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Einen Sommer für die Mauersegler

Schönstädter Ehepaar im Stress Einen Sommer für die Mauersegler

Es war ein stressiger ­Sommer für Barbara und Christian Fiebiger: Sie päppelten 48 Mauersegler auf, die aus dem Nest gefallen waren.

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Eyla Hassenpflug half bei der Auswilderung.

Quelle: Privatfoto

Schönstadt. Die Hitze in diesem Sommer ist der Grund dafür, dass Barbara und Christian Fiebiger alle Hände voll zu tun hatten, junge Mauersegler aufzuziehen. „Bei den hohen Temperaturen versuchen die Vögel aus dem Nest zu kommen, um sich abzukühlen“, erzählt Christian Fiebiger. Mauersegler brüten meist unter Dachziegeln, und da wird es besonders heiß.

Wenn die Küken erst aus dem Nest gefallen sind, brauchen sie menschliche Hilfe, denn ihre Eltern füttern sie am Boden nicht weiter.

„Wir ziehen seit Jahrzehnten Jungvögel auf, die aus dem Nest gefallen sind“, erzählt Barbara Fiebiger. „Aber speziell Mauersegler.“ Und das ist gar nicht so einfach. Denn: Mauersegler ernähren sich ausschließlich von Insekten. Hinzu kommt, dass sie im Gegensatz zu anderen Jungvögeln nicht unbedingt mit aufgesperrtem Schnabel auf die Fütterung warten. „Da ist Fingerspitzengefühl gefragt“, erklärt Christian Fiebiger. „Man muss den Schnabel vorsichtig öffnen, denn er bricht leicht.“

Nahrung kam per Post

Richtig­ schwierig­ wird es, wenn das Mauersegler-Junge die Nahrung verweigert. Und auch das kommt vor. Vorsicht ist auch beim Gefieder angesagt: Da Mauersegler ihr Leben in der Luft verbringen, dort sogar schlafen und fressen, „müssen die Federn astrein sein“, so Christian Fiebiger.

Verfüttert werden unter anderem Heimchen oder Wachsraupen. Die Insekten bestellt das Ehepaar und erhält sie tiefgefroren. Als die beiden Tierfreunde in diesem Sommer 46 Jungtiere auf einen Schlag hatten, kamen sie aus dem Füttern gar nicht mehr heraus. „Wenn wir mit allen fertig waren, konnten wir wieder von vorn beginnen“, erzählen die beiden. „Manchmal waren wir mit den Nerven fertig“, gibt Christian Fiebiger zu. „Außerdem war es so ein schöner Sommer, und wir konnten nichts gemeinsam unternehmen, weil immer jemand da sein musste.“

Tja, und da gibt es noch einen Mitbewohner: Hündin Eika braucht ebenfalls Aufmerksamkeit und vor allem Auslauf.

Die Arbeit hat sich gelohnt

Andere Pflegestellen für Mauersegler hatten längst einen Aufnahmestopp, es ging nichts mehr. Und so machten die Schönstädter unermüdlich weiter. Die aufopferungsvolle Arbeit hat sich allerdings gelohnt. „36 Mauersegler konnten wir fliegen lassen“, sagt Barbara Fiebiger. Dazu begibt sich das Paar auf den Sportplatz. „Man muss die Hand ausstrecken und warten, dass der Vogel abhebt“, so die Schönstädterin. Es ist wichtig, dass die Freilassung auf einer großen Fläche erfolgt, denn manche kommen nicht hoch in die Luft.

„Die sammeln wir wieder ein“, sagt Barbara Fiebiger. Laufen können Mauersegler nicht und aus eigener Kraft kommen sie nicht in die Luft.

Bei sieben Vögeln war das der Fall. Die haben die Fiebigers nach Gießen in die Vogelklinik gebracht.

Sämtliche Mauersegler der beiden Schönstädter kamen aus dem Landkreis. Mittlerweile sind sie wieder im Süden. Die ersten ziehen bereits im August ab, bevor sie zum Brüten im Frühjahr wiederkommen.

Bei den Fiebigers sind nun ruhige Zeiten angebrochen, aber der nächste Frühling kommt bestimmt!

Hintergrund

Der Mauersegler gilt als Frühlingsbote. Ende April/Anfang Mai kommt der Langstreckenzieher südlich von der Sahara in nördliche Gefilde, um zu brüten. Nur zur Brut begibt sich der Mauersegler auf festen Boden. Die übrige Zeit seines Lebens verbringt er in der Luft, vermag sogar im Fliegen zu schlafen. Auch Nahrungssuche, Wasseraufnahme und sogar die Paarung werden „im Flug“ erledigt. Mit weit geöffnetem Schnabel fängt er Insekten aus der Luft, sammelt sie im Kehlsack, und verfüttert sie zu einem Ballen geformt an die hungrigen Jungen. Ab Mitte Juli, größtenteils Ende August, zieht der Mauersegler wieder nach Süden ab.

Quelle: Nabu

von Heike Horst

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