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Falscher Alarm: Fake-Notrufe mit Folgen

Aus dem Gericht Falscher Alarm: Fake-Notrufe mit Folgen

Im August 2015 ertappte Stadtbrandinspektor Stefan Ronzheimer den Anrufer, selbst Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Wetter, auf frischer Tat. Das Marburger Amtsgericht verurteilte ihn jetzt zu einer Geldstrafe.

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Notruf ohne Grund: Wegen widersprüchlichen Angaben des Anrufers musste die Feuerwehr Wetter zum Glück nicht ausrücken.

Quelle: Archivfoto: Michael Hoffsteter

Marburg. Anders als in den Vorgesprächen, gestand der 30-Jährige vor dem Marburger Amtsgericht die Taten. Demnach hat er zwischen April und Mai 2015 fünfmal nachts die Leitstelle des Landkreises angerufen, und etwa eine Ölspur zwischen Wetter und Amönau, Rauchentwicklung in Todenhausen oder Gasgeruch gemeldet. Gefahren, die es tatsächlich nicht gab. Drei Monate später im August 2015 wies er auf vermeintlichen Gasgeruch in Wetter hin, das war sein letzter Fehlalarm.

Wie Stadtbrandinspektor Ronzheimer berichtete, sei die Wehr wegen Widersprüchen in den Angaben nie alarmiert worden. „Das ist auch gut so, sonst wäre es eine teure Angelegenheit geworden.“ Der Täter, selbst Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Wetter, rief immer von derselben Telefonzelle am Marktplatz in Wetter an. Nachdem die alarmierte Polizei  einmal zum falschen Ort, nämlich zum Marburger Marktplatz, gefahren war, wurde Ronzheimer schließlich gebeten zu helfen.

Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 2.970 Euro

Und im August war es dann wieder so weit: die Leitstelle des Landkreises schaltete den Stadtbrandinspektor ein und informierte ihn, dass der Anrufer, der sich immer unter anderem Namen meldete, erneut in der Telefonzelle in Wetter war. Er hat sich sofort auf den Weg gemacht und dort den Angeklagten angetroffen. „Er war überrascht und verunsichert und hat behauptet, jemand anderes hätte ihm von dem Gasgeruch berichtet“, so Ronzheimer. Geglaubt hat er ihm nicht und den Mann später vom Dienst suspendiert.

„Ich weiß nicht, was mich damals geritten hat“, betonte der angeklagte Feuerwehrmann, der sich nun für seine Taten entschuldigte. „Vielleicht wollte ich einfach mitfahren und dabei sein.“ Kurz zuvor absolvierte er erst den Grundlehrgang.
Richterin Barbara Steinmann verurteilte den 30-Jährigen schließlich zu einer Geldstrafe­ von 90 Tagessätzen zu insgesamt 2.970 Euro. „Das war keinesfalls als Scherz zu verstehen“, hob sie hervor, „dass die Feuerwehr nicht ausgerückt ist, ist reines Glück.“

Der Angeklagte nahm den Richterspruch an. Auch ­sein Verteidiger Heinz-Harald Kögel betonte in seinem Schlussvortrag: „Das ist ein Verhalten, das nicht toleriert werden kann und sicher keine Bagatelle ist.“ Sein Mandant habe sich geradezu „dümmlich angestellt“, anstatt mit seinem Handy mit Rufnummernunterdrückung immer wieder von der Telefonzelle, die natürlich rückverfolgt werden kann, anzurufen.

von Heiko Krause

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