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„Es ist so viel für immer verloren gegangen“

Brand im Museum Oberrosphe „Es ist so viel für immer verloren gegangen“

Der Schock beim Heimat- und Verschönerungsvereins sitzt tief. Nach dem noch recht glimpflich verlaufenen Schwelbrand am Samstag wurde nun das Inventar in der unteren Etage des Haupthauses durch ein Feuer zerstört.

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Der Raum, in dem der Kaufladen ausgestellt war, ist eine Trümmerhalde. Dort befand sich auch das Besuchercafé.

Quelle: Götz Schaub

Oberrosphe. Sonntag, Montag, Dienstag und auch noch bis Mittwoch 16 Uhr waren immer wieder Menschen im Wohnhaus des Dorfmuseums, um sicherzugehen, dass vom Schwelbrand am vergangenen Samstag keine Gefahr mehr ausgeht. Dann doch die Alarmierung in der Nacht zu gestern. „Es war 1.34 Uhr“, sagt Wetters Stadtbrandinspektor Stefan Ronzheimer. Und weiter: „Als die ersten Einsatzkräfte eintrafen, stand ein Raum im Vollbrand.“ Das war der Raum, in dem der liebevoll aufgebaute Kaufladen untergebracht war, der Raum, in dem die Gäste des Museums in der Atmosphäre längst vergangener Dorftage gemütlich Kaffee tranken und selbstgebackenen Kuchen genossen.

Feuerwehrleute des Schutzbezirks Ost aus Mellnau, Unterrosphe und natürlich Oberrosphe sowie von der Feuerwehr Wetter-Mitte waren zunächst im Einsatz. Im Nachgang wurden noch Atemschutzträger aus Amönau und Niederwetter angefordert, im Ganzen standen 54 Feuerwehrleute zur Verfügung, die mit 16 Einsatzfahrzeugen vor Ort waren.

Am Donnerstagfrüh hat ein erneutes Feuer im Dorfmuseum in Oberrosphe den größten Teil des Inventars im Haupthaus zerstört.

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Für die Betreiber des Museums, die Mitglieder des Heimat- und Verschönerungsvereins bot sich am Morgen danach ein trauriges Bild. In der unteren Etage sind drei Räume sehr stark beschädigt, das Inventar zum großen Teil verbrannt. Viele Gegenstände sind zerbrochen oder versengt. Im oberen Geschoss hat sich eine deutliche Rußschicht auf alles gelegt, die Tapeten und Wände sind eingeschwärzt.

„Es ist so viel für immer verloren gegangen“, sagt der Vorsitzende des Vereins, Hans Bertram. Natürlich stehe man nun vor einem Scherbenhaufen, aber das soll nicht das Ende sein, bekräftigen Bertram und Hans-Joachim Gembatzki, Schriftführer des Vereins, als sie gestern Vormittag Experten der Polizei begrüßten.

Polizeisprecher Martin Ahlich sagt: „Nach den ersten Untersuchungen der Brandursachenermittler der Kriminalpolizei brach der Brand im gleichen Bereich aus, der bereits am Samstag von einen Schwelbrand betroffen war. Die Kripo schließt nach Begutachtung des Brandortes nicht aus, dass das erneute Feuer als Folge des Schwelbrandes entstand. Es ergaben sich ansonsten keine Hinweise auf eine andere Brandursache. Insbesondere gab es keinerlei Anhaltspunkte für eine vorsätzliche Brandstiftung.“

Statik des Hauses ist nicht in Gefahr

Wetters Bürgermeister Kai-Uwe Spanka sagt: „Das ist für unser kulturelles Angebot ein schwerer Schlag.“ Doch der Bürgermeister will lieber sofort nach vorne schauen. „Ich habe Hans Bertram versprochen, zunächst einmal eine Soforthilfe von 5000 Euro zur Verfügung zu stellen, damit der Verein handlungsfähig ist.“

Spanka konnte jedenfalls schon mal Entwarnung geben, was die Zukunft des Hauses angeht. „Experten haben festgestellt, dass die Statik nicht gefährdet ist. Ich denke, die Stadt und auch die Oberrospher werden sich sicherlich für einen Wiederaufbau des Museums einsetzen.“ Um Optimismus auszusenden, nannte Spanka gestern als Datum den Herbstmarkt, zu dem das Museum wieder hergestellt sein soll.

Elfriede Hahn, die über viele Jahre die Krippenausstellung in der gegenüberliegenden Scheune, aber auch zahlreiche Sonderausstellungen zur Saisoneröffnung meistens im Wohnhaus organisiert hatte, war noch am Mittwoch um 16 Uhr im Haupthaus des Museumshofes. „Ich habe da noch ein vergessenes Fenster zugemacht, weil es ja regnen sollte“, sagt sie im Gespräch mit der OP. Sie ist stark mitgenommen. „Ich bin am Morgen dagewesen, und es war so schwer. Vor allem, als ich ein Teil gesehen habe, auf das ich so stolz gewesen bin, das nun in Trümmern lag.“ Sie hofft, dass der Verein schnell damit beginnen kann, die Überreste zu sondieren und zu retten, was noch irgendwie zu retten ist.

Schwelbrand breitete sich unbemerkt aus

„Das ist der Albtraum, den ich immer hatte, der mich manches Mal noch einmal zurückgehen ließ, nur um sicher zu sein, dass alle Gerätschaften aus sind und nichts passieren kann. Und jetzt ist es passiert“, sagt Hahn.

Bertram will die Flinte nicht ins Korn werfen. Auch er weiß, dass es jetzt viel Arbeit gibt und mancher Schmerz auszuhalten ist, wenn klar wird, welche Dinge alle verschwunden sind. „Es sind die kleinen Dinge, die die Besonderheiten darstellten. Etwa ein Geldschein, der in der Mitte durchgetrennt war. So wurden früher die Anzahlungen gemacht. Nach einem erfolgreichen Geschäft bekam man dann die andere Hälfte und konnte ihn zusammensetzen.“

Verwundert sind alle, dass sich offenbar ein Glutnest des Schwelbrandes über einen so langen Zeitraum und dazu auch noch völlig unbemerkt halten konnte und am Samstag auch nicht von den Wärmebildkameras, die die Feuerwehr einsetzte, entdeckt wurde. Möglicherweise war es irgendwo tief im Boden und erhielt erst durch den starken Wind in der letzten Nacht, der durch die natürlichen Ritzen des alten Fachwerkhauses gelangte, den Auftrieb, sich wieder richtig zu entzünden.

Am Samstag war es bei der Nutzung des Ofens zu einer Verpuffung und dann zum Schwelbrand gekommen. Bertram bringt als Auslöser einen toten Marder ins Spiel, der sich im Schornstein verkeilt hatte.

von Götz Schaub

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Brand in Oberrosphe
Zahlreiche Feuerwehrleute waren am Donnerstagfrüh im Einsatz, um den Brand im Dorfmuseum zu löschen. Foto: Till Conrad

Der Schock beim Heimat-und Verschönerungsvereins sitzt sehr tief. Nach dem noch recht glimpflich verlaufenen Schwelbrand am Samstag, wurde nun die komplette untere Etage des Haupthauses durch ein Feuer zerstört.

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