ferienabenteuer über den Wolken

OP erfüllt Kindern Wünsche Ferienabenteuer über den Wolken

Spannung und Spaß beim Segelfliegen in 600 Metern Höhe: Die Gewinner der OP-Ferienaktion, Pauline und Luisa, verbrachten einen aufregenden Tag über den Wolken und auf dem Flugplatz in Schönstadt.

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Ein Herzenswunsch ging in Erfüllung für Pauline Westphal aus Wittelsberg und Luisa-Michelle Holzapfel aus Wetter: Als Gewinnerinnen der OP-Aktion durften sie einen Tag beim Kurhesssischen Verein für Luftfahrt auf dem Flugplatz in Schönstadt verbringen – und hoch oben in der Luft.

Quelle: Ina Tannert

Schönstadt. Der Fallschirm sitzt, der Wind steht gut, „Startbahn frei“, ein Ruck - und schon zieht der Schlepper den leichten Segelflieger hoch in den Himmel. Leinen los und der Segler ist frei und zieht in luftiger Höhe elegant seine Kreise.

Das erhabene Gefühl hoch über den Wolken durch die Lüfte zu gleiten - ganz ohne störende Motorengeräusche - erlebten vergangene Woche die glücklichen Gewinner Pauline Westphal aus Wittelsberg und Luisa-Michelle Holzapfel aus Wetter. Die beiden 14-Jährigen verbrachten einen spannenden Samstag mit dem Kurhessischen Verein für Luftfahrt (KVFL) auf dem Flugplatz bei Schönstadt.

Vor dem heiß ersehnten Segelflug standen etwas Theorie und Vorarbeit auf dem Programm der aufgeregten Gewinnerinnen der OP-Kinderwünsche-Aktion. Gemeinsam mit den anderen Flugschülern und Trainern des Vereins wurden wichtige Vorbereitungen getroffen und Sicherheitsregeln gebüffelt. Auf dem Flugplatz packen alle mit an - das gehört einfach zum guten Ton. „Alle machen mit, wir sind hier eben eine Familie“, erzählte Werner Hoffarth vom Vorstand.

Gemeinsam wuchteten Vereinsmitglieder und Gäste die majestätischen Segler aus der Lagerhalle, entfernten die Schutzhüllen und zogen die 300 Kilogramm schweren Maschinen gut gelaunt quer über die Startbahnen. Begleitet wurden sie dabei von erfahrenen Ausbildern des Vereins sowie von Hündin Tina, dem allseits beliebten Flugplatzmaskottchen.

Fluglehrerin Marianne Winkler, die selber seit mehr als 40 Jahren im Cockpit Zuhause ist, erklärte Thermik, Ablauf, Steuerung und Besonderheiten der Segler. Die motorlosen Segelflieger nutzen die in der Atmosphäre vorkommende warmen Aufwinde und die umströmende Luft, um sich fortzubewegen. Die gestreckte und aerodynamische Form der Maschinen ist auf ein möglichst großes Gleitverhältnis ausgelegt und ideal für das Schweben auf warmen Luftströmungen geeignet. „Wir kreisen in diesem Warmluftschlauch wie die Vögel“, erklärte die Trainerin. Je geringer dabei der Widerstand ist, desto besser die Gleitfähigkeit. Ein geringer Luftwiderstand ist nötig, um möglichst wenig Reibung zu erzeugen, durch die viel Energie verloren gehen würde.

Für die Fluganfänger wählte der Verein das Schulflugzeug ASK 13 aus. Der doppelsitzige Segler besteht aus einer Holz-Metall-Konstruktion und gilt als ein besonders ausgeglichenes, „gutmütiges“ Modell, das ideal für erste Schulungs- und Orientierungsflüge sein soll. Die Flügelspannweite beträgt rund 15 Meter. Je nach Wetter und Wind schafft die Maschine bis zu 250 Kilometer pro Stunde. Die Geschwindigkeit und Flugrichtung wird dabei mit Hebeln für Seiten-, Heck- und Höhenruder gesteuert. „Nase hoch und ihr fliegt langsamer, Nase runter und der Segler wird schneller“, erklärte Segelflieger Tobias Kaufmann.

