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Ein Mann, der viele Namen hat

Leon Shankara Ein Mann, der viele Namen hat

Ist er ein Guru? „Nein, lieber nicht - der Begriff ist irgendwie negativ besetzt“, sagt Stefan Langner, der als Leon Shankara das Zentrum für Energie- und Lichtarbeit am Fuße des Christenbergs betreibt.

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Stefan Langner, der als Leon Shankara das Zentrum für Energie- und Lichtarbeit am Fuße des Christenbergs betreibt, hat schon als Kind gedanklich Regenbögen zu seiner Lehrerin geschickt. Er wollte sie "chilliger" stimmen.

Quelle: Foto: Tobias Hirsch, Illustration: Sven Geske

Münchhausen. Guru - eigentlich ein Wort mit einer positiven Bedeutung: „,Der die Dunkelheit vertreibt‘ oder ,Der das Licht bringt‘“, übersetzt Leon Shankara, der sich selbst aber lieber nicht als Guru bezeichnen will. „Wie der Begriff in unserer Gesellschaft benutzt wird, hat er doch eher einen abwertenden Klang“, überlegt er. Klar, ein Yogi ist er - „das ist ja jeder, der Yoga macht“. Ansonsten kann Leon Shankara gut leben mit dem Titel spiritueller Lehrer.

Stefan Langner, so steht es in seinem Ausweis. Leon Shankara - so lautet der Name, den er quasi in Ausübung seines „Berufs“ verwendet. Es ist sein so genannter Ursprungsname - doch dazu später mehr. Ich frage mich, wer ist dieser Mann, der in Münchhausen gemeinsam mit seiner Mutter das Zentrum für Energie- und Lichtarbeit eröffnet hat? Und was passiert dort eigentlich?

Ich schaue mir die Homepage des Zentrums an, um mich auf die Begegnung mit Leon Shankara einzustimmen: „Das Zentrum für gelebte Spiritualität“ heißt es dort - die Rede ist von einem Ort, „an dem du nur sein darfst, wo du Segen und Liebe erfährst, du aber auch immer weiter wachsen kannst, wo jeder Ruhe finden kann - gleich welcher Religion, welchen Geschlechts oder welcher Rasse.“ Es gibt Gruppen- und Einzelbehandlungen. Usui-Reiki, eine uralte Heilmethode aus Japan. Yoga und Yoga-Reisen. Und man kann in dem Zentrum in Münchhausen seinen „Ursprungsnamen channeln lassen“. Wie bitte? Ich lese weiter.

„Dein Ursprungsname enthält die Schwingungen, die deine DNS entschlüsseln und dich deines göttlichen Selbst bewusst machen.“ Eine weitere Technik, die Leon Shankara praktiziert - „Karalam-Ermächtigung“: „Mit sofortiger Wirkung wird dein Lichtkörper auf die hohe Erdschwingung von 996 angehoben. Kristalline Strukturen und karmische Verstrickungen, die dich hindern, werden hierbei entfernt.“ Bislang kenne ich Leon Shankara nur als Yoga-Lehrer - und da kam er mir, man könnte sagen, einigermaßen normal vor. Dieser Eindruck ist vorerst erloschen - aber ich bin neugierig und möchte mehr erfahren über „Ursprungsnamen“ und „Karalam-Ermächtigung“ - und über den Mann, bei dem man all das buchen kann.

"Klingt alles ziemlich abgefahren und verrückt"

Mein Kollege begleitet mich als Fotograf ins Zentrum für Energie- und Lichtarbeit. Es befindet sich in einem Wohnhaus am Fuße des Christenbergs - ein älteres Haus mit drei Stockwerken. Ein schwarzer schnittiger Mercedes-Zweisitzer mit dem Logo des Zentrums, einer strahlenden Sonne als Aufkleber auf der Heckklappe, steht vor der Tür.

Drinnen frisch in Weiß gestrichene Holzvertäfelungen an der Wand. Auch die alte steile Holztreppe hat frische Farbe bekommen - Weiß und Graublau. Leon Shankara steht in weißer Leinenhose und mit einer langen Strickjacke über dem weißen Shirt vor uns. Er ist barfuß und trägt Flip-Flops, die den Blick auf seine mit Schriftzeichen tätowierten Füße und Fußgelenke freigeben. „Wir haben uns schon ein wenig auf der Homepage umgeschaut“, sagte ich. Leon Shankara lacht. „Ja, klingt alles ziemlich abgefahren und verrückt“, sagt er und zeigt uns den Verkaufsraum.

