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Ehrlicher Umgang mit Preisen tut not

Strompreise Ehrlicher Umgang mit Preisen tut not

Die Verteuerung des Strompreises durch die Erneuerbaren Energien ist ein vieldiskutiertes Thema. Grund genug für den Nordkreis-Klimaschutzmanager, der Frage nachzugehen: „Was treibt den Strompreis?“

Cölbe. Unter dieser Fragestellung stand eine Veranstaltung, zu der Michael Meinel als Klimaschutzmanager der Nordkreiskommunen Cölbe, Lahntal und Wetter nach Cölbe eingeladen hatte. Nur zwölf Interessierte fanden allerdings den Weg zum Energiestammtisch in den Räumen der Firma Solar-Wagner. Alleine etwa 50 Menschen seien persönlich angeschrieben worden, so Meinel. Gleichwohl freue er sich über jedes Interesse zum Thema.

Meinel sprach zum Thema Strompreis im Allgemeinen, bevor der erste Beigeordnete Thomas Rotarius (Grüne), gleichzeitig Energiebeauftragter der Gemeinde Cölbe, zu Möglichkeiten des Sparens referierte. Abschließend informierte Evelyn Bamberger von Wagner-Solar über Möglichkeiten, den Strom selbst zu produzieren und die damit verbundenen Vorteile.

Meinel verwies darauf, dass der Strompreis oder vielmehr seine Höhe derzeit in aller Munde sei. „Strom wird zum Luxus“ oder Wörter wie „Strompreishammer“ bestimmten die Schlagzeilen. Tatsache sei es, dass der Strom teurer geworden sei. Aber wenn man die Energiepreise im Ganzen - also auch Wärme und Benzin für Kraftfahrzeuge betrachte, schlage dies nur zu einem kleineren Teil auf die Gesamtkosten der Menschen durch.

Hauptkostenfaktor sei das Heizen, bei einer Ölheizung müsse für ein Einfamilienhaus mit 1800 Euro im Jahr mehr gerechnet werden als in der Vergangenheit, beim Tanken betrage die Steigerung bei 15 000 Kilometern im Jahr 600 Euro.

Transparente Umlage statt versteckter Subventionen

Beim Strom seien es „nur“ 320 Euro, wovon 120 auf die Erneuerbare-Energien-Umlage (EEG) entfielen. Seiner Meinung nach werde viel in die Richtung Strompreise geredet, um die Energiewende zu bremsen, so Meinel. „Aber das wird uns nicht retten, denn die fossilen Brennstoffe werden immer teurer.“

Wenn behauptet werde, es sei die EEG-Umlage, die den Strompreis erhöhe, so stimme dies nur bedingt, denn von elf Cent Steigerung entfielen darauf nur 3,5 Cent. Im Übrigen gebe es eine Ungerechtigkeit, denn Verbraucher und Mittelstand müssten dies komplett zahlen, die größten Stromverbraucher würden dagegen mit Hinweis auf den internationalen Wettbewerb davon befreit, sagte Meinel.

Im Übrigen sei es eine offene Umlage, die transparent erhoben werde. Kohle- und Atomstrom erhielten versteckte Subventionen aus Steuern, zwischen 1970 und 2010 seien es insgesamt 551 Milliarden Euro gewesen. Zum Vergleich: Forschungsgeld für regenerative Energien habe in diesem Zeitraum nur in Höhe von 39 Milliarden Euro zur Verfügung gestanden. Selbst in den vergangenen zehn Jahren hätten dort 19 Milliarden Euro gegenüber 65 Milliarden Euro Subventionen für die Kernenergie gestanden.

Tatsache sei es, dass die Umlage den Strompreis an der Börse zu Spitzenzeiten sogar senke, aber die großen Konzerne, die ihre Aktionäre befriedigen müssten, gäben dies an die Verbraucher wegen der Rendite nicht weiter.

Wie Rotarius verdeutlichte, hätten Verbraucher einige Möglichkeiten, ihre Kosten zu senken. Vergleichsportale im Internet zeigten an, wo man den Strom billiger beziehen könne. Und selbst bei reinem Ökostrom könne gegenüber großen Konzernen massiv gespart werden. Des Weiteren gebe es zahlreiche Sofortmaßnahmen, wie die Erneuerung technischer Anlagen. Es gebe die Möglichkeiten, einen Energieberater zu sich nach Hause zu holen oder im Internet sein individuelles Energiesparpotenzial zu errechnen, zum Beispiel unter www.stromeffizienz.de.

Beteiligungsmöglichkeit an Solardach für Cölber Bürger

Wie Evelyn Bamberger erläuterte, könne jeder Cölber am Solarkataster auf der Gemeindehomepage (www.coelbe.de)schauen, ob sich sein Dach für eine Fotovoltaikanlage eigne. Habe man eine auf dem Dach, so sei es sinnvoll, den selbst produzierten Strom zu nutzen, so sei man unabhängiger von den Stromanbietern und Preiserhöhungen.

Wenn der eigene nicht reiche, so in den Abendstunden, dann beziehe man Strom aus dem Netz, umgekehrt könne man eigene Überschüsse einspeisen. Im Augenblick noch nicht wirtschaftlich, aber sicher eine Zukunftsoption seien Akkus zur Speicherung der Überschüsse.

Wer kein eigenes Dach habe, könne auch gemeinschaftlich in Solarstrom investieren. Das neueste Projekt in Cölbe sei das Dach des neuen Kindergartens.

Die Gemeinde habe das Dach an die Wagner-Tochter Solardach Invest verpachtet, die dort eine Anlage errichten werde, die Anfang 2013 ans Netz gehen solle, so Bamberger. Eine Beteiligung sei ab 500 Euro möglich. Das Geld sei auf 20 Jahre festgeschrieben und werde nach einem Jahr Vorlauf regelmäßig getilgt. Die Zinsen seien ertragsabhängig zwischen vier und sechs Prozent.

von Heiko Krause

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