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Eltern hoffen auf einen Fortbestand

Spielplatz in Bürgeln Eltern hoffen auf einen Fortbestand

Bei einer Ortsbegehung informierte der Ortsbeirat Bürgeln über den für ihn völlig überraschenden Vorgang. Seit zwei Wochen werden schon Unterschriften für den Erhalt des Spielplatzes gesammelt.

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20 Teilnehmer kamen zu der Ortsbegehung des Spielplatzes „Am Bahnhof“, zu der Ortsvorsteher Jörg Block eingeladen hatte. Insbesonders Eltern mit Kleinkindern sind an der Erneuerung der Spielgeräte an diesem Standort interessiert.

Quelle: Manfred Schubert

Bürgeln. Für rund 5000 Euro hat der Bürgelner Hüttenverein neue Spielgeräte angeschafft, doch plötzlich heißt es vom Gemeindevorstand, der Spielplatz solle geschlossen werden. Der Einladung von Ortsvorsteher Jörg Block am vergangenen Samstag zur Ortsbegehung des etwa 700 Quadratmeter großen Spielplatzes in der Nähe des Bahnhofs waren 20 Menschen gefolgt, darunter Ortsbeiratsmitglieder und Eltern mit Kindern. Jedoch niemand vom Gemeindevorstand oder Bauhof, stellte er bedauernd fest, wobei Letzterer bei einem früheren Ortstermin im November unter anderem durch Geschäftsführer Willi Krannich vertreten gewesen sei.

Von den 1997 aufgestellten Spielgeräten ist mittlerweile nur noch ein Teil vorhanden beziehungsweise funktionsfähig. Auf mehrere Anträge des Ortsbeirates, die Spielgeräte wieder aufzustocken, habe, wie es Ortsbeiratsmitglied Gisela Heller ausdrückte, der Gemeindevorstand nie reagiert, auf Nachfrage hieß es, es sei kein Geld da. Von einer Streichung des Spielplatzes aus dem Haushalt sei allerdings auch nie die Rede gewesen.

5000 Euro für Spielgeräte

Der Hüttenverein Bürgeln, dessen Vorsitzende Heller ist, beschloss daher von seinem ehrenamtlich erwirtschafteten Geld für 5000 Euro Spielgeräte zu kaufen, um den Platz am Bahnhof für kleinere Kinder zu erhalten. Vor der Bestellung, berichtete Block, habe der zuständige Sachbearbeiter der Gemeindeverwaltung gesagt, es sei in Ordnung, wenn der Hüttenverein die Geräte anschaffe. Zusätzlich habe der Ortsbeirat eine Bank bestellt. Diese, eine Doppelschaukel, eine Nestschaukel, ein Wackelsteg und Federbalken, alles langlebige TÜV-geprüfte Geräte mit Metallpfosten vom selben Hersteller, bei dem auch die Gemeinde kauft, wurden 2014 an den Bauhof geliefert. Dieser hatte im Oktober einen Kostenvoranschlag für die Landschaftsarbeiten und den Aufbau der Spielgeräte in Höhe von 5700 Euro gemacht.

Mitte Januar teilte der Gemeindevorstand überraschend mit, dass der Spielplatz am Bahnhof umgewidmet und einer neuen Bestimmung zugeordnet werden solle und man Flächen für einen neuen Standort vorschlagen solle. Bei der zurückliegenden Ortsbeiratssitzung habe Bürgermeister Volker Carle zudem die Meinung vertreten, dass Bürgeln, verglichen mit anderen Ortsteilen, über große Spielplatzflächen verfüge. Der Hüttenverein habe die Geräte grundsätzlich für diesen, auch für kleinere Kinder geeigneten Spielplatz angeschafft, auch der Ortsbeirat sei ursprünglich einstimmig für diesen Standort gewesen, lediglich nach der Sitzung mit dem Bürgermeister sei ein Mitglied umgeschwenkt.

Eine Mutter unterstrich, dass ein Riesenvorteil des Spielplatzes am Bahnhof sei, dass dieser im Sommer Schatten biete, im Gegensatz zu dem am Höhenweg, und man vom Kindergarten aus besser zu diesem laufen könne als zum Höhenweg.

Hüttenverein könnte Geld beisteuern

Heller berichtete, mündlich sei ihr gesagt worden, nachdem vor einigen Jahren der Verkauf von zwei Bauplätzen durch den Erhalt des kompletten Spielplatzes am Höhenweg durch die Bürgelner verhindert worden sei, könnten sie nun nicht so unverschämt sein, auch noch diese Fläche behalten zu wollen.

Sie fügte an, dass der Hüttenverein im Moment noch etwa 2500 Euro für den Geräteaufbau zuschießen könne, am Ende der Saison noch mehr aus den neuen Einnahmen. „Das wäre ein Nullsummenspiel für die Gemeinde“, erklärte Volker Hellriegel, Schriftführer des Hüttenvereins. Zudem wären Eltern bereit, mitzuhelfen, was einige der Anwesenden sofort bestätigten. Eine Unterschriftenaktion für den Erhalt des Spielplatzes ist bereits angelaufen, nach zwei Wochen haben schon 80 Menschen unterzeichnet.

„Ich bin erstaunt, dass die Gemeinde ein solches Geschenk nicht annehmen will“, sagte Ortsvorsteher Block. Am vergangenen Dienstag fasste der Ortsbeirat einstimmig den Beschluss, dass man den Spielplatz am Bahnhof erhalten möchte und die vom Hüttenverein gekauften Geräte dort aufgestellt werden sollen, zumal er auch noch Geld für die Aufstellung bereitstellen will und Eltern ihre Hilfe zugesagt haben.

Bürgermeister setzt auf Verständnis für Entscheidung

Cölbes Bürgermeister Volker Carle sagt dazu: „Natürlich freue ich mich über das Engagement des Hüttenvereins, und natürlich wollen wir die Geräte auch gerne aufstellen. Doch der Gemeindevorstand und ich sind zu der Entscheidung gekommen, dass der Platz am Bahnhof nicht besonders reizvoll ist und der Pflegeaufwand eingespart werden sollte. Wir haben in Bürgeln in unmittelbarer Nähe zum Neubaugebiet einen 3900 Quadratmeter großen wirklich bombastischen Spielplatz, den Bürgeln auch so haben wollte.“

Gerne hätte er mit den Eltern vor Ort gesprochen, doch sei die Einladung zum Termin zu kurzfristig gekommen, zum Zeitpunkt der Ortsbegehung war er beim Partnerschaftstreffen in Polen. Carle erinnert auch daran, dass der Spielplatz am Kindergarten außerhalb der Öffnungszeiten auch für kleine Kinder zur Verfügung stehe. „Bürgeln ist jetzt auch nicht so groß, als dass man den Spielplatz am Höhenweg nicht in einer akzeptablen Zeit erreichen könnte“, so der Bürgermeister. Er wolle keinesfalls die Bedürfnisse von Kindern gegeneinander ausspielen, doch merkt er an, dass in den großen Ortsteilen Schönstadt und Cölbe jeweils alle Spielplätze zusammengenommen je 2000 Quadratmeter weniger Fläche bieten. „Bei so einer Abweichung darf man auch mal für Verständnis für unsere Entscheidung bitten.“

von Manfred Schubert und Götz Schaub

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