Kristalle, Kräuter- und Blüten-Essenzen, Halsketten aus Holz und Edelsteinen, Reiki-Tücher, Räucherstäbchen, Heiligen-Bilder und ein Stapel von Leon Shankaras Yoga- und Meditations-CD hier drinnen stehen in einem merkwürdigen Kontrast zur bürgerlichen Weihnachtsdekoration vorm Haus und an der Treppe. „Klar, wir feiern Weihnachten“, erklärt Leon Shankara. Es riecht nach Patchouli. Und der kleine grau-weiße Kater namens Ashtar springt uns maunzend um die Beine.

Beim Namens-Channeling gibt es unseriöse Angebote

Leon Shankara führt uns ins ausgebaute Dachgeschoss. Hier bieten der 28-Jährige und seine Mutter Sri Mata Leola, im bürgerlichen Leben heißt sie Bettina Langner, die Einzelbehandlungen und Gruppenseminare an. Seinen Platz in Münchhausen hat das Zentrum seit diesem Jahr - zuvor war es jahrelang in Großseelheim beheimatet. „Ich habe ein Haus gesucht - dass der Christenberg ein so energetischer Ort ist, habe ich erst später erfahren“, erzählt Leon Shankara, der das Zentrum gemeinsam mitseiner Mutter vor fast zehn Jahren gegründet hat. „Ja, davon kann man leben“, sagt er freimütig. „Kein Wunder bei den Preisen: 30 Euro für das Channeln des Ursprungsnamens, 222 Euro für die Karalam-Ermächtigung“, sage ich. „Qualität hat ihren Preis“, erklärt der 28-Jährige selbstbewusst - es sei aber auch noch nie am Geld gescheitert, wenn jemand ins Zentrum kommen wollte.

„Gerade bei den Ursprungsnamen gibt es auch unseriöse Angebote“, erkläutert Leon Shankara. Mein Kollege und ich müssen jetzt grinsen - für uns klingt auch das meiste von dem, was Leon Shankara anbietet, ziemlich suspekt. Der

28-Jährige lacht. „Ja klar, da zieht jeder seine Grenzen, wir ja auch - was kann man glauben, was nicht: Quanten-Heilung, das geht für uns beispielsweise gar nicht“, sagt er über eine esoterische Heilmethode.

Meditationsübung mit Leon Shankara:


Mutter behandelte bayerische Politiker

Ein gewöhnlicher Mensch war Leon Shankara wohl nie. Als Fünfjähriger lernte er Reiki und wollte einen Altar in seinem Zimmer stehen haben. „Beim Einkaufen mit meiner Mutter habe ich eine Verkäuferin mit Reiki von ihren Kopfschmerzen befreit“, erzählt er, als gäbe es nichts Normaleres auf der Welt. Zugleich bekennt er: „Meine Mutter hat mich, als ich noch klein war, immer gebremst, damit ich mit diesen Sachen nicht so freizügig umgehe, weil viele es nicht verstehen können.“ Geboren ist Leon Shankara in Gießen. Die Schulzeit verbrachte er in Bayern, wo die Familie jahrelang lebte. Seine Mutter praktizierte auch dort als Lebensberaterin und Heilerin - so, wie vor ihr bereits Mutter und Großmutter. „Sie hat in Bayern auch Politiker beraten und behandelt“, erzählt Leon Shankara, verrät aber keine Namen.

Leon schickte gedanklich Regenbögen

Spiritualität und das Wissen über die Heilwirkung von Kräutern sind Tradition in der Familie. „Meine Oma hat mir die Pflanzen am Waldrand gezeigt. Und die Feen und Kobolde.“ Für ein so ungewöhnliches Kind dürfte die Schulzeit nicht ganz einfach gewesen sein. „Ja, das stimmt“, sagt Leon Shankara und erklärt:„Ich konnte schon als Kind die lichten und die dunklen Wesen sehen. Ich war das typische Träumerkind - hab Turnbeutel und Pausenbrot vergessen, zum Fenster rausgeschaut und die Eichhörnchen beobachtet und meiner Lehrerin gedanklich Regenbogen geschickt, damit sie peaciger wird“, erzählt er über eine Methode aus dem Reiki, die Frieden und Harmonie bringen soll.

