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Eltern kämpfen für den Erhalt

Kita-Transfer Eltern kämpfen für den Erhalt

Mit dem Bus zur Kita – gebührenfrei und inklusive Betreuung. Eltern aus Oberndorf, Amönau und Warzenbach wollen für den Transport ihrer Kinder zur Kita Treisbach weiterhin in den Genuss dieses Angebots kommen.

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Ab ins Auto und los zur Kita, so wie auf unserem Themenfoto. Eltern aus drei Wetteraner Ortsteilen wünschen sich einen weiterhin kostenlosen Bustransfer, damit ihnen dies erspart bleibt.

Quelle: Archivfoto

Warzenbach. Doch nun steht dieser Service, der in den drei Ortsteilen der Stadt Wetter seit Jahrzehnten Bestand hatte, womöglich auf der Kippe. „Im Moment fährt der Bus doch“, beschwichtigte Bürgermeister Kai-Uwe Spanka am Dienstagabend im Bürgerhaus Warzenbach besorgte Eltern. Diese waren zur Sitzung der Stadtverordneten gekommen, um sich Gehör zu verschaffen – im Gepäck eine Liste mit geschätzt 500 Unterschriften, die sie zur Bekräftigung ihres Anliegens in den
betroffenen Dörfern gesammelt haben.

Vor den Stadtverordneten bekamen die Elternvertreter kein Rederecht, doch bezog Spanka zum Sachverhalt Stellung. Demnächst werde eine Kommission eingerichtet, zeitnah terminiert durch den Magistrat, die sich mit der Problematik des Bustransfers zur Kita Treisbach befassen solle. Die Kommission werde paritätisch besetzt mit Vertretern der Fraktionen sowie Eltern und Kindergartenpersonal, erklärte Stadtverordnetenvorsteher Nils Jansen den Elternvertretern im Anschluss an die Sitzung.

Transfer wird in den Elternbeiräten diskutiert

Doch wo liegt eigentlich das Problem, wo es doch seit Jahren ein funktionstüchtiges System gibt? Die Kinder steigen in Oberndorf, Amönau und Warzenbach in den Linienbus ein, der sie nach Treisbach mitnimmt – nach Kindergartenschluss kommen sie so auch wieder heim. Begleitet und betreut werden die 34 Jungen und Mädchen dabei von einer Erzieherin, die der Kindergarten Treisbach für den Transfer abstellt. Über diese Vorgehens­weise wird seit dem vergangenen Jahr diskutiert – seit einem Zwischenfall sorgte die überwiegend bewährte Vorgehensweise für Irritationen.

Ein Kind war in Amönau aus dem Bus gestiegen und von diesem Zeitpunkt an ohne Betreuung, da die Eltern es dort nicht abholten. „Den Erzieherinnen war diese Sache zu heiß – und auch die Unfallkasse hat gesagt, wir sollen die Finger davon lassen. Jetzt wird das Thema in den Elternbeiräten diskutiert“, sagte Spanka gegenüber der OP zum Hintergrund.

Die Stadt suche nun schon seit einiger Zeit und bislang ohne Erfolg eine Betreuungskraft, die über das Modell einer geringfügigen Beschäftigung mit den Kindern im Bus mitfährt, erklärte der Bürgermeister. „Es ist schwierig, jemand geeignetes zu finden.“

„Ergebnis ist, dass jeder einzeln sein Kind fährt“

In die Diskussion über die Zukunft des Kindergartentransfers flössen inzwischen zwei Aspekte ein, die nicht miteinander vermischt werden sollten, erklärte Bettina Potokar der OP. Die Treisbacherin ist Mitglied im Elternbeirat der dortigen Kita. „Es geht ja nicht nur um die rechtliche Frage, wie die Betreuung geregelt wird, sondern auch ums Geld.“ Das Land komme für den Bustransfer und die Betreuung auf der Fahrt schon seit dem vergangenen Jahr nicht mehr auf. Mit dem Ergebnis, dass der Transport seit Sommer 2015 in den Schulferien eingestellt worden sei und die Eltern die Kinder selbst zur Kita bringen mussten, berichtet Potokar.

„Mehr oder minder erfolgreich“, sagt sie, denn unter anderem aufgrund von Haftungs- und Versicherungsfragen kämen kaum Fahrgemeinschaften zustande. „Das Ergebnis ist, dass jeder einzeln sein Kind nach Treisbach fährt.“ Das sei auch aus Gründen des Umweltschutzes ein fragwürdiges Vorgehen, befinden die Eltern.

Kosten, Versicherungs- und Haftungsfragen

Selbst, wenn die Stadt in Zukunft Geld sparen könne, indem sie die Betreuung im Bus einer geringfügig beschäftigten Person anvertraut, so sei auch dann noch unklar, wie Versicherungs- und Haftungsfragen geregelt werden könnten, hebt die Treisbacherin hervor. Dies zum einen Aspekt der Angelegenheit. Zu den Transportkosten betont Potokar, dass diese nicht den Eltern aufgebürdet werden dürften. Sie müssten ohnehin schon viele Umstände in Kauf nehmen, etwa, wenn die Kinder einer Familie in verschiedenen Kitas innerhalb des Stadtgebiets untergebracht würden, was für die Eltern teils erheblichen Aufwand verursache.

Zum Transfer mit dem Linien­bus habe man bereits eine Alternative geprüft, informierte Potokar. „Beim Transport mit einem angemieteten Bus würden etwa 40 Euro pro Kind und Monat anfallen – Kosten, die die Eltern nicht übernehmen wollen.“

Für Kai-Uwe Spanka war am Dienstagabend klar, dass man die Diskussion in der neuen Kommission nicht vorgreifen könne. So werden Stadtpolitiker, Kindergartenpersonal und Eltern in der nächsten Zeit gemeinsam darüber verhandeln müssen, wer für die Fahrkosten der Kinder zuständig ist – und vor allem, wie die Jungen und Mädchen sicher und wohlbehalten zum Kindergarten und wieder nach Hause kommen, wenn Väter und Mütter sie nicht selbst fahren wollen oder können.

von Carina Becker

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