Der Flugunterricht wurden leider immer wieder von heftigen Regenschauern unterbrochen. Starker Regen beeinträchtigt die Thermik und Flugeigenschaften der Segler, erklärten die Ausbilder. Nach jedem Wolkenbruch prüften die Vereinsmitglieder die aktuelle Wettervorhersage und gaben die Startbahn schließlich wieder frei.

Nach einem ausgiebigen Rundum-Check von Maschinen und Piloten wurde es dann auch langsam ernst. Beim Anlegen der Fallschirme machte sich erste Nervosität bei Pauline und Luisa breit. Die auf den Rücken geschnallten modernen Fallschirme „fesseln“ den Träger durch eine Verbindungsleine an die Maschine und sind mit einem ausgetüftelten Sicherheitssystem ausgestattet: die Leine bindet den Schirm an das Innere des Fliegers. Im Notfall springen die Piloten aus der Maschine, die Verbindungsleine strafft sich und zieht den Fallschirm damit automatisch aus der Verpackung, während sich die Verbindung löst. Die Technik bietet größtmögliche Sicherheit für unerfahrene Piloten.

„Ich konnte sogar die Skyline von Frankfurt sehen“

Mit Schirm und festen Haltegurten ausgestattet, nahmen die beiden Fluganfänger abwechselnd im engen, etwa ein Meter hohen Cockpit Platz. „Ich bin so was von aufgeregt“, grinste nicht nur Luisa aus der Cockpitkanzel heraus. Wie alle Schüler saßen die Beiden immer im vorderen Teil des Zweisitzers, hinter ihnen wachte Fluglehrerin Marianne über Technik, Flugrichtung und Vordermann.

Nach einem letzten Instrumenten- und Funkcheck war die Mannschaft bereit zum Schlepp. Auf dem Flugplatz bei Schönstadt werden die Segler mit Hilfe eines Motorfliegers in die Luft gezogen. Pilot Paul Nau übernahm an diesem Tag den Flugzeugschlepp. Erfahrene Vereinsmitglieder verbanden beide Maschinen durch die stabile Schleppleine miteinander und gaben das Startsignal. „Startbahn frei“, Motor an und los ging die rasante Fahrt über die Wiese. Mit einem Ruck straffte sich die Leine und zog den leichten Segler vorwärts. „Das war das Beste am Start“, erzählte Pauline später lächelnd.

Schneller Aufstieg und gute Thermik

Nach einem schnellen Aufstieg fanden die Flieger eine gute Thermik. Die größte Herausforderung in der Luft: die Schüler betätigten selber den Ausklinkmechanismus um den Segler von der Schleppmaschine zu lösen. Das kostete schon etwas Überwindung, den Hebel zu ziehen. Motor- und Segelmaschine trennten sich schließlich, elegant glitten die Segler durch die Luft und schwebten in Richtung Marburg. Mit rund 100 Kilometer die Stunde zogen sie lautlos ihre Kreise am Himmel. Geschickt wichen die Flieger den Wolken aus und flogen eine ausgiebige Tour quer über den Landkreis. Die OP-Gewinnerinnen genossen den eindrucksvollen Rundumblick durch die durchsichtige Cockpitkanzel. Die Aussicht in rund 600 Metern Höhe war hervorragend.

Nach rund 20 Minuten setzten die Segler wieder zu einer ebenso eleganten Landung an, schossen über das Flugfeld und kamen schließlich sanft auf dem Rasen an. „Das war super, ein toller Flug“, freute sich Luisa.

Die 14-Jährige war nicht zum ersten Mal in der Luft, ist sogar schon mal mit einem Hubschrauber geflogen, doch das eindrucksvolle Gefühl geräuschlos über einfache Luftströme zu gleiten, war etwas ganz Besonderes. Das tolle Erlebnis teilte sie auch gleich mit Schwester Stefanie und überließ ihr großzügig den zweiten Flug der OP-Aktion. Auch Gewinnerin Pauline war hin und weg von ihren Erlebnissen in luftiger Höhe: „Ich konnte sogar die Skyline von Frankfurt sehen“, erzählte die 14-Jährige fröhlich nach ihrem ersten Flug. Die abenteuerlustige Jugendliche blieb sogar bis zum Abend und genoss den Tag auf dem Flugplatz in vollen Zügen. „Es war richtig toll“, freute sie sich. Und sie will auf jeden Fall wiederkommen.

von Ina Tannert

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