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Ein Überraschungsbrief aus Lettland

Flaschenpost Ein Überraschungsbrief aus Lettland

Sieben Monate waren vergangen, seit drei Jungs aus dem Nordkreis und ihr erwachsener Begleiter Matthias Hartmann eine Flaschenpost von der Seebrücke Heringsdorf auf Usedom in die Ostsee warfen. Dann kam Antwort.

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Weitgereiste Post: Der 50-jährige Lette Guntis Belskis (zu sehen auf dem Schwarz-Weiß-Ausdruck oben im Bild) fand eine Flaschenpost an der Ostseeküste und schickte einen Antwortbrief nach Niederasphe.

Quelle: Thorsten Richter

Niederasphe. Ein Brief in englischer Sprache landet am 17. März in einem Briefkasten in Niederasphe. „Lieber Michael, mein Name ist Guntis und ich lebe in Liepaja, Lettland. Ich arbeite bei der Hafenbehörde und werde 50 am 19. März dieses Jahres. Ich war Joggen an der Ostseeküste vor einigen Tagen und fand deine Flaschenpost. Sie war eine ganze Weile unterwegs... Ich wünsche dir einen guten Tag und Erfolg, was auch immer du tust. Herzliche Grüße, Guntis.“

Der Brief, der an Michael Hartmann aus Niederasphe gerichtet ist, kommt aus Liepaja, einer Hafenstadt mit rund 80000 Einwohnern an der Küste von Lettland. Der 16-Jährige rief sofort seinen Bruder Matthias Hartmann an, der in Wetter daheim ist. „Stell dir vor, wir haben Post aus Lettland bekommen!“

Gemeinsam mit dem 34-Jährigen und zwei Freunden machte Michael Hartmann im August vergangenen Jahres Urlaub auf der Insel Usedom. Beim Termin mit der Zeitung berichtet Matthias Hartmann über die Zeit dort und die Flaschenpost, sein jüngerer Bruder hat schulische Verpflichtungen und kann nicht dabei sein. „Das war am 10. August, es gab ein Riesenunwetter mit Sturm und Hagel“, erinnert sich Matthias Hartmann.

Die kleine Reisegruppe, zu der neben den Brüdern Hartmann der 15-jährige Benjamin Scherer aus Wetter und der 13-jährige Leon Boßhammer aus Goßfelden gehören, hockt in ihrer Pension und schaut sich vom Fenster aus das Unwetter an. „Da schlug Michael vor, wir könnten doch eine Flaschenpost auf die Reise schicken.“ Gesagt, getan. Die Jungs beschriften zwei Notizzettel, einen mit Michael Hartmanns Adresse in Niederasphe, eine mit der Adresse des älteren Bruders in Wetter. Zwei Zettel, zwei leere PET-Flaschen, dazu jeweils die Notiz: „Diese Flaschenpost wurde am 10.08.2014 bei Heringsdorf/Usedom in die Ostsee geworfen.“

„Postamt“ Seebrücke

Es ist 21 Uhr. Matthias Hartmann und seine Schützlinge marschieren schnurstracks auf die Seebrücke in Heringsdorf und werfen zwei Flaschen mit Post an unbekannte Empfänger in die See. „Wir haben noch überlegt, wo die Flaschen hinschwimmen könnten und ob sie jemals gefunden werden.“ Das war‘s dann. „An die Flaschenpost habe ich inzwischen schon gar nicht mehr gedacht“, sagt Benjamin Scherer und Leon Boßhammer nickt: „Ich hatte das auch längst vergessen.“

Dann kam der Brief von Guntis Belkskis - eine Riesenüberraschung für die vier Urlauber. „Gehofft, dass da noch mal was zu uns zurückkommt, haben wir schon, aber kaum dran geglaubt. Und jetzt kommt Post nach so langer Zeit, da haben wir uns sehr gefreut“, sagt Matthias Hartmann und staunt: „Schließlich war die Flasche ja den ganzen Winter über auf der Ostsee.“ Was aus der anderen Flaschenpost geworden ist, die ebenfalls am 10. August auf die Reise ging, wissen die Urlauber nicht. Die Flasche, die es von Heringsdorf bis nach Liepaja geschafft hat, legte schätzungsweise rund 300 Seemeilen und somit gut 600 Kilometer zurück, sollte sie auf direktem Weg dorthin gekommen sein.

Der Antwortbrief von Guntis Belskis, dem der Lette noch ein Foto von sich und einen Prospekt seiner Heimatstadt beilegte, ging ebenfalls auf eine weite Reise von rund 2000 Kilometern, aber mit der regulären Post zu Lande und nicht zur See. Deshalb war der Brief auch nur einige Tage und nicht ganze sieben Monate unterwegs, wie die Flaschenpost. Einen Antwortbrief an den freundlichen Letten haben die vier Urlauber noch nicht verfasst, „wir sind einfach noch nicht dazu gekommen“, sagt Matthias Hartmann etwas verlegen. „Aber wir machen das noch.“ Die drei Jungs, mit denen der 34-Jährige auf die Reise ging, kennen sich von einer gemeinsamen Koch-AG an der Wollenbergschule, die Matthias Hartmann leitete und die bei einem Schüler-Koch-Wettbewerb an der Käthe-Kollwitz-Schule in Marburg erfolgreich war.

von Carina Becker

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