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Eine niedlich-friedliche Hausbesetzung

Hausrotschwänzchen Eine niedlich-friedliche Hausbesetzung

Da staunte Karl-Heinz Prisille nicht schlecht. Über Nacht waren zwei Mieter bei ihm in Reddehausen eingezogen. Geld zahlten sie nicht, dafür vermehrten sie sich zu einer fünfköpfigen Familie.

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Quelle: Tobias Hirsch

Reddehausen. Manchen Menschen steht es wohl irgendwo auf der Stirn geschrieben: „Hier wohnt ein besonders freundlicher Mensch mit Herz für Vögel“ – Ja, Karl-Heinz Prisille, aktiv in der Nabu-Ortsgruppe Reddehausen, hat ein Herz für Vögel. „Ich dachte, ich träume als ich an meinem Schreibtisch saß und ständig was knuspeln hörte.“ Da war es auch schon zu spät, zu reagieren.

Ein Hausrotschwänzchen-Paar hatte das schräg gestellte Fenster im Obergeschoss genutzt, sich für den Nachwuchs ein besonders katzensicheres Nest zu bauen. Nämlich im Büro auf einer Wanduhr. „Die beiden ließen sich von mir nicht stören und ich ließ mich auch von ihnen nicht stören“, sagt Prisille. Und so entstand im Büro eine Art Zweck-WG. Jeder ließ dem anderen den Platz, den er brauchte.

„Zwischen April und Juni haben Hausrotschwänzchen zwei Bruten mit bis zu fünf Eiern. Hier waren es nur drei.“ Die drei waren dafür top gesichert, denn in Prisilles Arbeitszimmer verirrt sich keine Katze, und klassische Nesträuber passen nicht durchs schräg gestellte Fenster. So gelang nicht nur die Brut erfolgreich, die Jungen verbrachten auch eine sorgenlose erste Lebenszeit, bis es diese Woche so weit war, selbst die Flügel zu benutzen und das Nest zu verlassen. Die ersten Flugstunden fanden natürlich im Büro statt. Auf einem Schrank steht eine alte kleine Baumwurzel, die immer wieder gerne angeflogen wurde.

Dann schließlich wurden die drei Jungen geschickt von ihren Eltern in die große weite Welt hinter der Fensterscheibe gelockt. Jetzt sieht Prisille seine Schützlinge ab und an in seinem Garten umherfliegen und freut sich, so tolle Untermieter gehabt zu haben, die erstaunlicherweise, von wenigen „Klecksen“ abgesehen, so gut wie keinen Dreck im Büro hinterlassen haben.

Hintergrund:

Hausrotschwänzchen sind in der Wahl ihrer „Quartiere“ sehr kreativ. Sie nutzen unter anderem Mauernischen, Holzstapel, Zeitungskästen oder kleine Hohlräume unter den Dachziegeln. Die kleinen Kerlchen passen sich leicht an bei einem Durchschnittsgewicht von gerade mal 15 Gramm. Sie sind absolute Frühaufsteher, gehören immer zu den ersten Zwitscherern am Morgen. Den Winter über lassen es sich die Hausrotschwänzchen im Mittelmeer-Raum gut gehen.

von Götz Schaub

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