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Entschärfung an Wetschaft und Treisbach

Hochwasser Entschärfung an Wetschaft und Treisbach

Hochwasser, das mussten wir in diesem Jahr in Deutschland schmerzlich lernen, ist kein jahreszeitabhängiges Vorkommnis, sondern kann durch ungünstige Wetterlagen praktisch jederzeit und völlig unerwartet auftreten.

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Vollgelaufene Keller, die Feuerwehr muss beim Abpumpen helfen – eine Situation, die in Wetters Kernstadt nach heftigen Regenfällen öfters eintritt.

Quelle: Nadine Weigel

Münchhausen. Die Erfahrung hat gelehrt: Wenn es mal ausgiebig regnet, werden flugs auch sonst kleine romantisch dahinfließende Bächlein zu einem unkalkulierbaren Risiko für Anrainer. Die Bewohner der Kernstadt Wetter wissen nur zu gut, was es bedeutet, wenn ein paar Tage Regen auf der Agenda stehen: Sandsäcke stapeln, Keller ausräumen und hoffen, dass es gut geht. Die in der Einsatzchronik festgehaltenen Hochwassereinsätze der örtlichen Feuerwehr belegen, dass oft genug noch Keller voll laufen und ausgepumpt werden müssen.

Nun steht im Wasserverband Wetschaft, der aus den Kommunen Wetter, Münchhausen und Lahntal besteht, die Fortsetzung eines Projektes an, das zum Ziel hat, durch den Bau von weiteren Hochwasserrückhaltebecken an Wetschaft und Treisbach insbesondere die Hochwassergefahr in Wetters Innenstadt abzuschwächen.

Das klingt zunächst sehr gut, doch wenn man die ganze Geschichte dazu kennt, ist ein ungläubiges Kopfschütteln noch die geringste Reaktion auf diese jetzt aktuell vorgeschlagene Lösung. Seit 2000 beschäftigt sich der Verband mit dem Thema Hochwasserschutz an Treisbach und Wetschaft.

In enger Abstimmung mit dem Regierungspräsidium Gießen und eines vom RP vorgeschlagenen Ingenieurbüros wurden in einem extra gebildeten Arbeitskreis die Planungsarbeiten vorangetrieben.

Plötzlich wird aus Planung ein unkalkulierbares Risiko

Im Februar 2010 wurde schließlich der Antrag auf Planfeststellung beim RP eingereicht. Danach ging viel Zeit ins Land. Erst mehr als zwei Jahre später, nämlich am 5. Juli 2012, nimmt das RP Stellung und überrascht mit einer neuen Empfehlung. Danach sollen die Planungen, überströmbare Dammbereiche für die Hochwasserrückhaltebecken zu realisieren wieder aufgegeben werden, „weil nach Auffassung der Genehmigungsbehörde der Bau überströmbarer Dämme ein nicht kalkulierbares Risiko bedeuten würde“, führt Münchhausens Bürgermeister Peter Funk aus. Und weiter: „Insbesondere durch diese Feststellung kann eine Realisierung überströmbarer Dämme seitens des Verbandes aus Haftungsgründen nicht weiterverfolgt werden.“ Eine solche Feststellung nach zwölfjähriger Planungszeit, an der das RP immer beteiligt war, verwundere doch sehr. Immerhin haben die drei Kommunen für den Hochwasserschutz schon knapp 650 000 Euro aufgewandt. Mittlerweile gibt es konkrete Zahlen zur vom RP geforderten Umplanung auf die Errichtung von drei Hochwasserrückhaltebecken in traditioneller Bauweise. Diese Umplanung schlägt mit 431000 Euro zu Buche.

„Sofern der Auftrag über diese Summe an das Ingenierbüro erteilt wird, müssen nach Abzug vorhandener Mittel in Höhe von 100 000 Euro weitere 331 000 Euro vom Verband bereitgestellt werden“, sagt Funk. Der Anteil, den die Gemeinde Münchhausen aufbringen muss, beträgt dann 98700 Euro. Geld, das im Haushalt 2013 natürlich nicht veranschlagt ist. In einer vorbereitenden Sitzung des Wasserverbandes im August, zu der auch alle Fraktionsvorsitzenden aus den drei Parlamenten geladen wurden, wurde die neue Situation bereits erläutert. Sie mündet nun in neue Beschlussvorschläge für die drei betroffenen Parlamente.

In Münchhausen beschäftigen sich die Parlamentarier bereits heute Abend damit. Grundsätzlich gilt, dass das Vorhaben nicht aufgegeben werden soll, weil nur der Bau von den drei geplanten Hochwasserrückhaltebecken eine Entspannung für die unteren Anrainer bringt. Dabei soll jede Möglichkeit ausgeschöpft werden, dass der Verband einen Zuschuss in Höhe von 80 Prozent erhält, auch auf die inzwischen verwirkten Planungskosten.

Somit sollen die Aufträge nach dem Nachtragsangebot vergeben werden und die erforderlichen Haushaltsmittel über die Kommunen Wetter, Münchhausen und Lahntal bereitgestellt werden.

Münchhausen entscheidet wie bereits erwähnt zunächst einmal über 98700 Euro. Wetter muss den Planungen zufolge 214000 Euro hinlegen, Lahntal 18700 Euro.

Das Parlament Münchhausen tagt heute Abend ab 20 Uhr im Bürgerhaus Münchhausen.

von Götz Schaub

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