Die Sache mit dem Regenbogen - sie funktioniert für Leon Shankara. In seinem Leben existieren viele Dinge, die andere Menschen nicht kennen. So auch die Ursprungsnamen, von denen am Anfang schon die Rede war. Um diese zu „channeln“, wie der 28-Jährige es nennt, braucht es nicht mehr als die Begegnung mit dem betreffenden Menschen. Soll das „Channeln“ quasi fernmündlich erfolgen, braucht Leon Shankara den Namen und das Geburtsdatum, um das Universum als Quelle anzuzapfen. Den Ursprungsnamen zu kennen, das soll helfen, die eigene Bestimmung zu finden. Leon - das bedeutet „König des Lichts“. Seine Reiki-Lehrerin in Bayern hat den Namen für ihn „gechannelt“ als er noch ein Kind war. Darüber hinaus ist er der „große weiße Schwan“ (Paramhamsa) und „voll der Glückseligkeit“ (Shankara), übersetzt er weitere seiner Namen für uns aus Sanskrit, dem Alt-Indischen.

Leon, „der König des Lichts“, versteht es als seine Bestimmung, dabei zu helfen, dass andere erleuchtet werden. Deshalb gibt es in seinem Leben auch keine Partnerschaft. „Dafür braucht man Aufmerksamkeit und Energie - beides benötige ich für meine Schüler.“

Den Blick fürs Göttliche öffnen

Dass die Behandlungen im Zentrum den Kunden helfen, dass Handauflegen und Reiki Heilung bringen, dass die Behandlung mit Kristallen Spannungen auflöst - davon ist Leon Shankara überzeugt. „Das erlebe ich hier - und klar, das ist auch deshalb so, weil jede Form von menschlicher Zuwendung und Aufmerksamkeit hilft.“ Doch geht es nach seiner Überzeugung um mehr - darum, dass eigene Ego loszulassen und das Göttliche zu erfahren. „Es ist eigentlich nur dafür da, dass wir essen, trinken, schlafen“, sagt er über das menschliche Ego, „es ist viel zu groß geworden. Es hält uns in der Materie, im Nicht-Spirituellen“, führt der 28-Jährige aus. Sein Ziel: den Blick fürs Göttliche öffnen, das Bewusstsein für eine Welt, in der alle Wesen nach und nach erleuchtet werden.

Sich mit Leon Shankara zu unterhalten, ihm zuzuhören, sich auf das einzulassen, was er erzählt - das funktioniert, obwohl die Geschichten für esoterisch wenig vorgebildete Menschen sehr abenteuerlich klingen. Er lacht viel, versprüht gute Laune - seine Art steckt an. Die besten Voraussetzungen, wenn man anderen etwas verkaufen will.

"Sieht halt jeder was anderes"

Auf der Rückfahrt nach Marburg sind wir voll drin im Leon-Flow. Mein Kollege und ich, wir diskutieren darüber, was Menschen so alles sehen können - oder eben glauben, sehen zu können. Verstohlen halte ich auf den vorbeiziehenden Feldern und an den Waldrändern nach Feen und Kobolden Ausschau. Nichts. Dann nehme ich zwei Minzpastillen und stelle mir vor, sie enthielten bewusstseinserweiternde Substanzen. Mein Kollege schlägt jetzt ganz nüchtern eine Brücke zu seinem Bio-Studium. „Da hab ich gelernt, dass Bienen ganz unterschiedliche Farbmuster sehen, wo das menschliche Auge nur gelbe Blüten erkennen kann. Sieht halt jeder was anderes.“

Tipps vom Yogi

Leon Shankara lehrt Yoga und Ayurveda – aus beiden Lehren hat er uns einige Tipps verraten, die man im Alltag leicht selbst ausprobieren kann.

Yoga-Stellungen, die im Winter wärmen, für eine gute Durchblutung und Abwehrkräfte sorgen, die aktivieren und vitalisieren – zum Ausprobieren in der Reihenfolge:

Yoga Mudra in Vajrasana: Auf den Boden knien, in den Fersensitz gehen, Oberkörper auf die Oberschenkel legen, langsam weit nach vorn gehen, die Arme weit ausgestreckt vorm Körper, die Handflächen und Stirn auf dem Boden – gleichmäßig und ruhig atmen und zehn Atemzüge lang so verharren.

