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Eisenbahnromantik im Stundentakt

Bahnstrecke eingeweiht Eisenbahnromantik im Stundentakt

Die Kurhessenbahn feiert drei Tage lang die Reaktivierung der Edertalbahn, die nun wieder Pendler zur Arbeit oder Ausbildungsstätte und Touristen in die Region bringen soll.

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Die Diesellok V65 ist eines der seltenen Modelle, die am Wochenende zur Reaktivierung der Edertalbahn fuhren.

Quelle: Koelschtzky

Wetter/Münchhausen/Frankenberg. Kameras werden gezückt, Trittleitern und Stühle in Position gebracht, um die nächste Rarität auf der Strecke nicht zu verpassen: Eine Diesellok V65 mit Schiffsdieselmotor. „Das ist ein ganz seltenes Modell, die gab es fast nur auf dieser Strecke“, berichtet Alex Witzke von der Kurhessenbahn, der alles für die Eisenbahnfans vorbereitet hat. Seit Freitagabend heißt es im Nordkreis wieder freie Fahrt bis Brilon und von dort in das Ruhrgebiet oder nach Kassel: Nach fast 30 Jahren Stilllegung ist die Edertalbahn von Frankenberg nach Korbach wiedereröffnet worden.

Fahrgäste, Streckenanwohner und die Bahn feierten drei Tage lang. Historische Züge lockten Hunderte von Eisenbahnfans aus ganz Deutschland, aber auch aus Großbritannien, Norwegen, Schweden oder Holland an die Strecke.

Einmaliges Projekt für 30 Millionen Euro

Groß gefeiert wurde auch in den Bahnhöfen Frankenberg und Korbach. Im Rahmenprogramm gab es neben Live-Musik, Aktionen für Kinder auch einen „Männerspielplatz“ des Technischen Hilfswerks, wo große und kleinere Männer Bagger oder Gabelstapler fahren, Holz sägen oder einen Eimer Wasser über ein Wippe fahren konnten.

Aber die Hauptattraktion war natürlich die neue, alte Strecke. „Eine Strecke reaktivieren, das tut man wohl nur einmal im Leben“, sagt Kurhessenbahn-Chef Joachim Kuhn. 20 Millionen Euro hat die Wiederherstellung gekostet. Die Bahnhöfe, Haltepunkte, Park-and-Ride-Parkplätze und Bahnübergänge sind für weitere 10 Millionen modernisiert worden.

„Zum Glück gibt es einen Wandel in der Gesellschaft und auch in der Politik, dass der Öffentliche Personennahverkehr unverzichtbar ist und zur Daseinsvorsorge gehört“, sagt Kuhn. Für die Region sei die neue Strecke ein ungeheurer Gewinn, glaubt er. „Pendler kommen nicht nur problemlos ins Rhein-Main-­Gebiet, Studierende aus dem Waldecker Land können nun mit dem Semesterticket jede hessische Universität erreichen.“

In Wetter warteten Margot und Alfred Hemer schon am Morgen an den Gleisen auf die alten Züge. „Wir sind immer Bahn gefahren, allein 40 Jahre lang zur Arbeit“, sagt Margot Hemer. „Wir finden es toll, dass es nun wieder die Verbindung nach Norden gibt.“ Münchhausens Bürgermeister Peter Funk hofft, dass mit der Wiederherstellung der Verbindung auch die Urlauber zurückkommen: „Früher waren die meisten Gäste hier aus dem Ruhrgebiet. Und wir sind auf ein Wiederaufleben des Tourismus vorbereitet.“ Auch für Berufspendler sei die Bahnstrecke ein Segen.

Im Stundentakt gab es in beiden Richtungen Eisenbahnromantik pur. Pulks von Fotografen warteten auf die Raritäten auf der Schiene. In einer Karte wurden gute Punkte für auswärtige Eisenbahnfotografen markiert. „Ein Super-Service für uns Eisenbahnfreunde“, freut sich Frank Rindfleisch aus Braunschweig.“ Hier können wir Fotos machen wie vor 40 oder 50 Jahren. Alles stimmt.“

„Die Kurhessenbahn hat ein gigantisches Programm zusammengestellt“, schwärmen Peter, Stefan und Lucia aus Gießen. „So viele historische Züge, und alle mit den passenden Wagen“, sagen die „Freunde der Diesellok 212“, einer deutschlandweiten Fangemeinde.

Jetzt hofft Kuhn, dass das neue Angebot auch wahrgenommen wird. Und dass die Autofahrer an den vielen unbeschrankten Bahnübergängen vorsichtig sind. „Sie müssen sich erst wieder dran gewöhnen, da fuhr ja 30 Jahre kein Zug“, sagt er.

von Martina Koelschtzky

  • Informationen zum Fahrplan auf der neuen Strecke und Auswirkungen gibt es im Internet auf www.korbach-frankenberg.de
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