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Ein märchenhafter Garten ganz in Weiß

Historische Rosensorten Ein märchenhafter Garten ganz in Weiß

Ein bisschen wie im Märchen darf der Garten des berühmten Illustrators von Grimms Hausmärchen durchaus aussehen. Nach historischen Vorbild hat ein ehrenamtliches Gartenteam die Rosenrabatten neu angelegt.

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Barbara Seitz (von links) Monika Moritz, Marianne Nain und Angela Timmermann haben im November die Grundlage für einen tollen Gemüsegarten-Sommer geschaffen. Bei diesem Termin fehlte Gartenteam-Mitglied Bärbel Lies.

Quelle: Götz Schaub, Gabi Stein / pixelio.de

Goßfelden. 1867 in Marburg geboren verschlug es den Maler und Illustrator Otto Ubbelohde längere Zeit seines Lebens in die Fremde. Unter anderem lebte er mehr als zehn Jahre in München. Doch er sollte zurückkehren und in der Nähe von Marburg, nämlich in Goßfelden, ein Haus bauen, das er mit seiner Frau 1900 dauerhaft bezog und das ihm bis zu seinem Tod 1922 nicht nur als Wohnhaus, sondern auch als Atelier diente.

Zu diesem Haus gehören auch Grundstücke, unter anderem ein Gemüsegarten. Und genau dieser Gemüsegarten, von allen vier Seiten umgeben von einer Hecke, ist das freiwillige Arbeitsfeld von Bärbel Lies, Monika Moritz, Marianne Nain, Barbara Seitz und Angela Timmermann. Die fünf Frauen aus Goßfelden bilden seit einigen Jahren schon das Ubbelohde-Gartenteam.

„Zu Lebzeiten des Malers und seiner Frau Hanna gab es neben den rosa Damaszenerrosen im so genannten Gemüsegarten auch zwei lange Rabatten mit ausschließlich weißen Rosen“, erzählt Barbara Seitz. Und die Ubbelohdes mochten es offenbar modern. Die zum Einsatz gekommene Rose „Schneelicht“ war seinerzeit eine noch sehr junge Rose. Sie kam 1894 auf den Markt.

Seitz: Gemeinde ist sehr entgegenkommend

Die beiden Rabatten im Gemüsegarten wurden stets für eine schöne Sommerpracht hergerichtet. Doch schwebte den fünf Frauen immer wieder vor, diese Rabatten in etwa wieder so herzurichten, wie sie früher einmal ausgesehen haben könnten. Als 2014 die Sparkassenstiftung 2000 Euro zur Verfügung stellte, konnten diese Überlegungen in konkrete Planungen übergehen.

Bis zur Pflanzung galt es allerdings erst einmal enorme Vorarbeiten zu erledigen. „Die Gemeinde Lahntal ist Teil der Ubbelohde-Stiftung und zeigte sich sehr entgegenkommend“, berichtet Seitz. Sprich sie stellte Arbeitskraft und Maschinen des Bauhofs zur Verfügung, um die erforderlichen Erdarbeiten zu erledigen. Denn wenn schon, dann sollten auch die Rabatten wieder in ihre ursprüngliche Lage zurückverlegt werden.

So wurde mit einem Bagger an den entsprechenden Positionen die Grasnarbe abgetragen. Anschließend wurde dort dann frische Erde aufgebracht. Bei den Arbeiten waren auch ganz bestimmt alle bei Sinnen. Wieso, warum sollten sie es nicht gewesen sein? Nun, bei einem Rundumblick fällt durchaus auf, dass die Rabatten versetzt zum Blick fangenden Baum verlaufen. Aber so war es eben und deshalb ist es jetzt wieder so.

Eine kleine Freiheit nehmen sich die Frauen dann aber doch heraus - und die kann dann im Sommer bewundert werden. Denn im Gegensatz zu den Ubbelohdes, die diese Rabatten ausschließlich mit der robusten und wüchsigen Rose Schneelicht bepflanzten, entschieden sie sich dazu, unterschiedliche, aber generell weiße Rosen zu setzen. So gibt es über einen längeren Zeitraum blühende Rosen zu sehen und nicht nur im Mai und Juni, wenn die Rose Schneelicht blüht.

„Es ist für uns eine große Freude“

Damit auch möglichst viele gut gedeihen, wurden sie samt Kaninchenschutz in die frische Erde verbracht. Die frische Pflanzerde war auch sehr wichtig, denn schon in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde kurz nach der Gründung der Ubbelohde-Stiftung der Versuch unternommen, im Gemüsegarten Rosen anzupflanzen. Doch kamen diese einfach zu spärlich und setzten sich schließlich auch nicht wirklich durch.

Insgesamt wurden im November 26 Rosenstöcke gepflanzt und nach getaner Arbeit mit einem sicher verdienten Schluck Sekt begossen. „Es sind Sorten unterschiedlicher Höhe und Blütezeit, einige mit schöner Nachblüte oder Hagebutten im Herbst, und alle duftend“, erläutert Seitz und macht damit schon Lust auf den Sommer. Alle Rosen werden dann mit schönen Namensschildern ausgestattet sein.

Die fünf Frauen sind in der Regel in den Gartenmonaten einmal in der Woche, nämlich dienstags, im Ubbelohde-Garten anzutreffen. „Es ist für uns eine große Freude, hier arbeiten zu dürfen“, sagt Barbara Seitz. Das Geheimnis der erfolgreichen ehrenamtlichen Gartenarbeit liegt dabei nicht nur im gemeinsamen Hobby begründet, sondern auch darin, dass sich die fünf Frauen absolut gut verstehen.

Alles wird gemeinsam entschieden und ausgeführt. Der Gemüsegarten ist jederzeit frei zugänglich und wird hoffentlich auch im Sommer seine Rosenfans finden. Wir von der Zeitung werden jedenfalls gerne im Sommer mal nach den Rosen schauen. Versprochen. PS: Der Gemüsegarten ist eine von mehr als 20 Stationen der Garten-Route Eder-Lahn-Diemel.

Weitere Informationen unter www.garten-route.de.

von Götz Schaub

 
Die gepflanzten Rosensorten

Extra für alle Rosenfreunde und solche, deren Interesse vielleicht jetzt geweckt wurde. Folgende Rosen sollen im Sommer in den beiden Rabatten zu sehen sein: Mme Plantier (1835), Karl Foerster (1931), Trier (1904), Comtesse de Murinais (1843), Mme Hardy (1831), Jeanne d‘Arc (1818), Botzaris (1824), Vierge de Cléry, Coquette des Blanches (1871), Hebe‘s Lip (1912), Blanc de Vibert (1847), Schneewittchen (1901), Autumn Delight (1933), Katharina Zeimet (1901), Yvonne Rabier (1910). Anhand der Jahreszahlen ist zu erkennen, dass es sich bis auf Autumn Delight nur um Rosen handelt, die es zu Lebzeiten von Hanna und Otto Ubbelohde schon gegeben hat.

Historisches Highlight sind die beiden Exemplare der Rose Schneelicht. Ursprünglich wurden die Rabatten ausschließlich mit dieser Sorte bepflanzt. Dabei handelt es sich um eine einmal in Büscheln blühende duftende Rose mit starken Stacheln und runden Hagebutten. Die Blütezeit der bis zu 1,80 Meter hohen Rose liegt zwischen Mai und Juni. Schneelicht ist eine von rund 140 Kreationen des Rosenzüchters Rudolf Geschwind (1889 bis 1910).

 
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