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Einer, der „nicht ruhen mag und kann“

Verabschiedung von Dekan Voss Einer, der „nicht ruhen mag und kann“

Groß war die Anteilnahme, lang die Rednerliste beim Gottesdienst und anschließenden Empfang zur Verabschiedung von Dekan i.R. Dr. Karl-Ludwig Voss zum Ende seiner Vakanzvertretung in Wetter.

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Dekan i.R. Dr. Karl-Ludwig Voss (hinten dritter von links) sang bei der Kantorei der Stiftskirche mit; vorn sind Mitglieder des Kammerorchesters Lahn zu sehen. Links: Margareta und Karl-Ludwig Voss freuten sich über Pferdepflegeutensilien, die die Kitakinder als Geschenk überreichten.

Quelle: Manfred Schubert

Wetter. 370 Besucher nahmen am Sonntag am Kirchspielgottesdienst in der Stiftskirche teil, mit dem der Abschied vom Dekan „im Ruhestand“ Dr. Karl-Ludwig Voss gefeiert wurde. Eine gebührende Rolle nahm die musikalische Gestaltung ein, ist Voss doch als Texter und Komponist von Chorälen und Liedern sowie Übersetzer von schwedischen Kirchenliedern bekannt.

Der MGV Orpheus wirkte mit, Kantor Klaus-Jürgen Höfer an der Orgel und Oboistin Annette Himmelmann spielten die Fantasie f-moll von Johann Ludwig Krebs, der Posaunenchor Wetter-Todenhausen, das Kammerorchester Lahn und die Kantorei der Stiftskirche, in der Voss mitsingt, machten aus dem Gottesdienst ein hörenswertes Erlebnis. Natürlich sang die Gemeinde auch eines von Voss’ Liedern, „Die Schönheit ist dir eigen“, und ganz zum Schluss ein nachträgliches Ständchen zum 75. Geburtstag.

Predigt über die Wandlung von Wasser in Wein

Humorvoll leitete Voss seine Predigt zur Hochzeit von Kana ein. Zwar habe ihm ein Theologieprofessor abgeraten, über das „Luxuswunder“ der Verwandlung von Wasser in Wein, zu predigen, aber dass er den Rat nicht befolge, „das hören sie ja jetzt.“

Die Hochzeit sei ein Fest der Liebe und Freude, Jesus offenbare dabei seine Herrlichkeit, mit der er Leiden, Tod und Sünde überwinde. Es handle sich um einen hintergründigen, codierten Text, es gehe um Freude, die am Leben halte und im Leben trage. Es komme darauf an, durch einen Anstoß der Freude zur Gemeinschaft zusammenzufinden. „Jesus predigt kein Wasser, sondern Wein und teilt ihn mit uns, denn wir gehören zur Gemeinschaft der Festgäste. Es ist nicht nur das erste Wunder, sondern ein grundlegendes für unser christliches Leben“, betonte Voss. Ausführlich würdigte Dekan Hermann Köhler Voss’ Wirken in einem „langen und sehr aktiven Pfarrerleben“, dass, wie dieser ihm anvertraut habe, in der schönen Stiftskirche, nach der ersten Verabschiedung in den Ruhestand vor zehn Jahren, seinen Höhepunkt gefunden habe.

Ein Mensch mit vielen Talenten

Verschiedene Facetten habe Voss: ein heiterer, fröhlicher, stets zugewandter Mensch, aber auch ein ernsthafter, sehr strenger Kritiker; begnadeter Musiker, Dichter, Komponist, Chorleiter und Sänger, schon mit zwei Jahren habe er zur Taufe seines Bruders einen Choral von der Kanzel gesungen, sowie versierter Theologe und promovierter Kirchengeschichtler. Er sei Pferdeliebhaber mit Hang zum Ländlichen, aber auch weltgewandter Reisender; letztlich ein Christ, der mit seiner Glaubenshaltung in keine Schublade passe.

Köhler beschrieb die wichtigsten Lebensstationen von Voss. In Wetter hatte er in den vergangen neun Jahren immer wieder Vakanzvertretungen übernommen, seit 2009 als „richtiger“ Gemeindepfarrer die Pfarrstelle II. „Die Gemeinde Wetter war froh, Sie in nicht einfachen Zeiten als ‚Fels in der Brandung’ an ihrer Seite zu haben“, meinte Köhler.

Dies betätigte auch Pfarrer Dr. Matthias Franz, der neben einer Reihe anderer Redner beim anschließenden Empfang im Gemeindehaus sprach, zu dessen Beginn der Chor des Kindergartens sang. Neben Vertretern von Kirche und Gemeinde, bis zur Prälatin Marita Natt waren Verwandte und Freunde, sogar aus Schweden, gekommen. Franz dankte für Voss’ unermüdlichen und segensreichen Dienst. Vielen falle es schwer, sich die Kirchengemeinde Wetter ohne ihn vorzustellen. Jahrelang habe er auch die Geschäfte der Kita „Arche“ geführt, was insbesondere in Wetter eine mühsame Aufgabe sei. In musikalischen Dingen habe er Maßstäbe gesetzt.

Bei alledem habe Voss ehrenamtlich gearbeitet, der Landeskirche jahrelang ein volles Pfarrergehalt erspart. „Nicht viele Menschen hätten sich das angetan, Sie haben dabei, fast, immer lächeln können“, hob Franz hervor. Er habe die Zeit mit Voss als Kollegen auch persönlich genossen. „Wenn jeder von seinen guten Erfahrungen mit Ihnen erzählen würde, wären wir morgen noch nicht fertig“, meinte er und verlieh der Hoffnung Ausdruck, sich doch noch nicht verabschieden zu müssen: „Wir möchten Ihre Predigten weiter hören, Ihre Lieder mitsingen, Sie um Rat fragen und von ihrer Erfahrung profitieren.“

Propst Helmut Wöllenstein war sich da relativ sicher: „Ich mag und kann nicht ruhen, heißt es in einem Kirchenlied. Das wird wohl so bleiben, auch wenn wir einen zweiten Anlauf genommen haben, sie in den Ruhestand zu schicken.“

von Manfred Schubert

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