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Ein Dorf fährt aus dem Standby langsam hoch

Grenzgang in Wollmar Ein Dorf fährt aus dem Standby langsam hoch

Kurze Ansprachen und kurze Reden prägten gestern Abend den Auftakt des Grenzgangfestes in Wollmar. Dabei wurde ersichtlich: Auch mit wenigen Worten kann sehr viel ausgedrückt werden.

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Die Grenzgangburschen mit der Vereinsfahne auf dem Friedhof.

Quelle: Andreas Schmidt

Wollmar. Pfarrer Friedhelm Wagner fand während der Totenehrung auf dem Wollmaraner Friedhof sehr besinnliche, aber auch mutmachende Worte für die rund 400 teilnehmenden Menschen. Er erinnerte daran, dass Menschen, die in einem Grenzgangdorf leben, auch dazu neigen würden, die sieben Jahre dauernden Abstände zwischen den einzelnen Festen für sich als persönliche Bilanzzeit zu nutzen: Was ist in den vergangenen sieben Jahren passiert?

Grenzgang Wollmar Kranzniederlegung

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In Wollmar fanden 48 evangelische Beerdigungen statt, sagte Wagner. Deshalb treffe man sich vor dem Kommers auch auf dem Friedhof, um derer zu gedenken, die vor sieben Jahren noch dabei waren und jener, die in früheren Zeiten die Grenzgänge mitgestaltet haben und nun schon tot sind. Wagner verglich das Innehalten auf dem Friedhof mit einem Computer, der sich gerade im Standby-Modus befindet und dann im Festzelt wieder „hochgefahren“ wird und mit dem Password „Grenzgang“ schließlich auf Höchstleistung geht.

Klaus-Peter Fett erinnerte als Vorsitzender des 1978 gegründeten Grenzgangvereins, dass Grenzgänge heutzutage keinen kriegerischen Hintergrund mehr hätten, sondern dazu dienen, sich mit den Nachbarn zu treffen und Freundschaften zu vertiefen. Wie sich so etwas auswirken kann, zeigte der Auftritt des Kirchenchores Wollmar, der an diesem Abend Verstärkung aus Münchhausen erhielt und ganz selbstverständlich von der Dirigentin des Posaunenchors, Annelore Lichtenfels, geleitet wurde. Landrat Robert Fischbach hatte die Schirmherrschaft übernommen, wusste aber nicht wirklich, ob er mit Wollmar kurz vor Ende seiner letzten Amtszeit selbst ein Jubiläum feiert.

„Es könnten an die 25 Grenzgänge gewesen sein, die ich als Landrat miterlebt habe. Und alle haben Spaß gemacht. Ich weiß, was da abgeht, weil ich weiß, welche Rolle die Heimatverbundenheit an diesen Tagen spielt. Und dieses Gefühl ist durch nichts zu ersetzen.“ Glänzend unterstützt von Maren Seipp und Leon Seipp, präsentierte Fett die Geschichte des Grenzgangs. Münchhausens Bürgermeister Peter Funk riskierte auch einen Blick in die Zukunft für die Tradition: 33 Geburten in sieben Jahren lassen hoffen, dass es noch viele Grenzgänger geben wird.

von Götz Schaub

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