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Dorfgemeinschaft packt kräftig an

Arbeitseinsätze im Ort Dorfgemeinschaft packt kräftig an

Im Hugenotten- und Waldenserdorf Todenhausen wird repariert, gereinigt und gestrichen. Die Einwohner haben angepackt, um ihr Dorf auf Vordermann zu bringen.

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Daniel Junk (von links), Werner Vollmerhausen, Niklas, Lennard und Reinhard Vial und Ortsvorsteher Ralf Funk (Zweiter von rechts) helfen mit Pinsel und Farbe mit.

Quelle: Martina Koelschtzky

Todenhausen. Das Programm, das Ortsvorsteher Ralf Funk für den Tag gesetzt hat, ist durchaus ehrgeizig: Auf dem Friedhof wird der Giebel der Kapelle neu verschalt, die Dachtraufen werden erneuert. Zwei neue Fenster werden eingebaut, ein neues Kreuz aus Ulmenholz hat Hans-Hermann Hampel schon vorher angefertigt, versiegelt und poliert. „Das alte war verrottet, es war einfach nicht mehr schön“, erklärt Funk.

„Dem Ralf fällt immer was Neues ein, und wir müssen es ausbaden“, scherzt Hampel. „Ihr braucht mich ja nicht immer wieder zum Ortsvorsteher zu wählen“, kontert Funk gut gelaunt. Mit den 22 Aktiven hat er sein übliches Zehn-Prozent-Ziel an Beteiligung in dem 270-Seelen-Dorf wieder mal so gut wie erreicht.

„Bis andere überlegt haben, sind wir schon fertig“

Selber machen hat eine lange Tradition in dem schmucken Dorf, das 2020 sein 300-jähriges Bestehen feiert. 1720 flohen die Hugenotten und Waldenser vor religiöser Verfolgung aus Südfrankreich und wurden im Marburger Raum heimisch. „Bis andere überlegt haben, sind wir schon fertig“, erklärt Funk, warum das Dorf viele Aufgaben des interkommunalen Bauhofs lieber selbst erledigt. „Und bei der Arbeit spürt man, wer man ist“, ergänzt Barbara Habecke, die sich von der Ansage, heute gebe es nur Männerarbeit, nicht hat abschrecken lassen. Zusammen mit Frank Schmidt restauriert sie im Keller des Bürgerhauses die Schilder, die auf die Alte Schule und das Alte Backhaus hinweisen. Im Keller des Bürgerhauses ist auch sonst einiges los: Die Familie Vial mit Vater Reinhard und den beiden Söhnen Niklas und Lennard streichen die Flure zusammen mit Werner Vollmerhausen und Daniel Junk.

Vor dem ehemaligen Gefrierhaus, das jetzt dem Ortsbeirat als Lager dient, setzen Heiner Nickling und Horst Weiß neue Bänke für den Friedhof zusammen. „Die haben Herbert Hallenberger und Engelbert Schmidt schon in der Woche fertig gemacht, das Holz zugeschnitten, geschliffen und imprägniert. Heute muss nur noch zusammengesetzt werden“, erklärt Funk.

Handwerker bringen eigenes Werkzeug mit

Auch die Blumenkübel im Ort und auf dem Friedhof haben die Frauen in der Woche vor dem „Hand- und Spanndienst“ schon frisch bepflanzt, auf dem Friedhof rechen Pfarrer Matthias Franz und der neunjährige Laurenz Naumann das Laub zusammen. Es sieht aus, als ginge der Plan auf: Mittags zum Essen im Bürgerhaus wird alles fertig sein.

Funk ist die ganze Zeit im Dorf unterwegs, sorgt dafür, dass alle­ haben, was sie brauchen und jeder weiß, was zu tun ist. Das Werkzeug haben die Aktiven selbst mitgebracht. „Wir sind ­alle irgendwie Handwerker hier im Dorf“, sagt Heinrich Müller, der an der Kappsäge die Bretter für den Kapellengiebel zuschneidet.

Ortsvorsteher hat schon viele neue Pläne

Funk hat natürlich schon neue Pläne. Neuerdings gibt es die monatliche Spinnstube im Bürgerhaus für Frauen und Männer. Im Frühjahr soll der Fußweg zum Friedhof gepflastert werden und aus dem schon lange geschlossenen Jugendclub im Alten Backhaus soll wieder ein Backhaus für das Dorf werden. „Wir wollen Brot, Kuchen und unsere Quiche backen“, sagt Funk. „Und wenn wir dann die Bahnhaltestelle bekommen, verkaufen wir das da am Wochenende.“

Für 2020 haben die Todenhäuser natürlich auch schon große Pläne. „Ich wünsche mir, dass wir dann die Umgehungsstraße haben und man im Dorf wieder gut leben kann. Außerdem die Bahnhaltestelle, und dann feiern wir die 300 Jahre mit einem großen Hugenotten- und Waldenser-Fest“, sagt Funk.

von Martina Koelschtzky

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