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Eine Arbeit, die mit der Zeit Früchte trägt

Klimaschutzmanager Eine Arbeit, die mit der Zeit Früchte trägt

2010 waren die Nordkreiskommunen Vorreiter mit einem gemeinsamen Klimaschutzkonzept. Ein Baustein darin war der Klimaschutzmanager Michael Meinel, dessen Stelle zum Jahresende ausläuft.

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Michael Meinel war zwei Jahre lang als Klimaschutzmanager für Wetter, Cölbe und Lahntal aktiv, zuletzt auch für die Gemeinde Dautphetal. Mit Jahresende läuft seine Stelle aus.

Quelle: Michael Agricola

Cölbe. Die Enttäuschung ist Cölbes Bürgermeister Volker Carle bei seinen Abschiedsworten an Meinel anzumerken. Cölbe wollte die Arbeit des gemeinsamen Klimaschutzmanagers auf dieser Basis gern weiterführen, die Gemeinde Dautphetal, die im vergangenen Jahr ebenfalls an Bord kam, auch. Doch die Parlamente in Lahntal und Wetter sagten Nein zu einer weiteren finanziellen Beteiligung an dem Projekt, die jede Kommune pro Jahr etwa 7000 Euro kosten würde.

Und ohne wenigstens eine dritte beteiligte Kommune war die Fortführung der Stelle nicht förderfähig, die bisher aus Bundesmitteln und von den Gemeinden Cölbe, Lahntal und der Stadt Wetter getragen wurden. Für Carle ist die Entscheidung der Nachbargemeinden zu respektieren. Es sei „schade“, aber „nachvollziehbar“. Inzwischen gibt es ein Beratungsangebot auch beim Landkreis, und ein Argument gegen die Fortführung der Stelle im Nordkreis war auch der Wunsch, man wolle keine Doppelstrukturen finanzieren. Ob man das Angebot damit aber in der bisherigen Breite halten könne, sei offen, so Carle.

Anfragen bis zum Schluss

Er dankte Meinel vor allem für die über die eigentliche Arbeitszeit hinausgehende kompetente Arbeit in den vergangenen beiden Jahren. „In dieser Frage ist ein langer Atem entscheidend, nicht der schnelle Erfolg“, sagte Carle. Und Meinel habe vor Ort in den Gemeinden dazu beigetragen, Denkprozesse in den Köpfen anzustoßen.

Fachlich unumstritten hat Meinel wie viele Berater jedoch die Schwierigkeit, dass seine Arbeit nicht immer eins-zu-eins messbar ist. Die Beratung über Fördermöglichkeiten, die Energiespartipps oder Denkanstöße, die er in Gesprächen oder Veranstaltungen gibt, können zu konkreten Investitionen oder zu Energieeinsparungen führen, sie sind aber nicht klar dem Engagement des Klimaschutzmanagers zuzurechnen.

Am ehesten geht das noch bei der Aktion zum Austausch ineffizienter Heizungsumwälzpumpen in Privathaushalten der drei beteiligten Kommunen. Dies wurde gefördert, und anhand der 400 über ihn gelaufenen Förderanträge, mit denen bis zu 800 Pumpen erneuert werden konnten, kann der Klimaschutzmanager die Auswirkung für die Umwelt beziffern. „Vorsichtig geschätzt wurde ein Investitionsvolumen von etwa 200000 Euro ausgelöst. Damit können etwa 150000 Kilowattstunden und damit etwa 100000 Kilogramm CO2 eingespart werden.“

Bis zuletzt gab es in dieser Sache noch Anfragen an ihn, berichtet Meinel. Sehr nah am Verbraucher waren zudem zum Beispiel eine Gutscheinaktion zur Thermografiemessung an Privathäusern und das Verleihen von Strommessgeräten.

100 bis 120 Gespräche im Quartal

Durch wöchentliche Kolumnen zu Energiethemen in den Amtsblättern der Gemeinden und in seinen Sprechzeiten in den Kommunen informierte und beriet Meinel interessierte Bürger. Dies konnte meist nur in Form einer Erstberatung geschehen, in der die Problemstellung besprochen und mögliche Förderwege, Informationsquellen oder spezifischere Beratungsangebote aufgezeigt werden konnten - er war quasi in einer Funktion als „Lotse“. Laut Meinels Bilanz wurden diese Gespräche deutlich häufiger nachgefragt als ursprünglich veranschlagt. Im Konzept war man von 8 bis 12 Gesprächen im Quartal ausgegangen, Meinel kam auf 100 bis 120.

Ein Kernstück des interkommunalen Klimaschutzkonzepts war von Anfang an die Beratung der Kommunen, in Fördermöglichkeiten genauso wie bei den Tipps für Energiesparen im Büro. Und hier ist vonseiten der beteiligten Kommunen unstrittig, dass sich Meinel vor allem bei der Erstellung der Klimaschutzbilanzen für die Kommunen und ihre Liegenschaften hervorgetan hat. Mit seiner Beteiligung wurden etwa Energiepässe erstellt, die Auskunft über geeignete Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz geben. Auch bei der Anschaffung von Elektrofahrzeugen für die Kommunen oder beim e-Car­sharing-Angebot in Schönstadt war er mit Rat und Tat zur Stelle.

Auch wenn Michael Meinel im kommenden Jahr nicht mehr als Berater in den Kommunen bereitsteht, lässt sich ein Teil seiner Arbeit abrufen: Auf den Internet-Seiten der beteiligten Kommunen, auf denen unter anderem eine Zwischenbilanz auf dem Weg zum Ziel „100 Prozent Erneuerbare Energie“, CO2-Bilanzen oder auch Karten mit Energieanlagen und viele Praxisbeispiele zu finden sind.

von Michael Agricola

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