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„Ein bisschen Mut gehört schon dazu“

Wohnhof Goßfelden „Ein bisschen Mut gehört schon dazu“

Der Verein „Wohnhof Lahntal“ will bauen: Auf dem ehemaligen Festplatz in Goßfelden sollen Häuser für ein gemeinsames Wohnprojekt entstehen. Für diese neue Form des Zusammenlebens werden noch Mitstreiter gesucht.

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Wälzen Pläne und freuen sich auf das Wohnabenteuer: Ute Vohwinkel (von links), Thomas Meyer-Bairam und Dr. Kornelia Grundmann vom Vorstand des „Wohnhof Lahntal“. Foto: Martina Koelschtzky

Goßfelden. Die Gründe, warum die Vereinsmitglieder eine neue Form des Zusammenlebens jenseits des Einfamilienhauses suchen, sind vielfältig. „Ich bin ein sehr kommunikativer Mensch, ich möchte nicht isoliert leben“, sagt Dr. Kornelia Grundmann (61), Schriftführerin des Vereins.

Spätestens seit sie Witwe wurde, will die seit 1986 in Goßfelden lebende Medizinhistorikerin an der Marburger Uni nicht länger „Verwalterin eines Familienwohnheims“ sein, aus dem die Kinder längst ausgezogen sind.

Das Wohnprojekt soll die früher übliche Form des Mehrgenerationenwohnens und -lebens wieder aufnehmen, ist ihr Wunsch. „Nicht jeder hinter seiner Tür, sondern alle gemeinsam gestalten das Wohnen“, erklärt sie. Das hat auch weitere Vorteile, findet sie: „Man kann sich seine Familie auch ein bisschen aussuchen.“

„Einfach mal nach nebenan gehen können, zum Reden, zum gemeinsamen Essen oder was auch immer“, wünscht sich Ute Vohwinkel (58) vom Vorstand des Vereins. Die Bibliothekarin möchte nach Kindern und langjähriger Pflege der Elterngeneration mit ihrem Mann in das Wohnprojekt ziehen.

Sie freut sich darauf, mit den anderen Bewohnern „mal eben zusammen ins Kino gehen“ zu können, oder spontan eine Fahrgemeinschaft zu einer Ausstellung zu bilden, die auch andere sehen möchten. „Wir wollen zusammen was unternehmen“, sagt sie.

Thomas Meyer-Bairam (68) hat über seine Frau Claudia von dem Projekt gehört. „Sie hat für die Gemeinde als Erste Beigeordnete an einem Treffen teilgenommen und davon erzählt, und da dachte ich, man lernt ja nie aus und wir sollten mal was Neues probieren“, berichtet er. Auch für Meyer-Bairams ist absehbar, dass ihnen ihr „Familienwohnheim“ eines Tages zu groß sein wird, und sie fühlen sich bereit für einen ganz neuen Ansatz.

Gemeinsames Wohnen - „nicht nur mit alten Leuten“

Am liebsten möchten die Vereinsmitglieder, die seit rund zwei Jahren das Projekt planen, mit Menschen aller Generationen gemeinsam leben. „Wir wollen keineswegs nur mit alten Leuten zusammenwohnen“, betont Grundmann. Auch für junge Familien sieht sie viele Vorteile in dem Projekt: Die Gemeinschaft sei eine Art Großfamilie, auch auf die Kinder könne mal jemand aufpassen, sagt sie.

Die Lage sei für alle Generationen ideal: Mitten in Goßfelden, neben Gesundheitszentrum und Kultur- und Gemeinschaftshaus, keine fünf Fußminuten zum Bahnhof, der Kindergarten direkt gegenüber, der Lebensmittelmarkt zu Fuß erreichbar - besser geht es kaum.

Unterstützt von der Gemeinde, die auch das Grundstück vorgeschlagen und dem Verein günstig angeboten hat, haben die Vereinsmitglieder vor rund zwei Jahren angefangen, sich mit der Möglichkeit des Zusammenlebens zu befassen.

Unter anderem haben sie gemeinsam das Projekt „Blaues Haus“ in Mainz besucht, und fanden das ungeheuer motivierend. „Dort leben acht Familien gemeinsam, und sie haben uns berichtet, was gut klappt und was nicht. Es war toll“, erzählen Grundmann und Vohwinkel. Konfliktfrei wird so eine neue Form des Zusammenlebens sicher nicht, glauben alle drei. „Aber Probleme sind dazu da, darüber zu reden“, sagt Grundmann. Sie denkt an eine Art „Jour fixe“, einen Gemeinschaftstermin in dem gläsernen Zwischenbau, der zwei bisher geplante Wohnhäuser mit Eigentumswohnungen verbinden soll. In diesem luftigen Raum kann man über alle Konflikte reden, planen sie.

Sieben Mitstreitersind schon gefunden

„Es ist schon ein großes Abenteuer, aber es wäre ja auch langweilig, wenn nichts passiert“, sagt Grundmann. Auf den neuen Lebensabschnitt freuen sich alle schon Entschlossenen - bisher sieben Menschen in fünf Wohnungen - sehr. Ein bisschen Mut müsse man dazu schon haben, findet Ute Vohwinkel. „Ein gemachtes Nest wird bei uns nicht geboten. Alle müssen am Aufbau einer Gemeinschaft mitwirken“, denkt sie.

Nach den bisherigen Plänen sind bis zu vierzehn Wohnungen in dem Areal möglich - Gleichgesinnte jeden Alters werden also noch gesucht. Das nächste Mal trifft sich der Verein am Montag, 4. März, um 18 Uhr im Begegnungscafé des Kultur- und Gemeinschaftszentrums (Lindenstraße 15) in Goßfelden - direkt neben dem vorgesehenen Bauplatz. Dann sollen auch konkrete Baupläne des Architekten vorgestellt und mögliche Kosten besprochen werden. Alle Interessierten sind eingeladen, sich das neue Wohnprojekt mal näher anzusehen.

von Martina Koelschtzky

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