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Ein etwas anderer CDU-Verband feiert

Münchhausen Ein etwas anderer CDU-Verband feiert

Seit 40 Jahren sorgen Christdemokraten aus Münchhausen dafür, dass die Partei erfährt, wo bei den kleinen Leuten der Schuh drückt.

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Der stellvertretende Vorsitzende Giovanni Caroli (von links), Fraktionsvorsitzende Karin Lölkes und Bundestagsabgeordneter Dr. Stefan Heck mit den für 40 Jahre Mitgliedschaft Geehrten Johannes Wagner, Heinrich Freiling, Hermann Groß, Heinrich Koch, Heinrich Johann Lölkes und Heinz Becker, rechts der Europa-Abgeordnete Michael Gahler.

Quelle: Manfred Schubert

Münchhausen. Es war die Zeit der Gebietsreformen. Auch in Münchhausen stellte sich die Frage, wie es weitergehen würde, sagte Johannes Wagner im Rückblick auf die Zeit vor 40 Jahren. Damals gründeten sich der CDU-Gemeindeverband Münchhausen, der SPD-Ortsverein sowie zwei Bürgerlisten.

„Die Leute fragten sich: brauchen wir überhaupt eine Partei?“, erinnerte sich der heutige CDU-Gemeindeverbands-Vorsitzende in seiner Rede vor den etwa 90 Gästen, die im Bürgerhaus aus Anlass des 40-jährigen Bestehens zusammengekommen waren.

Zwei Dinge hätten für eine Partei gesprochen: Was wäre eine Partei ohne Basis, die nach oben weitergeben kann, wo unten der Schuh drückt, und für die, die höher in der Politik stehen, ist es gut, wenn sie Leute vor Ort haben.

Auf Initiative von Johannes Gimbel, der dann auch Vorsitzender wurde und es bis 1999 blieb, gründeten 22 Menschen den CDU-Gemeindeverband Münchhausen. Ein Jahr später, am 1. April 1975, hatte sich die Mitgliederzahl fast verdoppelt auf 43, danach verlangsamte sich der Zulauf. Heute liegt der Stand bei 68.

Bei der Kommunalwahl 1974 wurde die CDU stärkste Partei. Gemeinsam mit der Bürgerliste Niederasphe wählte sie am 1. März 1975 Wilfried Carle, heute CDU-Ehrenmitglied, zum Bürgermeister, der bis 1999 im Amt blieb und die neue Großgemeinde zusammenführte.

Bis 2006 am Ruder

2006 trat die Bürgerliste Niederasphe nicht mehr zur Wahl an. Zwar habe die CDU mit 49,2 Prozent ein „Superergebnis“ erzielt, aber die SPD tat sich mit der Unabhängigen Grünen Liste zusammen, die nun zusammen die Mehrheit stellten.

Aber nicht nur Politik habe die CDU Münchhausen gemacht. Neben der jährlichen Bratpartie gebe es seit 30 Jahren jährliche Fahrten. Mit bis zu zwei Bussen fuhr man nach Wiesbaden oder Berlin. „Ich denke, dass wir auch mal Richtung Straßburg oder Brüssel aufbrechen sollten“, meinte Wagner. Diese Anregung griff später der CDU-Europa-Abgeordnete Michael Gahler in seinem Grußwort auf und sprach eine Einladung an die Münchhäuser aus.

„Gute Kameradschaft und Zusammenhalt zeichnen unseren Gemeindeverband aus. In der Regel läuft alles sehr harmonisch ab, was nicht heißt, dass wir uns nicht mal in die Haare geraten, aber freundschaftlich“, beschrieb Wagner die Atmosphäre. „Aufgabe der kommenden Jahre wird sein, junge Menschen zu begeistern, in der Politik mitzumischen. Wir haben einige junge Mitstreiter, aber es könnten mehr sein“, schloss er seine Rede.

Diesem allgemeinen Rückblick des Vorsitzenden schloss sich ein weiterer in Form von Interviews mit Wilfried Carle sowie den Mitgliedern Hermann Groß und Heinz Becker an, die seit 1974 dabei sind. Groß betonte schmunzelnd, Münchhausen könne froh sein, dass sein Wohnort Oberasphe, das damals zum Landkreis Frankenberg gehörte und nach Battenberg eingemeindet werden sollte, dazugekommen sei, sonst gäbe es die Gemeinde gar nicht und Münchhausen wäre zu Wetter gekommen.

Gäste bringen Einladung mit

Carle führte die Anekdote weiter. Als die CDU in Frankfurt bei einem Besuch von den Münchhäusern erfuhr, dass Oberasphe nur 350 Einwohner habe, so viel, wie ein Hochhaus in der Mainmetropole, habe man beschlossen, die Diskussion um die Zugehörigkeit zu beenden. Becker hob hervor, Münchhausen habe den einzigen Gemeindeverband mit eigener Grillhütte, nachdem wegen Regens bei der ersten Bratpartie unter einem Melkwagen weitergefeiert werden musste.

Vor 40 Jahren seien die jungen, unter 20-jährigen CDU-Mitglieder sehr engagiert beim Plakatieren gewesen: „Nachts hat man ein Plakat weggenommen und ein anderes hingehängt. Heute hängt man eins auf und es hängt noch acht Wochen nach der Wahl“, sagte er.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Stefan Heck lud den Verband zu einer viertägigen Fahrt nach Berlin ein. Der CDU-Kreistagsabgeordnete Dr. Christean Wagner hob hervor, dass die CDU Münchhausen ein „Ausbund an Kontinuität“ sei, mit nur zwei Vorsitzenden in 40 Jahren. Sachkenntnis, Engagement und Heimatliebe seien hier zu spüren. Auch er sprach eine Einladung aus, zu einer Pferdekutschfahrt nach Goßfelden. Kreis-CDU-Ehrenvorsitzender Walter Troeltsch meinte, dieser Gemeindeverband sei anders als andere. Er habe es geschafft, wichtige Mitglieder der Gemeinde in seine Reihen zu bekommen, durch Bürgermeister Wilfried Carle habe er eine besondere Prägung erhalten.

Dank an Johannes Wagner

Bürgermeister Peter Funk, Hans-Martin Seipp für die SPD und Rainer Ulbrich für die UGL gratulierten der CDU ebenfalls. Seipp meinte, vor 40 Jahren hätte wohl kein Roter bei den Schwarzen geredet, aber vieles habe sich geändert und man arbeite gut zusammen.

Die CDU-Fraktionsvorsitzende Karin Lölkes dankte zum Abschluss allen, die seit der Gründung mitgearbeitet haben, besonders aber dem seit 1999 Vorsitzenden Johannes Wagner. Er stehe für die CDU Münchhausen wie kein anderer. Seine besonnene, realistische Herangehensweise habe Partei und Fraktion geprägt und auch außerhalb der CDU viele Sympathisanten und Wähler eingebracht. Insbesondere, weil Johannes Wagner stets die Meinungen und Beweggründe anderer respektiert und geachtet habe.

Ehrungen: 40 Jahre Mitgliedschaft: Heinz Becker, Werner Eckel, Heinrich Freiling, Hermann Groß, Erich Imhof, Heinrich Koch (Grabenstraße), Heinrich Koch (Scharrstraße), Heinrich Johann Lölkes, Werner Müller, Heinrich Wagner und Johannes Wagner. 25 Jahre: Horst Spenner.

von Manfred Schubert

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