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Disco-Rowdy bekommt noch eine Chance

Gericht Disco-Rowdy bekommt noch eine Chance

Zu Beginn der Verhandlung vor dem Marburger Landgericht sah es noch alles andere als günstig aus für den Angeklagten des Berufungsverfahrens unter Vorsitz von Richter Hans-Werner Lange.

Marburg. Zu Beginn der Verhandlung vor dem Marburger Landgericht sah es noch alles andere als günstig aus für den Angeklagten des Berufungsverfahrens unter Vorsitz von Richter Hans-Werner Lange.

Der Mann Mitte zwanzig hatte bereits wegen einiger Körperverletzungsdelikte über Jahre hinweg Bewährungsstrafen angesammelt, wobei es sich stets um Vorkommnisse in Diskotheken unter Alkoholeinfluss handelte.

Die Maßnahmen der Justiz entfalteten in der Vergangenheit keine große Wirkung - Geldbußen zahlte der junge Mann zwar, die Bewährungshelfer aber kamen nicht an den Beschuldigten heran, sein Alkoholproblem wollte er sich nicht eingestehen.

Als es im Dezember 2012 in der „Grotte“ in Niederasphe abermals dazu kam, dass der Beschuldigte mit der Faust auf einen anderen Besucher losging, war das Maß voll. „Sechs Monate“, lautete 2013 das Urteil - und dann ohne Bewährung. Eben dieser Unterschied rüttelte den damals Arbeitslosen endgültig wach, er fand eine Anstellung und startete eine ambulante Suchttherapie.

Mit der Haftstrafe kommt der Wandel

„In den letzten Gesprächen habe ich eine ganz neue Person vorgefunden. Er lebt heute selbstständig, hat einen festen Job und hat sich deutlich besser im Griff“, urteilte die Bewährungshilfe.

„Ich habe für mich entschieden, dass sich mein Leben vollständig ändern muss, und habe vor, den Rest meines Lebens keinen Alkohol mehr anzufassen“, betonte der junge Mann.

Angesichts dieser Entwicklung sprach sich auch Staatsanwalt Oliver Rust für eine letzte Bewährungschance im Berufungsverfahren aus. „Eine Haftstrafe würde hier ja nur die Beschäftigungssituation und den Therapieerfolg gefährden.“ Richter Lange war ebenfalls von der Wandlung des jungen Mannes überzeugt: „Wir haben es hier sicher noch mit einem recht zarten Pflänzchen zu tun, aber diese Chance wollen wir ihm einräumen.“

Schlussendlich wurden die bereits verhängten sechs Monate erneut zur Bewährung ausgesetzt und dabei noch um eine Geldstrafe von 1500 Euro ergänzt. Eines muss aus Sicht von Richter Lange jedoch klar sein: „Wenn jetzt noch einmal irgendetwas vorfällt, dann ist eine Haftstrafe unausweichlich.“

von Marcus Hergenhahn

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