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Ein kleines Stück Musikgeschichte

Mundharmonika-Stammtisch Argenstein Ein kleines Stück Musikgeschichte

Von der „Little Lady“ bis zur „Golden Melody“: Ein kleines Stück Mund-Art-Tradition leben und genießen die Mitglieder des Mundharmonika-Stammtisches Argenstein.

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Eine gemeinsame Leidenschaft für traditionelle Musik, alte Volkslieder und ein erhaltenswertes Stück Musikgeschichte – und zwar die verschiedensten Mundharmonikas – verbindet die Mitglieder des Mundharmonika-Stammtisches, die sich regelmäßig in Argenstein treffen.

Quelle: Ina Tannert

Argenstein. Facettenreicher und anspruchsvoller als viele denken ist das Spiel mit einem der meistverbreiteten traditionellen Musikinstrumente: Mundharmonika spielen ist mehr als einfaches Ein- und Ausatmen.

Der musikalischen Leidenschaft frönen seit mehr als zehn Jahren die Mitglieder des Mundharmonika-Stammtisches Argenstein. Einmal im Monat treffen sich die Profi-Spieler zum gemeinsamen klangstarken Austausch und bringen nicht nur ihre Instrumente, sondern auch das Bürgerhaus Argenstein zum Schwingen.

Die Musik verbindet

In fröhlicher Runde veranstalten rund 40 Musikanten aus dem ganzen Landkreis abwechslungsreiche Übungsrunden, Solo- und Gruppenspiel mit traditioneller Volksmusik, Wanderliedern, Schlagern, Klassik- oder Blues-Stücken. Der Austausch von Tipps und Tricks zur Pflege und Technik der geliebten Instrumente gehören dazu.

„Wir haben immer großen Spaß, die Musik verbindet uns einfach“, erzählt Musikantin Elli Clement. Vor rund zehn Jahren wurde der Stammtisch von Tillo Seeling aus Argenstein gegründet. Damals herrschte „große Nachfrage“ nach einem gemeinsamen Spiel der traditionellen Instrumente, die immer mehr aus der Mode kamen. Einen ersten Stammtisch-Aufruf verbreitete er über die OP und erhielt große Resonanz. Der pensionierte Architekt liebt nicht nur elegant geschwungene Formen, sondern vor allem den richtigen Ton. Und Töne - davon gibt es jede Menge innerhalb der Mundharmonika-Fangemeinde.

Stammtisch erhält Kulturgut

Der Stammtisch spielt nicht nur gerne in großer Runde, auch der Erhalt des alten Mund- und Volksliedes als „wichtiges Kulturgut“ sowie der Erhalt der traditionellen Instrumente liegen ihm am Herzen.

Die Mundharmonika tauchte erstmals vor rund 200 Jahren auf. Nach anfänglichem Desinteresse der breiten Masse verbreitete sich das Instrument zunehmend und erfreute sich lange Zeit vor allem innerhalb der europäischen Volksmusik und im Blues großer Beliebtheit. Bis heute gilt die robuste, kostengünstige Mundharmonika als eines der meistgebauten Instrumente. Ihren gesellschaftlichen Höhepunkt hatte sie in den 1950er- und 60er-Jahren, erklärt Tillo Seeling.

Eine kleine Mundharmonika-Lehre

Das Instrument besteht aus einem Klangdeckel, Kanzellenkörper und den Stimmplatten. Töne werden mit darin enthaltenen Durchschlagzungen aus Metall in parallel angeordneten Luftkanälen erzeugt. Durch Luftströme, Ziehen oder Blasen der Atemluft, entstehen verschiedene Dur- oder Septim-Akkorde.

Dabei gibt es ganz verschiedene Typen. Die chromatische, meist eintönig gespielte Mundharmonika kann sämtliche musikalischen Halbtöne treffen. Der zweite Typ, die diatonische Mundharmonika, kann keine halben Töne erzeugen und ist auf eine bestimmte Tonart eingestimmt. Sie eignet sich besonders gut für Volkslieder. Es existieren zahlreiche Varianten des Instruments, wie die Tremolo-, Oktav-, Begleiter- und Bassmundharmonika oder der mehrseitige Kreuzwender. Profi-Spieler ergänzen den Klang durch eine rhythmische Zungenschlagtechnik oder auch durch den „gespitzten Pfeifmund“.

Auf dem Mundharmonika-Markt sind die unterschiedlichsten Modelle in allen Größen, Längen, Farben und Formen verbreitet. Vom „Thunderbird“ oder „Crossover“ über die zierliche „Little Lady“ bis zur klassischen „Golden Melody“ existieren zahlreiche Arten, von winzigen, nicht einmal fingerlangen bis zu komplizierten Modellen von mehr als 60 Zentimetern Länge.

Stammtisch-Gründer hat 600 Instrumente gesammelt

Die Mundharmonika stellt für viele Liebhaber neben dem Spiel- auch eine wahre Sammelleidenschaft dar. Stammtisch-Gründer Seeling hat alleine ein ganzes Arsenal von rund 600 liebevoll gepflegten Stücken im heimischen Wohnzimmer. Die Mundharmonika ist für ihn kein einfaches Instrument oder Kinderspielzeug, sondern eine Möglichkeit, Klänge facettenreich zu gestalten, „man kann eine Musik erschaffen, die nicht nur mitreißend, sondern etwas Besonderes für die Sinne ist“, schwärmt der Mundharmonika-Fan.

Traten die Stammtischler früher regelmäßig auf öffentlichen Veranstaltungen, bei Musiker- oder Seniorentreffs auf, halten sich die Mitglieder heute altersbedingt etwas mehr zurück. „Die Hauptsache ist, es macht allen Freude, und das ist bei uns immer der Fall“, erzählt der 73-Jährige. Mehrere Mitglieder spielen seit Jahren regelmäßig in Kindergärten oder Schulen, üben häufig mit den jüngsten unter den Musikfans. Ihr großer Traum wäre die „Einbürgerung“ der Mundharmonika neben Blockflöte und Co. in den schulischen Musikunterricht.

Der Mundharmonika-Stammtisch trifft sich jeden zweiten Donnerstag im Monat zwischen 18 und 20 Uhr im Bürgerhaus Argenstein. Alle interessierten Mundharmonika-Spieler oder solche, die es werden wollen, sind willkommen.

von Ina Tannert

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Von Redakteur Katharina Kaufmann

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