Berg (auch bekannt als „herunterschauender Hund“): Aufrichten aus Yoga Mudra – Arme langsam zurück, auf die Knie kommen in die Ausgangsposition „Katze“, die Zehen aufstellen, die Hände aufstellen, nach oben kommen – der Hintern ist nun der höchste Punkt, der Körper bildet ein umgedrehtes V, Beine und Arme sind gerade, die Fersen Richtung Boden drücken und verharren.

Stehende Vorwärtsbeuge: Aus der Berghaltung langsam aufrichten, Arme und Kopf bleiben jedoch unten. Vorn übergebeugt stehen, die Beine gerade, die Füße auf dem Boden, die Hände auf dem Boden, der Kopf hängt entspannt mit Schulter und Nacken, ruhig atmen – bis zu zehn Atemzüge lang.

Stehende Rückwärtsbeuge: Aus der Vorwärtsbeuge heraus langsam aufrichten, ganz gerade stehen und die Arme seitlich des Kopfs nach oben nehmen und gen Himmel recken, leicht nach hinten beugen, Kopf in den Nacken geben und einige Atemzüge so verharren.

Gerader Stand: Zum Abschluss aus der Rückwärtsbeuge in den geraden Stand und in die Gebetshaltung mit zusammengelegten Handflächen vor der Brust. Atmen, nachspüren und einige Atemzüge lang verharren.

Ayurvedische Rezepte

Mildes Möhrencurry: 750 Gramm Möhren, zwei kleine Zwiebeln, drei Zentimeter Ingwer, zwei flache Esslöffel Rosinen, zwei Esslöffel Ghee (indisches Butterschmalz, gibt‘s unter anderem im Asia-Laden), Salz, Pfeffer, ein Esslöffel Garam Masala, vier getrockenete Curryblätter, ein viertel Teelöffel Zimt, ein viertel Teelöffel gemahlener Kreuzkümmel, drei Kardamomkapseln, eine Dose Kokosmilch. Die Möhren säubern und in Würfel schneiden. Die Zwiebeln schälen und ebenfalls in Würfel schneiden. Den Ingwer schälen und fein hacken. Die Rosinen zehn Minuten in Wasser legen und dann abwaschen. Das Ghee in einem Topf erhitzen und die Zwiebeln darin andünsten. Möhren, Ingwer, Rosinen und die Gewürze zugeben, umrühren und alles einige Minuten anschwitzen. Mit Kokosmilch aufgießen, kurz aufkochen und dann köcheln lassen, bis die Möhren bissfest gegart sind (etwa 15 bis 20 Minuten lang). Mit Salz und Pfeffer abschmecken, eventuell mit frischem Koriander oder frischen Ingwerstreifen garnieren und mit Reis servieren.

Wurzelsuppe gegen winterliche Kälte: eine halbe Sellerieknolle, drei Fühlingszwiebeln, eine kleine Süßkartoffel, eine Karotte, zwei Esslöffel Ghee, ein Teelöffel Kurkuma, ein Teelöffel Kreuzkümmel, einen halben Teelöffel schwarzer Senfsamen, eine Scheibe frischer Ingwer, 1,5 Liter Gemüsebrühe oder Ingwerwasser, eine Messerspitze Muskat, Peffer und Salz, frische Petersilie. Das Gemüse putzen und kleinschneiden. Ghee im Topf erhitzen, die Gewürze hinzufügen, anschließend das Gemüse mit Brühe angießen und etwa 20 Minuten weichköcheln lassen. Dann das Ganze mit dem Pürierstab fein pürieren und mit Salz, Pfeffer, Muskat und etwas frisch geriebenem Ingwer nachwürzen. Wenn die Suppe zu dick sein sollte, etwas Wasser hinzufügen. Gehackte Petersilie drüberstreuen.

Um winterliche Kälte und Erkältungen aus dem Körper zu vertreiben: Ein bis zwei Gramm von Trikatu – eine ayurvedische Mischung aus „den drei Scharfen“: Ingwerpulver, Langpfeffer und schwarzer Pfeffer zu gleichen Teilen – zwei bis drei Mal täglich mit einem Teelöffel Honig vermischt im Mund zergehen lassen.

von Carina Becker

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