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Erinnern an der Wetschaftsbrücke

Wetter Erinnern an der Wetschaftsbrücke

Da gab es keinen Zweifel: Das Stadtparlament Wetter war sich über alle Fraktionsgrenzen hinweg einig, nach wem sie einen Weg und eine Brücke in der Innenstadt benennen wollen.

Wetter. Der neue Fußweg entlang der Wetschaft soll künftig Inge-Buchheim-Weg heißen, die neue Fußgänger-Brücke über die Wetschaft hin zu den Einkaufsmärkten am Untertor erhält den Namen Daniel-und-Adam-Wagner-Brücke. Zur Benennung und Einweihung wird es Ende August einen Festakt geben. Eingebracht hatte die Linke den Antrag, die SPD war ihm beigetreten und alle anderen stimmten zu. Und würdigten damit auch die akribische Arbeit des Wetteraner Geschichtsvereins.

Wer aber waren Inge Buchheim, Daniel und Adam Wagner? Inge Buchheim (geboren 1929) war während der Naziherrschaft das jüngste Mitglied der Jüdischen Gemeinde Wetter. Sie wurde am 9. Dezember 1941 im Alter von zwölf Jahren ins Ghetto Riga deportiert. Ihre Spur verliert sich im Konzentrationslager Stutthof, wo auch ihre Mutter ermordet wurde. Ihr Vater wurde im KZ Dachau getötet.

Johann Daniel Wagner (geboren 1884) war Landwirt in Wetter. Zusammen mit seinem Sohn Johann Adam Wagner (geboren 1908) bewies er bei einer Begebenheit im Jahr 1933, die der Geschichtsverein recherchiert hat, Zivilcourage und weigerte sich, auf Geheiß von SS- und SA-Männern aus Marburg, Cölbe und Wetter, den von den Nazis durch die Stadt getriebenen jüdischen Bürger Alfred Stern mit seinem beladenen Fuhrwerk zu überfahren.

Mit der Peitsche gedroht

Vermutlich am 30. August 1933 hatten die Nazi-Schergen den 1907 geborenen Alfred Stern bloßgestellt, erniedrigt und unter Schlägen durch die Stadt geführt, weil sie ihn beschuldigten, ein „Christenmädchen entehrt zu haben“.

Adam Wagner weigerte sich dem Bericht nach aber empört, der Aufforderung der SS- und SA-Männer nachzukommen und drohte ihnen mit der Peitsche. Nachzulesen ist dies laut dem Antrag der Linken im Arbeitspapier des Wetteraner Geschichtsvereins von Kay-Hubert Weiß („Der Fall Alfred Stern“).

Während die Benennung des Weges nach Inge Buchheim dem Zweck dient, die Erinnerung an die Opfer des Holocaust stellvertretend durch diesen Namen wachzuhalten und „das verübte Unrecht des NS-Regimes nicht in Vergessenheit geraten zu lassen“, steht hinter der Benennung der Brücke die Würdigung mutigen Verhaltens. Es soll mahnen, „dass Zivilcourage gegen Gewaltherrschaft notwendig ist und bereits kleine Akte der moralischen Stärke den Widerstand gegen Gewaltherrschaft ermöglichen“, so heißt es im Antrag der Linken weiter.

„Wir können diese grausame Vergangenheit nicht rückgängig machen“, sagte Arnold Radke von der Linken im Stadtparlament. „Aber wir können an die jüdischen Mitbürger erinnern und ein deutliches Zeichen setzen, dass hier kein Platz für rechtes Gedankengut ist.“ Die anderen Fraktionen und Bürgermeister Kai-Uwe Spanka (parteilos) schlossen sich dem an, lobten den Antrag, vor allem aber die Arbeit des Wetteraner Geschichtsvereins, die dahinter steht.

Informationen über die Arbeit des Geschichtsvereins Wetter gibt es im Internet unter: www.stadtgeschichte-wetter-hessen.de

von Michael Agricola

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