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Ein Zwergengarten aus Ton

Die 3. Aktion Ein Zwergengarten aus Ton

Da kam Leben in die Töpferwerkstatt. Zehn kleine Künstler töpferten, was die Modelliermasse hergab – schmutzige Hände, viel Spaß und ein Andenken fürs Leben inklusive

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Stolz zeigten die Kinder, was sie in kurzer Zeit in der Töpferwerkstatt gelernt hatten. Rechts: Wer lugt denn da hervor? Da fühlt sich ein Bewohner des neuen Tongartens schon ganz wie zu Hause.

Quelle: Nadien Weigel

Schönstadt. Bei der dritten Veranstaltung der Aktion „OP erfüllt Kindern Wünsche“ ging es nach Schönstadt, in die Töpferwerkstatt des Hofes Fleckenbühl. Dort warteten bereits zahlreiche Tonkugeln auf die Kinder.
Mit Schwung machten sie sich ans Werk. Erster Schritt: die Kugeln platt hauen. Mit vollem Körpereinsatz wurde aus der flexiblen Masse schnell flache Fladen gedrückt. Dann ging es richtig los. Ton kneten, rollen, zuschneiden, modellieren und verzieren.

Das Thema des Töpferkurses lautete „Zwergengarten“. Die Kinder formten kleine Modelle in Schalenform, deren Inhalt sie ganz nach ihren eigenen Ideen und Wünschen kreativ gestalteten. Viele entschieden sich für ein Gartentor oder andere Zugangswege. So wählte Benita Deichmann aus Niederwalgern einen abenteuerlichen Eingang: eine Rutsche. „Wie soll man sonst in den Garten kommen“, sagte die 8-Jährige.
Unter der fachkundigen Anleitung von Keramiker Dieter Eser und der Auszubildenden Mara Rott bastelten, kneteten und formten die Kinder ihre Kunstwerke ganz nach ihrem Geschmack. Als Vorlage diente ihnen eine fertige Tonschale mitsamt Blumenvase, kleinem Brunnen und Ablagefläche.

Garten mit Anlegesteg

Der Phantasie der Kinder waren jedoch keine Grenzen gesetzt. „Ich baue noch einen Sandkasten dazu, den haben ja viele Kinder im Garten“, fiel Maximilian Heck aus Münchhausen ein. Er legte ein ordentliches Tempo vor und modellierte nebenbei auch noch eine Schale aus Ton. Sein Töpfernachbar Simon Bromm (8 Jahre) aus Stausebach entschied sich sogar dafür, einen Anlegesteg an seinen Garten anzubauen: „Ein Boot kommt natürlich auch noch dazu“.
Die Kinder waren sehr konzentriert bei der Sache, halfen sich gegenseitig mit Töpfer-Utensilien aus und gaben Tipps zur Gartengestaltung. Zeitweise war es trotzdem auffallend still in der Werkstatt, jeder kleine Künstler strengte sich an, ein besonders schönes, kreatives Modell zu kneten.

Als Hilfsmittel dienten den Töpferlehrlingen einige Geräte zum Bearbeiten der Tonmasse. Mit einer kleinen Säge mit eingebautem Draht konnte der weiche Ton zugeschnitten werden. Mit kleinen Schabern oder Holzmessern wurde die Masse in Form gebracht, mithilfe von Motivstempeln und Stiften dekorativ mit Mustern verziert. Vor allem wurde aber mit den Händen gearbeitet, gedrückt, gerollt und die einzelnen Figuren mit dem Unterboden verbunden.

Tipp vom Töpfer-Profi: Keine Luft einkneten

Wichtig dabei war, die Teile nicht zu dünn und keine Luft mit einzukneten. Da der Ton beim Brennen etwa 13 % seiner Masse verliert, besteht bei zu viel Luft oder Wasser in der Masse die Gefahr, dass sich Risse bilden oder Teile des Kunstwerks abplatzten, erklärte Lehrer Eser. In der Tonmasse sind etwa 30 Prozent Wasser enthalten. Das sei mehr als genug, daher verwendet die Werkstatt bei dieser Töpfertechnik auch kein weiteres Wasser während des Modellierens.
Man könne aber auch Schlick aus dem Meer nehmen, erzählte Lisa Mundt (6) aus Marburg, während sie ihren kleinen Garten knetete, Gartenzwerg inklusive. Sie hat schon einmal ihre Töpferkünste erprobt und kennt sich aus.
„Ich habe schon öfter getöpfert“, berichtete Nele Schüßler aus Kirchhain.

Die 6-Jährige baute viele praktische Fächer in ihr Tongebilde ein, um darin Schmuck oder andere Schätze aufzubewahren. Auch Emily Sauerwald (9) aus Oberrosphe entschied sich für einen „Perlengarten“. „Darin kann ich meine Perlenketten aufbewahren“, freute sich die junge Handwerkerin, die ihre Ketten Zuhause aus Glasperlen oder Edelsteinen herstellt.

Eine besonders schön verzierte und detaillierte Tonblume modellierte Melanie Gehrmann (10) aus Niederweimar. „Habe ich von Papa gelernt, der ist Konditor und kann sowas“, schmunzelte sie. Am Ende des Töpferkurses standen zehn unterschiedliche Fantasie-Gärten auf dem Tisch. Die Kinder waren sehr zufrieden mit ihrer Arbeit. Mit nach Hause nehmen konnten sie ihre Kunstwerke jedoch noch nicht. Erst in etwa vier Wochen sind alle Modelle komplett fertig, so lange dauert es bis der Trocken- und Brennvorgang abgeschlossen ist. Auch können nicht alle Schalen gleichzeitig gebrannt werden.

Bevor die frischen, noch weichen Rohlinge zum Brennen in den großen Elektroofen wandern, müssen sie erst einmal eine Woche trocknen, erklärte Keramiker Eser. Danach kommen sie für zwei Tage bei 950 Grad in den Ofen zum Schrüh- oder Rohbrand. Dann dürfen sie erst einmal wieder raus, um nach dem Abkühlen gewachst und in eine blaue Glasur eingetaucht zu werden. Einen Tag später gehts zum Zweit- oder auch Glattbrand bei 1280 Grad wieder einige Stunden in den Ofen. Danach müssen die nun fertigen Tonmodelle noch knapp zwei Tage auskühlen.

Am Ende wird jedes Kind sein eigenes Kunstwerk in strahlend leuchtendem blau als Andenken nach Hause holen können.

von Ina Tannert

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