Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -1 ° wolkig

Navigation:
Eine Chance für die Alte Kirche Bürgeln

Zukunftsideen Eine Chance für die Alte Kirche Bürgeln

Die Alte Kirche ist ein beliebter Kulturort. Doch wie lange noch? Kulturvereinschef Dr. KurtBunke setzt auf ein Stiftungsmodell zum Erhalt des Bürgelner Kleinods.

Voriger Artikel
Seit Tagen ohne Telefon und Internet
Nächster Artikel
„Wasser marsch!“ gegen die Hitze

Um die Zukunft der Alten Kirche in Bürgeln geht es am Montag im Gemeindeparlament.Foto: Michael Agricola

Bürgeln. Am Montag treffen sich die Cölber Gemeindevertreter zu ihrer öffentlichen Sitzung in Bürgeln. Und Bunke will dort einen - mit dem Gemeindevorstand abgestimmten - Vorschlag machen, wie die Zukunft dieses Hauses, aber vielleicht auch anderer in der Gemeinde, gesichert werden könnten.

Diskutiert wird die Zukunft der Alten Kirche schon seit Jahren, zuletzt war geprüft worden, ob die Gemeinde das historische Gemäuer übernehmen kann und will. Die klare Antwort lautete: Nein.

Das Gebäude gehört dem Förderkreis Alte Kirchen (FAK). Es ist mit einer Grundschuld von 100000 Euro bei der Sparkasse Marburg-Biedenkopf belastet. Selbst wenn diese darauf verzichten würde, das Grundstück schuldenfrei stellen und der Förderkreis die Alte Kirche für einen symbolischen Preis an die Gemeinde übertragen würde, müsste Cölbe über kurz oder lang in eine umfassende Sanierung investieren, die je nach Umfang zwischen 150000 und 350000 Euro kosten würde, so Bunke. Geld, das Cölbe kaum aufbringen kann, auch wenn es in erheblichem Maße Fördermittel geben würde. Die Kommunalaufsicht würde angesichts der Haushaltslage wohl auch nicht mitspielen.

Der Kulturverein hat mit dem FAK einen Nutzungsvertrag und bietet in der Alten Kirche ein umfangreiches kulturelles Programm an. Die laufenden Kosten für Garten- und Grundstückspflege, Orgelpflege, Versicherungen und Nebenkosten wie Strom in Höhe von 3000 Euro im Jahr lassen sich über Spenden und Veranstaltungen so erwirtschaften, sagt Bunke.

Risiko Sanierungsstau

Dafür steht der Kulturverein bis jetzt schon ein und insoweit trägt der Verein schon jetzt zum Erhalt der Alten Kirche bei. Der Verein kann die Alte Kirche aber auch nur bespielen, solange der Sanierungsstau nicht zu gravierend wird. Und das Risiko wird von Jahr zu Jahr größer.

Für tiefgreifende Sanierungen lassen sich an diesem Spielort nicht genügend Gelder erwirtschaften, das haben die Bürgelner in einer interfraktionellen Arbeitsgruppe bereits einmal exemplarisch durchgespielt: Das Nutzungskonzept, das dort entstand, so Ortsvorsteher Jörg Block damals im Parlament, prognostizierte nach Abzug aller Kosten einen Jahresüberschuss von 400 Euro.

Ein Ausweg könnte die Gründung einer Stiftung sein. Denn auch die Aktiven von Förderkreis und Kulturverein werden ihre Arbeit nicht ewig fortführen können. Unter dem Dach einer Stiftung könnte, so Bunke, eine langfristige Erhaltung und über mehrere Jahre ein Sanierungsplan verfolgt werden.

Problem auch hier: das Kapital. Zwar kann das Gebäude als Wert in eine Stiftung eingebracht werden, es erwirtschaftet natürlich aber keine Zinsen wie anderes Stiftungskapital. Um - auch angesichts der derzeit mickrigen Zinsen - überhaupt mit den Erträgen etwas bewegen zu können, bedürfte es einer Summe von mehr als 50000 Euro. Der finanzielle Grundstock einer Stiftung darf für das laufende Geschäft nicht angetastet werden und bei angenommenen zwei Prozent Zinsertrag brächten 50000 Euro gerade einmal 1000 Euro ein.

36000 Euro pro Jahr nötig?

Bunkes Modellrechnung sieht so aus: 12000 Euro pro Jahr werden aufgebracht, zum Beispiel aus Stiftungsertrag, den Aktivitäten des Kulturvereins und einer Beteiligung der Gemeinde. Die doppelte Summe, also 24000 Euro pro Jahr ließen sich über Drittmittel, etwa aus der Denkmalpflege einwerben. Damit stünden pro Jahr 36000 Euro zur Verfügung.

Innerhalb von zehn Jahren ließe sich so ein Investitionsbedarf von 360000 Euro gegenfinanzieren, glaubt Bunke.

Der Haken: Eine Stiftung nur für die Alte Kirche würde solche Summen kaum aufbringen können. Deshalb bringt der Kulturvereinschef, auch nach Beratung mit den Stiftungsexperten im Regierungspräsidium Gießen, in die Diskussion, dass man sich Partner sucht, zum Beispiel in einer Kulturstiftung für die gesamte Gemeinde oder darüber hinaus - oder sich unter das Dach einer bestehenden Stiftung begibt.

An dieser Stelle kommt die Cölber Kommunalpolitik und die Öffentlichkeit ins Spiel. Sie müssen nun diskutieren, was ihnen ihr Kulturdenkmal wert ist und welchen Weg man für den Erhalt zu gehen bereit ist.

Die Gemeindevertretersitzung, bei der Kurt Bunke vortragen wird, beginnt am Montag um 20 Uhr in der Mehrzweckhalle Bürgeln. Die Alte Kirche ist der dritte Punkt der Tagesordnung.

von Michael Agricola

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nordkreis

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr