Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Falsche Aufbewahrung rettet Buch

Historisches Kirchenbuch Falsche Aufbewahrung rettet Buch

Im Archiv der Grundschule in Sterzhausen fand die Schulleiterin ein historisches Kirchenbuch aus dem Calderner Pfarrhaus. Jetzt ist es wieder zurück in Kirchenhand, vorläufig im Pfarreiarchiv in Sterzhausen.

Voriger Artikel
Anwohner leiden unter Verkehrschaos
Nächster Artikel
„Ich bin innerlich fast verblutet“

Calderns Kirchenältester Hermann Klingelhöfer (von links), Pfarrer Ralf Ruckert, Schulleiterin Gabriele Linkenbach-Nolte und der Vorsitzende des Kirchenvorstands, Michael Moog, bei der Übergabe des historischen Kirchenbuchs aus dem Calderner Pfarrhaus.

Quelle: Manfred Schubert

Sterzhausen. „Die Feuerspritze war damals eingefroren, wir mussten heißes Wasser auf sie gießen, um sie in Gang zu setzen“, erinnerte sich Hermann Klingelhöfer. Der heute 81-jährige Kirchenälteste der Gemeinde Caldern war 1955 junger Feuerwehrmann und bei dem Einsatz dabei, um das im Pfarrhaus in Caldern frühmorgens ausgebrochene Feuer zu bekämpfen.

Damals verbrannten viele Kirchenbücher. Eines, das man ebenfalls verloren glaubte, hat Anfang dieses Jahres Schulleiterin Gabriele Linkenbach-Nolte im Archiv der Wichtelhäuser-Schule wieder entdeckt. Den Anlass dafür bot eine Anfrage aus dem Festausschuss in Caldern, der die 1200-Jahr-Feier für 2017 vorbereitet, ob sich eine Schulchronik von Caldern im Archiv der Grundschule in Sterzhausen befinde. In den 1970er Jahren waren die Schulen zusammengelegt und die in Caldern geschlossen worden. Bei der Suche danach entdeckte die Schulleiterin das alte Kirchenbuch und stellte es dem Festausschuss zur Verfügung, der es nach einer Weile zurückgab.

Übergabe an Kirchenältesten

Am Freitag übergab Linkenbach-Nolte das Kirchenbuch an Ralf Ruckert, den neuen Pfarrer des durch Zusammenlegung der beiden Gemeinden Caldern, Kernbach und Brungershausen sowie Sterzhausen neu entstandenen Kirchspiels. Mit dabei waren der Kirchenälteste sowie der Vorsitzende des Kirchenvorstands, Michael Moog, der Ururenkel des in dem Buch verzeichneten Schmieds Heinrich Moog.

Pfarrer Ruckert erläuterte, dass das Buch rund 1130 Einträge zu Taufen von 1847 bis 1886 enthält, 180 zu Todesfällen von 1847 bis 1859 sowie von 1874 bis 1886, 145 zu Trauungen von 1878 bis 1885 sowie 220 zu Konfirmationen zwischen 1884 und 1906. Dass die Einträge nicht die gleichen Zeiträume abdecken, könne daran liegen, dass nachgetragen wurde oder Einzelblätter erst nachträglich zu einem Buch gebunden wurden, meinte er.

Früher machten Dorflehrer standesamtliche Eintragungen

Die Rettung des Buches ist vermutlich dem Umstand zu verdanken, dass zu früheren Zeiten die Dorflehrer auch standesamtliche Eintragungen in die Kirchenbücher vornahmen. Die letzten Eintragungen in dem Buch stammen vom Präzeptor Ehlich, von dem es wohl nicht zurück in die Pfarrei kam. So geriet es schließlich wohl mit den Schulsachen aus Caldern bei der Zusammenführung der Schulen ins Schularchiv in Sterzhausen.

Die Wiederentdeckung dieses Buches werde wohl nicht den Lauf der Welt verändern, aber für das Dorf habe es schon einen gewissen Nimbus, ordnete Ruckert die Angelegenheit ein. „Man kann sehen, dass die Menschen in ganz anderen Umständen lebten, manche sind bei der Geburt oder als Kind gestorben, es gab Ackermänner, Weißbinder, mehrere Schmiede und einige Gutsbesitzer“, sagte er. Ungewöhnlich sei, dass die Verstorbenen ohne deren Geburtsdatum und Altersangabe eingetragen wurden.

Das Buch bleibe zunächst im Pfarreiarchiv in Sterzhausen. Der Calderner Kirchenvorstand soll später entscheiden, ob es dort bleiben oder ins Kirchenarchiv in Kassel kommen soll.

von Manfred Schubert

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr