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"Endlich gibt es wieder ein Milchlädchen in Amönau"

Automatischer Hofladen "Endlich gibt es wieder ein Milchlädchen in Amönau"

Die Milch kommt auf dem Lindenhof in Amönau jetzt aus einem aluminiumfarbenen Automaten - rund um die Uhr, sieben Tage die Woche, ganz unkompliziert.

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Harald und Silke Fett haben am Samstag einen Hofladen mit zwei „Frische-Automaten“ auf dem Lindenhof in Amönau eröffnet.

Quelle: Michael Hoffsteter

Amönau. Einen Euro in den Münzschlitz einwerfen und das Türchen öffnen, hinter dem sich die Zapfanlage befindet. Eine Flasche unter den Hahn halten und auf Knopfdruck kann es losgehen. „Die Flasche etwas schräg halten“, rät Harald Fett. „Und keine Angst, der Automat stoppt automatisch nach einem Liter“, beruhigt er, weil die Milch fast bis zum Rand in die Glasflasche läuft.

Wer keinen eigenen Behälter mitgebracht hat, kann sich an dem zweiten Automaten in dem drei mal drei Meter großen Häuschen eine Mehrwegglasflasche ziehen. Einem spontanen Entschluss beim Vorbeifahren noch einen Liter Milch mitzunehmen, steht also nichts im Weg. „Das begünstigt natürlich auch die Lage hier direkt an der Straße“, erklärt Fett.

Einbruch des Milchpreises gibt den Ausschlag

Evelyn Berthel aus Wetter kam am Montagmorgen extra vorbei. „Meine Schwiegertochter hat mir am Samstag einen Liter mitgebracht. Ich habe schon so lange keine Rohmilch getrunken, da werden Kindheitserinnerungen wach“, erklärt Berthel. „Geschmacklich ist das gar nicht zu vergleichen mit der aus dem Laden. Das ist der Hammer.“ Ähnlich wie Berthel reagierte auch ein anderer Passant, erzählt Harald Fett: „Der hat kurz angehalten und rübergerufen: Endlich gibt es wieder ein Milchlädchen in Amönau.“

Im zweiten Automat werden auch die Eier vom Hof angeboten. Außerdem gibt es Eiernudeln und Dinkel-Müsli in den Geschmacksrichtungen Früchte und Schoko von einem Lieferanten für Hofläden.

Den Entschluss, den automatischen Hofladen aufzubauen, fasste Familie Fett im September. „Relativ spontan, das sind immer die besten Sachen“, erklärt Fett. Nach dem Wegfall der Milchquote im Frühjahr und aufgrund des Überangebots ist der Milchpreis für die Landwirte eingebrochen. Aktuell zahlen die Molkereien nur 27 bis 30 Cent pro Liter. Damit es sich lohnt, bräuchten Milchbauern mindestens 40 Cent. „Deshalb wollten wir uns ein zweites Standbein aufbauen“, erklärt Harald Fett. Der Familienbetrieb läuft mittlerweile schon in der dritten Generation. „Das geht aber auch nur, weil unsere drei Kinder täglich mithelfen. Ohne sie wären wir aufgeschmissen“, betont Silke Fett. Zum Beispiel ziert die zwanzigjährige Tochter Annalena in traditioneller Tracht auch die Flyer und ein Hinweisschild auf das neue Angebot.

Erste Resonanz ist durchweg positiv

Für den Hofladen hat die Familie die Hühnerherde auf 120 Tiere aufgestockt. Die Tiere halten Fetts in Bodenhaltung. Damit waren allerhand Genehmigungen und Auflagen wie eine Packstellennummer verbunden. „Es gab Tage, an denen habe ich morgens von zehn bis halb zwölf nur telefoniert“, was ungewöhnlich für seinen Tagesablauf ist, erklärt Harald Fett. Die Milch kommt von den 70 Milchkühen, die an 160 bis 180 Tagen im Jahr auf die Weide kommen. Als Futter bekommen die Tiere auf dem Lindenhof hauptsächlich das, was die Familie auf 90 Hektar Land anbaut. „Alles gentechnikfrei, seit 15 Jahren. Wir legen großen Wert darauf, dass unsere Produkte gut und gesund sind“, sagt Silke Fett. Anders als bei vielen anderen Landwirten gibt es auf dem Lindenhof noch Futterrüben für die Tiere. „Das wirkt sich gut auf die Tiergesundheit aus, wie der Apfel für den Menschen“, vergleicht Harald Fett.

Der automatische Hofladen kommt auch dem Zeitbudget der Familie entgegen. „Wir könnten nicht viel zusätzlich arbeiten“, sagt Silke Fett. Etwa anderthalb bis zwei Stunden Arbeit fallen am Tag an, schätzt sie.

Die Resonanz nach den ersten Tagen sei durchweg positiv. Harald Fett denkt bereits an die Erweiterung: „Wir ziehen ja auch unsere Bullenkälber groß und haben ein paar Schweine, bisher nur für den Eigenbedarf.“ Mit Wurst könnte man das Sortiment weiter ausbauen. „Dann kommen eben noch ein bis zwei Automaten dazu. Eventuell auch einer für Coffee to go.“

von Philipp Lauer

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