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Ein „Weckruf“ für Bürger und Kunden

Münchhausen Ein „Weckruf“ für Bürger und Kunden

Die Zukunft des Edeka-Marktes im Zentrum von Münchhausen ist weiter offen. Die Vermieterin der Ladenfläche immerhin will sich an der geplanten Bürgerbefragung zum Einzelhandel in der Gemeinde finanziell beteiligen.

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Betreiber Gerhard Freiling steht mit Stammkunden an der Obsttheke des Edeka-Marktes. Noch steht nicht fest, ob der Laden im kommenden Jahr weitergeführt wird.

Quelle: Michael Agricola

Münchhausen. Erstmals schalteten sich jetzt auch die Betreiber des Lebensmittelmarktes in die Diskussion ein. „Wir haben nie gesagt, dass wir aufhören wollen“, sagte Renate Freiling der OP. Ihre Kündigung des Mietvertrages zum kommenden Mai hatte die Diskussion um den möglichen Verlust des letzten großen Lebensmittelmarktes in der Gemeinde angeheizt. Renate Freiling und ihr Mann Gerhard wehren sich zudem gegen den Eindruck, sie hätten kein Interesse an dem Thema, weil sie trotz einer Einladung nicht zur Ortsbeiratssitzung Ende Juni gekommen wären, wo über den Einzelhandelsstandort gesprochen wurde. „Wir haben keine Einladung zu der Ortsbeiratssitzung erhalten, weder mündlich noch schriftlich“, sagt Renate Freiling. „Wenn wir es gewusst hätten, wären wir da gewesen.“

Ortsbeirat und Gemeindevertretung hatten in Sitzungen vor den Sommerferien vor den Folgen für die Einkaufssituation in der Gemeinde gewarnt, falls der Markt zugemacht würde. Die Gemeindevertreter beschlossen auf Antrag des Bürgermeisters Peter Funk (parteilos) deshalb auch mehrheitlich, eine professionell begleitete Befragung aller Haushalte in der Gemeinde in Auftrag zu geben. An den Kosten von etwa 6 500 Euro sollten sich nach dem Wunsch der Parlamentarier auch Ladenbetreiber und Vermieter finanziell beteiligen.

Vermieterin Dr. Anne Archinal wäre bereit, ein Drittel der Kosten zu tragen, wie sie der OP sagte. Die Freilings nicht. „Wir haben das Geld dafür einfach nicht“, sagt Renate Freiling mit Nachdruck. Sie ist gespannt, was bei der Umfrage herauskommt, glaubt aber nicht, dass sich dadurch etwas an der Situation ändert. Sie begrüßt die nun losgetretene Diskussion dennoch – vor allem deshalb, weil sie „ein Weckruf“ für die örtliche Bevölkerung sein könne. „Ich nehme es niemandem übel, wenn er bei Aldi einkauft. Aber wenn man einen Laden im Ort behalten will, muss man auch uns leben lassen.

“Große Änderungen am eigenen Konzept könne sie sich dagegen nicht vorstellen. „Wenn dabei herauskommt, dass wir mehr Waren anbieten sollen“, helfe das nicht. Auf 400 Quadratmetern könne man nicht mehr anbieten als jetzt, sagen die Freilings, die den Laden seit 22 Jahren führen. Das würden sie auch noch gerne sechs bis acht Jahre weiter tun, auch wenn es in den vergangenen Jahren immer schwieriger geworden sei, ihn wirtschaftlich zu betreiben. Die Kündigung, die in der Gemeinde so hohe Wellen geschlagen hat, sei allein zum Zweck neuer Mietpreisverhandlungen notwendig gewesen – damit sich der Vertrag nicht automatisch verlängert.

Bislang hätten sie mit der Vermieterin des Geschäftshauses, Dr. Anne Archinal, eine 10-jährige Vertragslaufzeit gehabt, eine solch lange Zeit könne und wolle das Ehepaar allerdings angesichts der wirtschaftlichen Risiken nicht mehr eingehen. Das hat vor allem mit den noch unklaren Auswirkungen durch den Konkurrenz-Markt im benachbarten Ernsthausen zu tun, der vor wenigen Wochen neu eröffnet wurde. Hier wollen die Freilings Ende August eine erste Bilanz ziehen und schauen, ob und wie sich ihre Ertragslage verändert hat. Erst danach wollen sie über einen neuen Mietvertrag sprechen. Doch auch Vermieterin Anne Archinal will Klarheit.

Sie hält es zwar nicht für sehr wahrscheinlich, dass sich im Moment ein anderer Interessent für die Räume findet, aber solange kein neuer Vertrag unterschrieben ist, sei auch sie derzeit nicht an die Freilings gebunden. Die sehen sich momentan aber nicht in der Lage, ein weiteres Risiko einzugehen. Bei den geringen Margen sei kein Spielraum dafür – der für moderne Ladenkonzepte zu kleine Markt habe im Einkauf durch geringere Abnahmemengen schlechtere Konditionen, müsse aber die Preise des neuen Konkurrenzmarktes mitgehen.

von Michael Agricola

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