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Ein neuer Weg von alter Herkunft

Wandern Ein neuer Weg von alter Herkunft

An diesem Sonntag, 22. Juni, laden die Stadt Wetter und der Burgwald-Touristservice zur Eröffnung einer neuen Extratour nach Treisbach ein. Wanderfachmann Gerd Daubert hat den Weg bereits für die OP erkundet.

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Grillhütte nach Feuer total zerstört

Treisbach. Das Deutsche Wanderinstitut hat den Gisonenpfad im Mai als Premiumweg zertifiziert. Er ist der 12. Premiumwanderweg – beginnend im Wetteraner Stadtteil Treisbach und führt zur Burgruine Hollende und über Oberndorf und Amönau zurück. Der Gisonenpfad, wie alle Extratouren, zeichnet sich aus durch eine lückenlose Beschilderung, viele Strecken auf unbefestigten Wegen, viele Aussichten, schöne Landschaften in Wald und Feld sowie historische Orte.

Der Name Gisonenpfad ist abgeleitet von dem mittelalterlichen Gaugrafengeschlecht der Gisonen, die auf der Burg Hollende, nahe Treisbach, residierten und im Raum Marburg und Wetter ihr Stammland hatten.

Am Wanderportal beim Dorfgemeinschaftshaus in Treisbach beginnt die Tour, und ich entscheide mich, zunächst den Weg zur Hollende und damit auch den größten Anstieg in Angriff zu nehmen. Kurz hinter dem Ort führt der Weg in die Feldgemarkung hinein. Auf einem Wiesenweg gehe ich vorbei an fast schon goldgelben und reifen Gerstenfeldern, Rapsfeldern mit vielen Mohn- und Kornblumen sowie Heuwiesen. Besonders beeindruckend ist der Gesang der Feldlerchen, die auch gut sichtbar in der Luft flattern und sich augenscheinlich in dieser Landschaft wohl fühlen.

Dorf im 30-jährigen Krieg zerstört

Am Rand des Aubachtals befindet sich eine überdachte Sitzbank, von hier führt ein weicher, naturbelassener Waldrandweg bergauf. An vielen Stellen ist der Weg beschattet, ein Bächlein gluckert anhaltend, man kommt an „Erles Hütte“ vorbei und erfährt oberhalb, dass bis Mitte des 17. Jahrhunderts hier ein Dorf Hollende gestanden hat, dessen Bewohner nach der Zerstörung zurzeit des 30-jährigen Krieges größtenteils nach Treisbach gezogen sind. Auf einem Forstweg gehe ich nun in Serpentinen weiter bergan und erreiche am Wegesrand eine Bank, die zur kurzen Rast einlädt.

Meine Neugierde, mehr über Berg und Burg Hollende zu erfahren, ist groß und so gehe ich wenige Schritte weiter zu einem Informationspult, auf dem über die Burg zu lesen ist. Unumgänglich für alle, die gut kraxeln können, ist es, den Hollendekegel zu erklimmen, das Areal ist wirklich beeindruckend, obwohl nur noch wenige Mauerreste zu sehen sind. Eine zwei Meter dicke Mauer, 28 Meter lang und 22 Meter breit, umfasste früher den in der Mitte stehenden Burgturm  von 10 Metern Höhe und 7,5 Metern Breite, also für die heutige Anschauung eine recht kleine Burganlage der Gisonen.

Sophie von Brabant ließ die Burg Hollende zerstören

Nachdem der letzte der Grafen 1122 verstorben war, fielen Burg und Ländereien an das Erzbistum Mainz. Im Thüringer Erbfolgestreit konnte Sophie von Brabant das Marburger Land für ihren minderjährigen Sohn Heinrich gewinnen und zerstörte dabei in kriegerischen Auseinandersetzungen auch die Burg Hollende, da deren Herren sie nicht huldigen wollten.

Weiter geht es noch eine kurze Strecke durch einen prächtigen Buchenwald bergauf, danach führt die Tour auf einem kurvenreichen Waldweg talabwärts, vorbei an lichten Stellen,  auf denen Fingerhüte in voller Blüte stehen.

