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Erste Ideen für eine Bürgerhilfe sind festgezurrt

Wetter Erste Ideen für eine Bürgerhilfe sind festgezurrt

30 Bürger fanden den Weg ins Bürgerhaus Wetter, um sich entweder als potenzieller Helfer oder als potenzieller „Kunde“ des noch zu gründenden Bürgerhilfevereins zu informieren.

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Auf Karteikarten schrieben die Teilnehmer des Info-Abends auf, was sie bieten beziehungsweise erwarten. Foto: Götz Schaub

Wetter. Nicht erst seit dem US-Western-Klassiker „Auch ein Sheriff braucht mal Hilfe“ mit dem 2014 verstorbenen James Garner in der Hauptrolle weiß die Menschheit, dass auch der Selbstständigste irgendwann einmal Hilfe benötigt - manchmal nur kurzfristig, dann vielleicht immer öfter. Das ist eben mal so, vor allem wenn man älter wird und in seinem sozialen Umfeld nicht die immerwährende Hilfe der Familie erhalten kann, wie es insbesondere auf den Dörfern früher durch die Großfamilie garantiert war.

Die Zeiten haben sich geändert. Das weiß man nun hinlänglich. Vielleicht weil man das wissen sollte, waren die Veranstalter, alles Mitglieder der Initiative „Wetter ist uns wichtig“, ein bisschen enttäuscht über die Resonanz. Doch 30 Bürger sind ein Anfang, sogar ein sehr guter. Denn es gilt immer noch Hemmschwellen zu überwinden. Die einen haben Angst, dass ihnen die ganze Freizeit genommen werden könnte, weil sie als engagierter Helfer nie nein sagen können, die anderen wollen niemandem zur Last fallen.

Dabei, und das stellte Ernst Boltner von der Planungsgruppe Bürgerhilfeverein deutlich heraus, kann jeder Mensch zum Erfolg der Bürgerhilfe beitragen. Denn jeder hat auch etwas zu geben, jeder kann etwas nehmen. „Ältere Menschen verfügen über Lebenserfahrung, können ihr Wissen einbringen.“ Martina Berghemer von der Altenhilfeplanung des Landkreises Marburg-Biedenkopf stellte eindrucksvoll heraus, dass Menschen im dritten Lebensabschnitt mal mindestens zwischen 65 und 80 ausschließlich vom Gefühl geleitet werden, sich in einer Gemeinschaft einbringen zu wollen. „Auch Menschen, die Hilfe benötigen, können Hilfe geben, etwa mal ein Päckchen für den Nachbarn annehmen“, so Berkhemer. Es gehe darum, dem Strukturwandel, der viele Menschen in die Isolation treibt, aktiv mit Lösungen entgegenzutreten. Der Rückgang ärztlicher Versorgung vor Ort, mangelnde Mobilität, weniger Treffpunkte wie Dorfläden und Kneipen und der Wegzug junger Familienmitglieder stellen ältere Menschen vor Problemen. Nicht 24 Stunden am Tag, aber vielleicht beim Abnehmen der Gardinen, die gewaschen werden müssen, vielleicht beim Austausch der Glühbirne, beim Bewegen der schwarzen Figuren beim Schachspiel.

Landrätin lobthohes Engagement

Landrätin Kirsten Fründt, die bereits eine vierte Aktion der Initiative „Wetter ist uns wichtig“ besuchte, sprach den Bürgern Mut zu und versicherte ihnen, dass sie mit ihrem Anliegen auf dem richtigen Weg für eine gute Zukunft in einer gut funktionierenden Gemeinschaft sind; und sie versprach, wann immer gewünscht, fachliche Hilfe. Auch Bürgermeister Kai-Uwe Spanka zeigte sich zuversichtlich, dass noch viel mehr Menschen in Wetter erkennen werden, welchen hohen Stellenwert der Bürgerhilfeverein für Wetter und seine Stadtteile zwangsläufig einnehmen wird. Es geht um Gemeinschaft und es geht um das individuelle Leben, das möglichst lange in den eigenen vier Wänden stattfinden soll. Zum gegenwärtigen Stand sei es wichtig, die Idee des Bürgervereins mehr unter die Mitbürger zu bringen. Wolfgang Engelhardt, Ingrid Gärtner, Angela Böhme und Dr. Ulrich Freitag ließen dann den Besuchern Freiraum, ihre Bedürfnisse und Angebote auf Karten schriftlich zu fixieren.

Diese so erzielten Ergebnisse dienen dazu, die ersten Entscheidungen zu treffen, was schwerpunktmäßig angeboten werden kann und muss. Dabei ging es beispielsweise um Haustierbetreuung, Einkaufshilfe, Besuchsdienste und Krisenbegleitung. Dr. Freitag stellte dann noch einmal die angedachte Bürgerhilfe unter dem Motto „Gemeinsamkeiten finden, Zusammenhalt stärken“ vor. Er stellte dabei auch klar, dass ein Bürgerhilfeverein für niemanden eine Konkurrenz darstellt. Es geht um kurzzeitige Hilfe, aber auch um Begleitung, etwa bei Arztbesuchen. Alles ist darauf ausgerichtet, dass Menschen möglichst lange in ihrer gewohnten Umgebung leben und Teil der Gemeinschaft sein können.

Die Vereinsgründung soll am 16. April, ab 19.30 Uhr, wohl auch wieder im Bürgerhaus der Stadthalle stattfinden.

von Götz Schaub

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