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Ein Fahrfehler beendet das Leben eines Menschen

Geldstrafe für fahrlässige Tötung Ein Fahrfehler beendet das Leben eines Menschen

Unerfahrenheit und Kontrollverlust eines damals 18-Jährigen führten im November 2013 zu einemVerkehrsunfall und zum tragischen Toddes Unfallopfers.

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Auf der Bundesstraße 252 ereignete sich im November 2013 ein tragischer Unfall mit einem Todesopfer.Archivfoto

Quelle: MARK ADEL

Marburg. Nun stand der Verursacher wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht. Er wurde zu einer Geldstrafe, vorübergehendem Fahrverbot und zur Teilnahme an einem Verkehrsseminar verurteilt.

Weil er Anfang November vergangenen Jahres in der Gemeinde Wetter einen Verkehrsunfall mit tödlichen Folgen verursacht hatte, musste sich ein 19-Jähriger am Montag wegen fahrlässiger Tötung vor dem Marburger Amtsgericht verantworten.

Am Nachmittag des vierten Novembers fuhr der Heranwachsende mit einem Firmentransporter auf der B 252 zwischen Göttingen und Niederwetter. In einer langgezogenen Rechtskurve geriet der Kastenwagen leicht auf die Gegenfahrbahn, touchierte einen entgegenkommenden Sattelschlepper und wurde auf die eigene Fahrspur zurückgedrängt. Durch diesen Beinahezusammenstoß geriet das Fahrzeug ins Schlingern, der junge Fahrer verlor die Kontrolle über den Wagen. Er geriet erneut vollends auf die Gegenspur und raste frontal mit etwa 90 Stundenkilometer in ein entgegenkommendes Transportfahrzeug. Beide Wagen erlitten Totalschaden, die Fahrer mussten von der alarmierten Feuerwehr aus den Fahrzeugen geschnitten werden. Das Unfallopfer des gerammten Wagens erlitt schwerste Verletzungen und verstarb fünf Tage später im Krankenhaus.

Aus welchem Grund der Angeklagte vor dem ersten Zusammenstoß in der eigentlich leicht zu bewältigenden Kurve bereits auf die Gegenspur geriet, konnte während der Verhandlung am Montag nicht eindeutig geklärt werden. Der junge Unfallverursacher hatte zum Tatzeitpunkt seit etwa einem Jahr den Führerschein, die Straße fuhr er täglich, kannte die Wegstrecke gut. Er könne sich nicht erinnern, wie es dazu kommen konnte, teilte der 19-Jährige vor Gericht mit. Er sei nicht zu schnell gefahren, war weder abgelenkt, übermüdet oder betrunken und stand auch nicht unter Zeitdruck, klärten die Prozessbeteiligten im Verlauf der Verhandlung.

Ein möglicher Grund für den Kontrollverlust über das Fahrzeug sei eine Übersteuerung des Wagens gewesen, den der unerfahrene Kraftfahrer „nicht mehr einfangen“ konnte, vermutete einer der Polizisten, der den Unfall aufnahm und als Zeuge aussagte. Ein einfacher Fahrfehler habe eine ganze Reihe von Ereignissen ausgelöst, die aufeinander aufbauten und schließlich in der Katastrophe endeten. Mehrere Augenzeugen hatten zudem mitgeteilt, dass beide Fahrer ohne zu bremsen mit voller Geschwindigkeit aufeinander zugerast waren. „Es kam ganz plötzlich und unvermittelt, keiner hatte noch eine Chance auszuweichen“, teilte ein Augenzeuge mit.

Infolge des Unfalls beauftragte das Gericht einen Kfz-Sachverständigen, um den Vorfall zu untersuchen. Nach einer gründlichen Überprüfung des Unfallhergangs, der Unfallstelle und der beteiligten Fahrzeuge, kam der Gutachter zu dem Schluss, dass das verstorbene Unfallopfer nicht angeschnallt gewesen war. Der Familienvater erlitt massive Verletzungen. Den Berechnungen zufolge fuhr der Unfallverursacher etwa 80 bis 90 Stundenkilometer, hätte jedoch noch ausweichen und zeitnah reagieren können, so der Sachverständige.

Bei dem schweren Unfall zog sich der Angeklagte mehrere Prellungen, eine Verletzung an der Hüfte und Schnitte im Gesicht durch umherfliegende Glassplitter zu. Sein Leben habe sich durch die Last seiner Schuld massiv geändert, „ich denke jeden Tag an den Unfall“, sagte der Angeklagte vor Gericht. Nachdem er vom Tod des Unfallopfers hörte, schrieb er zusammen mit seiner Mutter einen Beileidsbrief an die Angehörigen. Die Nachricht habe ihn dazu gebracht, sich von seinem alltäglichen Umfeld zurückzuziehen und „stark belastet“, bescheinigte auch die Jugendgerichtshilfe dem Heranwachsenden und schlug in diesem Fall eine Verurteilung nach dem Jugendstrafrecht vor.

Der Tod eines Menschen sei die schlimmste Unfallfolge und „nicht zu toppen“, die Umstände in diesem Fall jedoch auch schwierig und eine Sache von „Augenblicksversagen“ des Unfallverursachers, sagte Staatsanwalt Christian Laubach in seinem Plädoyer.

Ihr Mandant sei tief erschüttert und müsse ein Leben lang mit dem Unfallwissen leben, die Folgen abseits der juristischen Bewertung seien groß, betonte auch Verteidigerin Ulrike Ristau.

Richter Cai Adrian Boesken verurteilte den 19-Jährigen schließlich nach Jugendstrafrecht wegen fahrlässiger Tötung zur Zahlung einer Geldstrafe von 1500 Euro an eine gemeinnützige Organisation zur Verkehrsunfallprävention sowie zur Teilnahme an einem Verkehrsseminar. Für die nächsten drei Monate wurde ihm die Fahrerlaubnis entzogen.

Unachtsamkeit gepaartmit Unerfahrenheit

Viele Menschen werden das Urteil als zu gering betrachten, insbesondere die Angehörigen des verstorbenen Verkehrsopfers, war sich der Richter bewusst. Für eine angemessene Sanktion müsse jedoch immer das Maß an Fahrlässigkeit beachtet werden, das diesem zugrunde liegt. Der ausschlaggebende Fehler des Angeklagten habe zu einem Kontrollverlust über das Fahrzeug, katastrophalen Folgen und einem fatalen Ausgang geführt. Das Augenblicksversagen des Angeklagten führe in diesem Fall jedoch nicht zu einer weiteren juristischen Strafzumessung wie etwa der „Schwere der Schuld“. Es sei eine tragische „Kombination aus Unachtsamkeit gepaart mit Unerfahrenheit“ gewesen, fasste Richter Boesken die Unfallursache zusammen.

Da Staatsanwaltschaft und Verteidigung auf Rechtsmittel verzichteten, ist das Urteil rechtskräftig.

von Ina Tannert

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