Am Waldrand angekommen fällt der Blick geradeaus auf den Burgwald mit Burg und Dorf Mellnau. An einem Wegeknick ist ein Insektenhotel neu errichtet, dabei eine Rastmöglichkeit mit herrlichem Panoramablick. Am Waldrand entlang führt der Weg in das Bannebachtal in Richtung Warzenbach und nach einem kurzen Anstieg über die Kreisstraße zu einem Talzug, der nach Oberndorf führt. Äcker und Wiesen wechseln sich ab, Heckenzüge bereichern das Landschaftsbild und zwei Bussarde kreisen nahrungssuchend über mir.

Durch das kleine Örtchen Oberndorf erreiche ich am Ortsrand den Treisbach, an dem ehemals eine Knochenmühle stand. Die Gebäude wurden aber schon vor 100 Jahren abgerissen und teils umgesetzt, sodass keine Relikte mehr bestehen. Die Tour führt nun über die Kuppe des Mühlenbergs nach Amönau, wo es auch eine Einkehrmöglichkeit in unmittelbarer Nähe des Wanderweges gibt. Am Ortseingang von Amönau empfehle ich allen, die Zeit, Lust und genügend Kondition haben, am Treisbach entlang in den Ort, „das Dorf der Brücken“ hinein- zugehen.

Fachwerk allenthalben

Viele stattliche Fachwerkhäuser am Bachlauf prägen das Ortsbild und am Zusammenfluss von Treisbach und Asphe bilden die evangelische Kirche aus dem 16. Jahrhundert und ein Schloss mit dem Teehäuschen auf der Sandsteinmauer ein beeindruckendes Ensemble. Bekannt wurde dieses Häuschen durch die Illustration von Otto Ubbelohde  als Motiv  für das Grimmsche Märchen Rapunzel. Ein „Amena“, Amönau und Oberndorf, ehemals Unter- bzw. Oberamena, wird in einer Urkunde König Heinrichs II. über einen Gütertausch aus dem Jahr 1008 erwähnt, „im Gau namens Oberlahn in der Grafschaft des Grafen Giso“ gelegen. Für Amönau gilt dies als früheste Erwähnung des Ortes. Wieder zurück auf der Extratour Gisonenpfad führt der Weg bergan, lange Zeit durch eine Heckenlandschaft mit Mager-Rasen, auf dem unter anderem seltene Distelarten, Kräuter und Flechten zu finden sind.

Viele Singvögel, Schmetterlinge, auch Fasane sind hier anzutreffen. Von der Kuppe des Schüßler bietet sich ein prächtiger Panoramablick auf Treisbach und das dahinterliegende Lützelgebirge mit der Hollende zwischen Leiseberg und Koppe, auf die Sackpfeife, den Rimberg im Süden und das Ederbergland im Norden. Auf Wiesenwegen gehe ich bergab nach Treisbach, überquere auf einer kleinen Brücke den Bach und gehe durch das Dorf, vorbei an der aus dem 13. Jahrhundert stammenden alten Kirche, zurück zum Ausgangspunkt des Gisonenpfades.

von Gerd Daubert

Infos zum Wanderweg:

An- und Abreise
Mit dem Pkw von Marburg nach Caldern, über die B 62 durchs Lahntal und die L 3092 nach Treisbach; mit dem ÖPNV: siehe RMV-Fahrplanauskunft

Wanderkarte:
Den Flyer Extratour Gisonenpfad gibt es im Internet unter: www.burgwald-touristservice.de

Dauer :
Dreieinhalb Stunden (geübte Wanderer),
Viereinhalb Stunden (Genusswanderer)

Region:
Burgwald-Ederbergland

Strecke:
14 Kilometer

Höhenlage :
240 bis 387Höhenmeter.

Tipps:
Zeit für einen Besuch von Amönau nehmen.

Besondere Eindrücke :
Aubachtal, Bergkegel der Hollende, Aussicht von der Kuppe des Schüßler.

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