Volltextsuche über das Angebot:

25 ° / 15 ° wolkig

Navigation:
Ein alter Streit wird lecker aufgewärmt

Traition in Wollmar Ein alter Streit wird lecker aufgewärmt

Mit einem gemeinsamen Lammessen gedachten Wollmarer und Frohnhäuser Bürger eines alten Zwists wegen der letzten Wollmarschen Schafe, die einst zur Kriegsbeute durchziehender schwedischer Soldaten wurden.

Voriger Artikel
Dorfnamen sollen Wohnhäuser verzieren
Nächster Artikel
Gewerbesteuer in Lahntal soll nicht erhöht werden

Wollmar. Ein sehr alter Streit zwischen Wollmar und Frohnhausen wurde auf leckere Weise „aufgewärmt“. Mehr als 360 Jahre liegt der Anlass schon zurück. Gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) war die Gegend, so Wollmars Ortsvorsteher Johannes Wagner, zum Zankapfel zwischen Hessen-Darmstadt und dem mit dem Schwedenkönig verbündeten Hessen-Kassel geworden. Daher zogen damals schwedische Truppen durch.

An der so genannten „Hammelhecke“ zwischen Wollmar und Frohnhausen hatten die Wollmarer Dorfbewohner ihre letzten noch verbliebenen Schafe versteckt, um sie dem Zugriff der Soldaten zu entziehen. Die Truppen kamen auf ihrem Weg zuerst nach Frohnhausen, dessen Bewohner nicht nur das verbliebene Vieh, sondern auch alle Kinder und Frauen versteckt hatten, sodass das Dorf halbwegs verlassen erschien. Darum zogen die Schweden weiter und fanden die Schafe aus Wollmar, die somit verloren waren.

Die Wollmarer fanden das Ganze ungerecht und meinten, die Frohnhäuser hätten die Schweden verpflegen müssen und klagten deswegen sogar vor Gericht. Bei der Verhandlung, die etwa ein Jahr nach dem Vorfall vor dem Amtmann in Battenberg stattfand, kamen sie allerdings damit nicht durch. Der Amtmann gab den Frohnhäusern recht, diese seien einfach schlauer gewesen. So hatten die Wollmarer zum Schaden auch noch den Spott zu tragen und wurden seitdem als „Wollmarsche Lämmercher“ gehänselt.

„Als im vorigen Jahr Frohnhausen seine 900-Jahr-Feier veranstaltete, überlegten wir uns im Ortsbeirat, was wir zum Jubiläum schenken könnten. Vor dem Hintergrund der gemeinsamen Geschichte und in Erinnerung an dieses Ereignis überreichten wir damals die Einladung an den Frohnhäuser Ortsbeirat und die Vereinsgemeinschaft, die das Fest organisiert hatte“, erklärte Wagner.

„Ich hoffe, dass uns die Lämmer heute genauso gut schmecken wie damals den Schweden“, wünschte Wagner, bevor er gemeinsam mit Frohnhausens Ortsvorsteher Bernd Strieder das Lamm am Grillspieß anschnitt.

„Das ist ein sehr treffendes Geschenk. Dieses Ereignis hat immer wieder Anlass gegeben, ein wenig zu frozzeln, aber es war ein angenehmes Frozzeln“, sagte Strieder, der zwei Flaschen Jubiläums-Obstler mitgebracht hatte und von 20 Frohnhäusern begleitet wurde.

von Manfred Schubert

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nordkreis

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr